Vor 3.457 Fans in der Stockholmer Avicii Arena waren die Österreicher zwar die bestimmende Mannschaft auf dem Eis, konnten sich von den Slowenen aber nicht absetzen. Blaz Gregorz brachte den davor noch punktelosen Aufsteiger in der zehnten Minute im Powerplay sogar in Führung, Dominic Zwerger gelang jedoch noch im ersten Abschnitt der Ausgleich (14.).
Nach torlosem Mitteldrittel schienen die Österreicher dank eines Treffers von Brian Lebler auf die Siegerstraße einzubiegen (51.), doch Robert Sabolic gelang noch in der regulären Spielzeit der Ausgleich für Slowenien (55.). In der Verlängerung vergab Lukas Haudum dann zwar den Matchball für Österreich, war aber so wie Dominic Zwerger und Benjamin Baumgartner im Penaltyschießen erfolgreich, während David Kickert alle slowenischen Versuche parierte.
Österreichs Eishockeynationalteam ist bei der WM weiterhin im Kampf um einen Platz im Viertelfinale. Das ÖEHV-Team bezwang Slowenien mit 3:2 nach Penaltyschießen. Im letzten Gruppenspiel gegen Lettland kann das Team von Roger Bader die Qualifikation für das Viertelfinale schaffen.
Mit dem mühevollen Erfolg erreichten die Österreicher das nächste gesteckte Ziel nach dem geschafften Klassenerhalt. Erstmals schaffte die ÖEHV-Truppe in einem WM-Turnier im aktuellen Format drei Siege. Damit lebt auch die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale. Die nun bei sieben Punkten haltenden Österreicher müssen dazu aber auf alle Fälle am Dienstag (12.20 Uhr, live in ORF1) Lettland besiegen.
Bestbesetzung und nachnominierter Tormann
Trotz diverser Blessuren im Kader konnte Teamchef Bader beim Prestigeduell mit den Nachbarn nominell auf seine Bestbesetzung zurückgreifen. Sowohl Bernd Wolf, der gegen Frankreich hart mit dem Kopf auf das Eis geschlagen war, als auch Dominic Zwerger, der die schmerzhaften Folgen eines geblockten Schusses zu verdauen hatte, und Benjamin Baumgartner (Verletzung im Augenbereich) meldeten sich für das Spiel bereit. Die souveräne Vertretung Nikolaus Kraus saß diesmal wieder auf der Tribüne.
Eishockey WM 2025
Tabellen und Spielplan
Eine Personalfrage hatte sich auch geklärt. Auf Jungvater in spe Atte Tolvanen musste man nicht mehr warten. Der Austro-Finne, der in der Auftaktpartie gegen sein Heimatland das Tor gehütet hatte, war nach Absegnung durch den internationalen Verband abgemeldet worden. Dominik Oschgan wurde nachnominiert. Der 19-Jährige hatte zumindest keinen weiten Anfahrtsweg. Oschgan spielte zuletzt bei den Växjö Lakers und künftig in Västeras – und damit in Schweden.
Zwerger bügelt slowenische Führung aus
So wie Song-Contest-Sieger JJ in Basel hatte Österreich auch in Stockholm das entscheidende Publikumsvoting für sich entschieden. Rot-Weiß-Wot war im überschaubar gefüllten Rund klar in der Überzahl. Marco Kasper, als Letzter aufs Eis gekommen, gab nach 18 Sekunden gleich den ersten Torschuss ab. Überhaupt kontrollierten die Österreicher optisch die Partie. Bernd Wolf (4.) und Oliver Achermann (7.) sorgten dafür, dass Lukas Horak im Tor nicht fad wurde.
Über die erste Führung im Spiel jubelten aber die Slowenen, nachdem die Österreicher sich zwei Strafen einfingen und für eine halbe Minute sogar zwei Mann weniger auf dem Eis waren. Offizieller Torschütze war zwar Gregorz, das Tor gehörte aber dem Schlittschuh von Paul Stapelfeldt, der den Schuss unhaltbar für Kickert abfälschte. Österreich erinnerte jetzt an die 2:4-Pleite 2024 gegen Absteiger Großbritannien. Präzision und Konzentration waren dahin.
