Donald Trump und Wladimir Putin sind die Holzhacker im Garten der internationalen Ordnung. Seit sich beide die Hand reichen, oder vielmehr der Amerikaner dem Russen die Hand reicht, ist nicht mehr viel übrig von der nach 1945 und 1990 aufgebauten internationalen Architektur. Europa als wirtschaftlicher Riese und politischer Zwerg stand plötzlich allein im dunklen Wald.
In diese Dunkelheit fallen nun zwei Lichtstrahlen. Es ist nicht sicher, ob sie den Europäern den Weg in die Zukunft weisen können, aber sie sind ein Zeichen in der Not. Erstens hat sich Trump in seiner wildgewordenen Zollraserei der einzigen Macht gebeugt, die er akzeptiert. Das ist das Geld, also die Börse. Nach der Zollpause für die (einstigen) Verbündeten haben sich die Vereinigten Staaten darauf auch mit China verständigt. Gut so, denn vor allem Deutschland wäre im Schraubstock eines amerikanisch-chinesischen Handelskrieges zerquetscht worden. Gegen die Überschwemmung mit chinesischen Waren, die in den USA keine Abnehmer mehr fänden, wäre die Wirtschaft in Europa chancenlos.
Plötzlich tritt der Westen wieder als Mannschaft an
Zweiter Hoffnungsschimmer: Die Vereinigten Staaten und die Europäer treten in der Ukraine-Politik plötzlich wieder als Mannschaft auf. Team West steht wieder auf dem Spielfeld. Natürlich sitzt Putin am längeren Hebel und niemand sollte sich Illusionen darüber machen, dass er plötzlich nach Regeln spielt. Aber die Ukraine sehnt sich nach Frieden und ist bereit, zeitweise auf die von Russland besetzten Gebiete im Donbass zu verzichten.
Was Kiew zögern lässt, sind die fehlenden, robusten Sicherheitsgarantien des Westens. Hier sind die Europäer gefordert, den Frieden mit eigenen Truppen in der Ukraine abzusichern. Trump will keine amerikanischen Stiefel auf der ukrainischen Schwarzerde. Können die Europäer die US-Militärmacht ersetzen? Eigentlich nicht. Aber gerade geht eine Tür einen Spalt breit auf. Deutschland, England, Frankreich und Polen sollten den Fuß hineinklemmen. Manchmal ergibt sich solch eine Gelegenheit nur einmal im Lauf mehrerer Jahre.
Kriegsende und Wirtschaftswende? Besseren Deal gibt es nicht
Dass die Streitkräfte rasch auf Vordermann gebracht werden müssen und Trump in der Handelspolitik etwas Vorzeigbares von der Europäischen Union bekommen sollte, haben alle begriffen. Es wird nicht wieder wie zuvor, als sich Europa hinter dem breiten Kreuz der USA versammeln konnte, ohne den Weltpolizisten für seine Dienste zu bezahlen. Und der russische Präsident wird kein Friedensengel. Aber jetzt besteht die Chance, dass ein blutiger Krieg endet und das Schlimmste für die Wirtschaft abgewendet werden kann. Einen besseren Deal gibt es nicht.
Christian Grimm
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