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TÜV Süd

Der TÜV Süd könnte, wenn es nach der EU geht, bald deutlich mehr Aufträge haben. © Andreas Gebert

Ältere Autos sollen künftig jedes Jahr zum TÜV müssen. Das plant zumindest die EU. Was halten Kfz-Mechaniker davon? Wir haben uns umgehört.

Viele Autobesitzer müssten dann tiefer in den Geldbeutel greifen: Wenn die von der EU-Kommission geplante Änderung kommt, dass Autos, die bereits älter als zehn Jahre sind, statt alle zwei Jahre jährlich zur Hauptuntersuchung (HU) müssen. Das wären rund die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Autos. Von den gut 49 Millionen Fahrzeugen sind es, laut Kraftfahrtbundesamt, rund 23,5 Millionen. Kfz-Mechaniker und Werkstätten-Inhaber aus dem Landkreis München sind sich uneins, was sie von den EU-Plänen halten sollen.

„Ich halte den Vorschlag für durchaus sinnvoll“, sagt Klaus Pahl, Kfz-Meister und technischer Leiter der Autowerkstatt Garching an der Münchner Straße. „Bei älteren Autos kommt es häufiger zu Problemen.“ Besonders Federn, Stoßdämpfer und Traggelenk müssen bei der HU oft ausgetauscht werden. „Wenn die Autos öfter zum TÜV müssen, kann es schon sein, dass der Straßenverkehr sicherer wird. Die Wagen werden dann öfter kontrolliert und Mängel fallen schneller auf“, sagt Pahl.

Mehr Sicherheit auf Europas Straßen

Das würde zum Ziel der EU beitragen: Sie will mit ihren Plänen erreichen, dass die Sicherheit auf den Straßen steigt, also weniger Menschen durch Unfälle zu Schaden kommen. Laut Kommission könnten dadurch zwischen 2026 und 2050 schätzungsweise rund 7000 Menschenleben gerettet und rund 65 000 schwere Verletzungen verhindert werden.

Für die Kunden von Pahl, deren Pkw älter als zehn Jahre ist, würde das aber auch doppelt so viele Kosten wie bisher bedeuten. „Die HU kostet 160 Euro. Meistens muss bei älteren Autos noch etwas repariert werden. Das kommt noch obendrauf“, sagt Pahl. „Dass da die Kunden nicht begeistert sind, ist klar.“

Laut seinem Kollege Tuncay Bayrak, Inhaber von Tonis Kfz-Service und Handel in Unterhaching, kostet eine Hauptuntersuchung mit ein paar Reparaturen gut und gerne mehrere Hundert Euro. „Die Pläne der EU bedeuten eine finanzielle Mehrbelastung für die Autobesitzer“, sagt Bayrak. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass ältere Autos öfter Mängel aufweisen – „vor allem im Karosseriebereich“. Er ist jedoch der Meinung, dass eine HU alle zwei Jahre wie bisher ausreicht.

Auch der ADAC sieht eine jährliche Untersuchung kritisch und „nicht für notwendig“. Eine Verschärfung der Prüfintervalle, insbesondere in Deutschland, sei nicht angemessen, teilte der Verkehrsclub mit. Die Hauptuntersuchung sei etabliert und gesellschaftlich anerkannt, ihre Effizienz unabdingbar. „Andernfalls könnte die gesellschaftliche Akzeptanz gefährdet werden“, so der ADAC.

Mehr Mängel bei älteren Pkw

Der TÜV-Verband, zu dem auch die Prüfstellen in Unterhaching und Garching gehören, begrüßt hingegen die Vorschläge der EU-Kommission für die Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit. Dort heißt es: „Die Mängelquoten bei der HU steigen mit dem Alter der Fahrzeuge erheblich an. In der Altersgruppe der zehn bis elf Jahre alten Fahrzeuge fällt bei der HU fast jedes vierte Fahrzeug mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch.“

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In 16 der 27 Mitgliedstaaten der EU gibt es bereits ähnliche Regelungen. In Österreich etwa müssten Autos nach zehn Jahren jährlich untersucht werden. Ob und wann die neue Regelung in Kraft tritt, ist noch offen. Zunächst müssen das Europäische Parlament und die EU-Staaten dem Vorschlag zustimmen. Kfz-Meister Pahl: „Meistens wird die Suppe nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird.“ Sein Vorschlag: Eine Kilometergrenze. „Wer nur 2000 Kilometer im Jahr fährt, muss nicht jedes Jahr sein Auto überprüfen lassen. Bei 20 000 Kilometern macht das allerdings Sinn.“