DruckenTeilen
Trumps Zollunordnung belastet den Dollar. Das Vertrauen in die US-Währung könnte nachlassen – auch die Ukraine zieht sich deshalb zurück.
Kiew – US-Präsident Donald Trump verunsichert die ganze Welt mit einer aggressiven Zollpolitik. Große Handelsmächte sind besorgt über verheerende Folgen für die Wirtschaft. Rezessionsängste rufen schnelle Maßnahmen auf den Plan, auch die Ukraine will handeln und nähert sich aufgrund der globalen Unruhen Europa an. Eine besondere Rolle soll dabei der Euro spielen.
Dollar leidet unter Trumps Zöllen – Ukraine sucht nun Nähe zur EU
Die Ukraine erwägt, sich vom US-Dollar abzuwenden und ihre Währung möglicherweise stärker an den Euro zu koppeln, sagte Zentralbankgouverneur Andriy Pyshnyi gegenüber Reuters. Kiew hofft auf eine Annäherung an die EU vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten und vergangener EU-Ukraine-Hilfen.
Ein möglicher Beitritt zur Europäischen Union, eine „Stärkung der Rolle der EU bei der Sicherung unserer Verteidigungsfähigkeit, eine größere Volatilität auf den Weltmärkten und die Wahrscheinlichkeit einer Fragmentierung des Welthandels“ zwingen die Zentralbank zu prüfen, ob der Euro anstelle des Dollars die Referenzwährung für die ukrainische Griwna sein sollte, sagte Pyshnyi in einer per E-Mail versandten Stellungnahme.

Abkehr von Trump: Ukraine wendet sich vom Dollar ab – und nähert sich der EU © Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/imago
Allerdings ist dieser Schritt mit Hürden verbunden. Die Ukraine lässt verlauten, dass die Umsetzung noch dauern wird. „Diese Arbeit ist komplex und erfordert eine qualitativ hochwertige, vielseitige Vorbereitung“, fügte Pyshnyi hinzu, in der direktesten Stellungnahme eines ukrainischen Beamten zu einer möglichen Verschiebung.
Dollar abgeschwächt wegen Trumps Zollpolitik – Euro wird stärker
Der Dollar dominiert den internationalen Handel und stellt den größten Teil der weltweiten Reserven dar. Große Volkswirtschaften wie Saudi-Arabien und Hongkong koppeln ihre Währungen an den Dollar. Die amerikanische Währung litt allerdings massiv unter Trumps Zollchaos: An den US-Börsen kam es zum Crash, weil viele Investoren anfingen, die künftige Rolle des Dollars als globale Reservewährung infrage zu stellen.
Der Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit von Trumps US-Politik ließ den Dollar Mitte April zum Euro auf den tiefsten Stand seit Februar 2022 fallen. Experten zufolge wird der Euro zunehmend zur Alternative. Besonders der Ausbau der Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur würden sehr stark beachtet und positiv aufgenommen, sagte Robin Winkler von der Deutschen Bank. Zudem warnen Experten davor, die Stärke des Dollars mit seinem Status als Reservewährung in Verbindung zu bringen.
Dollar vs. Euro – was sich die Ukraine durch eine EU-Annäherung wirtschaftlich erhofft
Auch Kiew schenkt dem Euro offenbar mehr Vertrauen. Die Ukraine führte die Griwna im Jahr 1996 ein und verwendete im Laufe der Jahrzehnte den Dollar als Referenzwährung. Unmittelbar nach dem russischen Einmarsch im Februar 2022 verhängte die Zentralbank Kapitalkontrollen und koppelte die Griwna mit einem offiziellen Kurs von etwa 29 an den US-Dollar. Aufgrund zunehmender Haushaltsungleichgewichte war die Ukraine später zu einer Abwertung gezwungen. Im Oktober 2023 wechselte die Zentralbank von einer festen Wechselkursbindung zu einem gesteuerten Wechselkurssystem, das den US-Dollar als Referenz verwendet – als Maßstab für Deviseninterventionen und zur Glättung von Wechselkursschwankungen.
Die Ukraine dürfte sich durch eine mögliche Annäherung an die EU vor allem ein stärkeres Wirtschaftswachstum erhoffen. Eine Wiederbelebung der Investitions- und Konsumtätigkeit dank engerer Verbindungen mit Europa und einer Normalisierung der Wirtschaft würde dazu beitragen, dass das Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei Jahren leicht auf 3,7 bis 3,9 Prozent anziehen würde, sagte Pyshnyi. Allerdings hänge die wirtschaftliche Entwicklung stark von der weiteren Entwicklung des Ukraine-Kriegs ab.
Derzeit laufen Friedensverhandlungen, die eine Lösung im Ukraine-Krieg in Aussicht stellen. Die Ukraine hat inzwischen ein Abkommen geschlossen, welches den USA bevorzugten Zugang zu neuen ukrainischen Rohstoffen gewährt, die USA werden dafür in den Wiederaufbau des Landes investieren. (bohy mit Material von Reuters)