Als die Rede auf seine Person kommt, auf die Gerüchte über einen möglichen Vereinswechsel – zuletzt rankte sich eins um Leeds United –, winkt Bo Henriksen gelangweilt ab. „Vergiss es“, drückt sein Gesichtsausdruck aus, und den bekräftigt der Mainzer Trainer vor dem letzten Bundesligaspieltag verbal: „Ich bin so happy hier. Das ist ein phantastischer Verein, und ich freue mich auf die nächste Saison. Mein nächster Schritt ist: Wir wollen nach Europa.“
Den soll seine Mannschaft an diesem Samstag von 15.30 Uhr an gehen (im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky). Am besten aus eigener Kraft, mit einem Sieg gegen Bayer Leverkusen in der ausverkauften Arena am Europakreisel. Sollte es dazu nicht reichen, würde jedes Resultat weiterhelfen, das nicht weniger Punkte einbrächte, als RB Leipzig gegen den VfB Stuttgart holt. Wenn es klappt, spielen die Mainzer in der kommenden Saison zum fünften Mal europäisch und erstmals in der Conference League.
Schwingt sich Leverkusen zu großer Leistung auf?
Mit dem Endspiel, das sie vor einem Jahr vor der Brust hatten, habe die Lage wenig gemein, sagt Henriksen. Damals ging es am letzten Spieltag in Wolfsburg um den Klassenverbleib, auf den 05ern lastete gewaltiger Druck – dem sie mit einer überzeugenden Darbietung und einem 3:1-Sieg standhielten. Verglichen damit, können sie jetzt entspannt an die abschließende Aufgabe gehen, „diesmal ist mehr Spaß dabei“, sagt der Trainer. Den hatten sie seinerzeit nach getaner Arbeit. „Ich hoffe, das wird auch am Samstag so sein. Es wäre wichtig, die Geschichte zu Ende zu bringen.“ Das, wofür alle Beteiligten seit vorigem Sommer hart gearbeitet hätten.
Welche Rolle der entthronte Meister dabei spielen wird, ob sich die Bayer-Elf, bei der neben Trainer Xabi Alonso mehrere wichtige Spieler vor dem Absprung stehen, noch einmal zu einer großen Leistung aufschwingen wird, die den Mainzern einen Strich durch die Rechnung machen könnte, lässt sich nicht vorhersagen. In Henriksens Überlegungen spielt diese Frage auch eine untergeordnete Rolle. „Das ist eine fußballerisch und mental sehr starke Mannschaft, aber wir haben keine Angst“, sagt er. „Wir müssen unseren eigenen Plan durchsetzen, dann kann hier alles passieren.“
„Das ist größer als Fußball“
An der „schönen Fußballparty“, die Pressesprecherin Silke Bannick in Aussicht stellt, werden – Stand Freitag – außer Dominik Kohr und Moritz Jenz alle fürs Feld vorgesehenen Stammkräfte teilnehmen können. Fraglich ist, ob Robin Zentner ins Tor zurückkehren oder zum dritten Mal hintereinander durch Lasse Rieß ersetzt wird.
Erstmals als Vater auflaufen wird Phillipp Mwene nach der „funny story“ (Henriksen) am vorigen Wochenende. Weil die Geburt seines ersten Kindes unmittelbar bevorstand, hatte der Trainer ihm angeboten, nicht mit der Mannschaft, sondern erst am Spieltag nach Bochum anzureisen. In der Halbzeitpause erhielt der Außenverteidiger von seiner Frau die Nachricht, „dass es losgeht“, erzählt der Trainer. Er überließ Mwene die Entscheidung. Dessen Vorschlag: „Wenn wir das 2:0 machen, passiert hier nichts mehr, dann mache ich Schluss.“ Den Treffer (53.) erzielte der Österreicher selbst – es war sein erstes Saisontor. „Das war ein außerordentliches Gefühl für ihn und das gesamte Team.“
Zu Wochenbeginn durfte Mwene pausieren. „Er ist happy, Vater zu sein, das ist größer als Fußball“, sagte Henriksen. In die Conference League einzuziehen, würde auch Glücksgefühle freisetzen.