Brüssel. Die Ukraine wird ein tragender Pfeiler der künftigen europäischen Verteidigungsstrategie. Beim EU-Ukraine-Verteidigungsforum in Brüssel stellte EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius am Montag klar: Die Sicherheit Europas wird künftig auch in der Ukraine mitgebaut.

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„Wenn Europa in Zukunft die gesamte Verantwortung für die europäische Verteidigung übernehmen muss, wird die Ukraine der wichtigste Teil der neuen Sicherheitsarchitektur Europas sein“, sagte Kubilius. Mit der Gründung einer gemeinsamen Taskforce und dem Schwerpunkt einer „Armee der Drohnen“ beginnt eine neue Ära der verteidigungspolitischen Zusammenarbeit.

Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt.

Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt.

Schon heute sind die EU und ihre Mitgliedstaaten mit insgesamt 140 Milliarden Euro die größten Unterstützer der Ukraine, darunter rund 50 Milliarden Euro an militärischer Hilfe. Dies entspricht dennoch nur 0,1 Prozent der gesamten EU-Wirtschaftskraft. Kubilius rief daher eindringlich zu einer Aufstockung der Hilfen auf: „Wir können und müssen mehr tun.“

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EU-Ukraine-Taskforce nimmt Arbeit auf

Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg erinnerte der EU-Kommissar an die Bedeutung industrieller Stärke: Damals habe der Westen den Produktionskrieg gegen Nazi-Deutschland gewonnen und dadurch letztlich den Krieg selbst. Auch heute gelte: Gelingt es den Unterstützern der Ukraine, ihre Rüstungsproduktion richtig zu organisieren, werde alles andere folgen.

Eine Taskforce aus Experten aus der Ukraine und der EU soll ab dieser Woche die Integration der Verteidigungsindustrie unterstützen und die Entwicklung gemeinsamer Projekte und gemeinsamer Beschaffungsprozesse vorantreiben.

Kubilius fordert daher ein grundlegendes Umdenken in der europäischen Verteidigungspolitik. Weg von punktueller Unterstützung der Ukraine, hin zu einer strukturellen Verschmelzung der europäischen mit der ukrainischen Rüstungsindustrie. Die ukrainische Industrie sei nicht nur schnell und hochmodern, sondern produziere hochwertige Waffen zu deutlich geringeren Kosten. „Zwei zum Preis von einem“, das könne der Werbeslogan der Ukraine sein, scherzte Kubilius.

Kubilius von ukrainischer Drohnenarmee beeindruckt

Die Ukraine hat ihre Rüstungsproduktion seit 2022 massiv ausgebaut, von einer Kapazität von einer Milliarde auf nunmehr 35 Milliarden Euro. Vor allem im Bereich Innovation sei das Land führend: Drohnen, Künstliche Intelligenz, digitale Zielerfassung – vieles davon werde direkt auf dem Schlachtfeld entwickelt und sei entsprechend praxiserprobt.

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Von der Bilanz der ukrainischen Drohnenarmee zeigte sich Kubilius beeindruckt: 80 Prozent der Angriffe an der Front würden mittlerweile von Drohnen durchgeführt. „Drohnen auf beiden Seiten haben ein zehn Kilometer breites Tal des Todes geschaffen, in dem sich niemand mehr bewegen kann – nicht einmal Panzer“, sagte Kubilius. „So sieht moderne Kriegsführung aus. So werden die Kriege von morgen geführt.“

Die Drohnenarmee, die kampferprobten Streitkräfte und die innovative Rüstungsindustrie der Ukraine sollen eines Tages integraler Bestandteil der europäischen Sicherheitsstruktur sein. Doch bereits heute, so warnte Kubilius, bereite Russlands eigene Drohnenarmee einen Angriff auf EU- oder NATO-Territorium vor. Millionen Drohnen vorsorglich zu kaufen und einzulagern sei jedoch keine Lösung. Dafür veralte die Technik zu schnell. Stattdessen müsse man von der Ukraine lernen, wie man eine flexible Produktions- und Betriebsinfrastruktur für Drohnen aufbaut. Nur so könne Europa im Ernstfall schnell reagieren und die Drohnenproduktion sofort hochfahren.