„Es ist eine tolle Geschichte, das FA-Cup-Finale zu spielen. Große Bühne, riesiges Stadion, große Tradition. Und dann auch noch gegen Manchester City, das in den letzten zehn Jahren den europäischen Fußball geprägt hat. Ich freue mich riesig auf das Endspiel“, sagte der Oberösterreicher am Freitag bei der Abschlusspressekonferenz.
Der 50-Jährige brennt auf den historischen Coup gegen Starcoach Josep Guardiola. „Wir setzen alles daran, den ersten Titel für Palace in der Geschichte zu holen. Die Spieler sind in einer Topverfassung, wir alle sind hochmotiviert. Wir haben Selbstvertrauen, weil wir auch gegen gute Teams gut gespielt haben. Wir freuen uns darauf.“
Oliver Glasner hat am Samstag die Möglichkeit, Fußballgeschichte zu schreiben. Als erster österreichischer Trainer könnte er den begehrten FA-Cup holen. Im Finale trifft Glasner mit Crystal Palace auf Manchester City mit Starcoach Pep Guardiola.
Highlightspiel vor 90.000 Fans
1872 wurde im FA-Cup erstmals ein Sieger ermittelt, er ist der älteste Fußballwettbewerb weltweit. Crystal Palace stand 1990 und 2016 im Endspiel, beide Finale gingen jeweils gegen Manchester United in einem Wiederholungsspiel bzw. in der Verlängerung verloren. Im dritten Anlauf vor 90.000 Fans im Wembley-Stadion soll es klappen.

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Wie im Halbfinale sollen die Gegner von Crystal Palace das Nachsehen haben
Duell mit Starcoach Guardiola
Glasner setzt in der Vorbereitung auf bewährte Prozesse. „Es fühlt sich wie ein normales Spiel an“, sagte der frühere LASK-Trainer. Dreimal traf er mit Palace auf City und Starcoach Josep Guardiola und jedes Mal erzielte sein Team zwei Treffer. Dabei schaute aber nur ein Remis heraus. „Wir haben Vertrauen, dass wir wieder zu Chancen kommen werden, aber wir müssen es in der Defensive besser machen.“ Über den Gegner hielt er fest: „Manchester City ist wieder in Form.“

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In drei Duellen reichte es bisher für Glasner gegen Guardiola zu einem Remis
Crystal Palace liegt in der Premier League als Zwölfter im gesicherten Mittelfeld. Glasner kann auf ein solides Frühjahr zurückblicken, in dem die großen Teams geärgert werden konnten. Gegen City lief es im Ligaduell vor einem Monat 21 Minuten lang hervorragend. Nach einer 2:0-Führung der Glasner-Elf in Manchester drehte das Team von Guardiola aber auf und gewann die Partie noch verdient 5:2.
Glasner lässt sich nicht ablenken
Unabhängig vom Finale hat Glasner den Club aus dem Londoner Süden seit seinem Amtsantritt vor rund 15 Monaten konsolidiert. „Er hat uns den Fußball und diesen Club anders betrachten lassen“, sagte der Vorsitzende Steve Parish nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Aston Villa.
„Oliver glaubt fest daran, dass wir jedes Spiel gegen jeden Gegner gewinnen können.“ Die Arbeit des Oberösterreichers hat auch anderwärtig Interesse geweckt. RB Leipzig soll die Fühler nach dem vormaligen Trainer von Eintracht Frankfurt ausgestreckt haben. Auch ein mögliches Tottenham-Engagement ist immer wieder Thema.
Der bis 2026 unter Vertrag stehende Glasner hat Gerüchte bisher weggewischt. Seine volle Aufmerksamkeit gelte Crystal Palace, betonte er vor einer Woche. „Wenn ich das von den Spielern und dem Vorsitzenden erwarte, dann auch von mir.“ Nach dem 2:0 gegen Tottenham blickte er außerdem auf das Geleistete zurück: „Vor zehn Jahren habe ich in der zweiten österreichischen Liga trainiert. Wenn mir damals jemand gesagt hätte: ‚In zehn Jahren wirst du die Europa League gewonnen haben und im FA-Cup-Finale mit einer Premier-League-Mannschaft antreten‘ – ich hätte ihn zum Arzt geschickt.“
City kann die Saison noch retten
Einige Erfolge voraus hat Guardiola. Der Spanier peilt nach einer für ihn schwierigen Saison den 19. Titel in seiner Zeit in Manchester an. „Den Pokal zu gewinnen ist extrem wichtig für uns.“ Mithelfen kann auch der lange verletzt ausgefallene Erling Haaland. Für den Norweger ist der FA-Cup die Möglichkeit, doch noch Silberware abzugreifen. „In einer schrecklichen Saison haben wir immerhin das geschafft“, meinte Haaland über den Finaleinzug. Im Wembley allerdings hat er noch nie getroffen. Es gelte auch, Kevin de Bruyne einen gebührenden Abschied zu verschaffen. Der Belgier verlässt City nach zehn Jahren.
Ein Landsmann kann Glasner unterdessen ein wenig als Vorbild dienen. Paul Scharner schaffte es mit einem klaren Außenseiter einst, City zu düpieren. Mit dem damaligen Premier-League-Absteiger Wigan Athletic – nach einer Insolvenz nun in der dritten Liga zu finden – holte der Niederösterreicher 2013 den Silberpokal. Torhüter Alexander Manninger gewann 1998 mit Arsenal, saß im Finale aber auf der Bank.