Ein von Paul Stapelfeldt abgefälschter Schuss von Blaz Gregorz brachte den Slowenen die überraschende Führung.
Ein schnörkelloser Konter beendete den zwischenzeitlichen Schwimmkurs. Peter Schneider fand Zwerger, und der ließ sich alleine vor Horak nicht zweimal bitten – 1:1 (14.). Österreich hatte sich wieder gefangen. Kasper hatte im Powerplay per One-Timer das 2:1 auf der Schaufel (16.), wenig später rettete die Querlatte bei einem Schuss von Lukas Kainz (18.).
Österreich scheitert am Abschluss
Das zweite Drittel gehörte nicht zu den spektakulärsten im bisherigen Turnier. Österreich hatte zwar das Heft in der Hand, aber auch Probleme, die Spielgeräte auf dem Eis zu halten. Insgesamt dreimal fasste ein ÖEHV-Crack eine Strafe wegen hohen Stocks aus. Brian Lebler musste sogar vier Minuten zuschauen, nachdem sich seine Schaufel ins Gesicht eines Slowenen verirrt hatte. Immerhin funktionierte das Penalty-Killing nach Wunsch, beim gefährlichsten Schuss von Robert Sabolic passte Kickert auf (29.).
Der Vorarlberger schloss einen blitzsauberen Konter zum Ausgleich für die Österreicher ab.
Einem Tor deutlich näher war Österreich, doch der Puck wollte vorerst nicht noch einmal ins slowenische Tor. Peter Schneider ließ einen Riesensitzer aus, nachdem ihn Thimo Nickl ideal bedient hatte (33.). Der Routinier legte sich auch im Powerplay mächtig ins Zeug und nahm das Tor mit exakt 166,6 km/h unter Beschuss. Schneider hängte damit sogar Kanadas Nathan MacKinnon ab. Der NHL-Star hatte mit knapp 164 km/h beim Tor zum 2:1 gegen Österreich aber deutlich besser gezielt.
Österreichs Führung hält nur kurz
20:10 Torschüsse wies die Statistik nach 40 Minuten zugunsten der Österreicher aus, aber noch immer stand es „nur“ 1:1. Bader hatte in der zweiten Pause reagiert und seine Linien etwas umgestellt. Der nimmermüde Rohrer verstärkte etwa den Sturm mit Thomas Raffl und Benjamin Baumgartner. Österreich blieb die gefährlichere Mannschaft, scheiterte aber immer wieder am gut aufgelegten Horak, am eigenen Unvermögen oder an der Stange, wie Kasper im Powerplay (49.).
Brian Lebler stand nach einem Schuss von Lukas Haudum goldrichtig und brachte Österreich vermeintlich auf die Siegerstraße
Zwei Minuten später sah es aber trotzdem so aus, als würden Baders Mannen auf die Siegerstraße einbiegen. Lebler fälschte einen Schuss von Haudum unhaltbar für den slowenischen Goalie zum 2:1 ab. Doch die hinter dem Tor feiernden österreichischen Fans hatten die Rechnung ohne die Slowenen gemacht. Denn Sabolic bugsierte nach schöner Vorlage einen der nur drei Torschüsse über die Linie und sicherte seinem Team damit letztlich den ersten Punkt im Turnier (54.).
Kapitän Robert Sabolic schloss bei angezeigter Strafe einen schönen Angriff der Slowenen zum 2:2-Ausgleich ab.
In der Verlängerung spielte Österreich derart unkonzentriert und damit mit dem Feuer, dass es nur Torhüter Kickert zu verdanken war, dass die Slowenen sich nicht auch noch den zweiten Zähler sicherten. Allerdings hatte Haudum kurz vor Ende der Overtime ebenfalls den Matchball auf dem Schläger, die Torumrandung blieb jedoch Sieger. Das Shoot-out wurde letztlich zur klaren Angelegenheit für die Österreicher. Haudum, Zwerger und Baumgartner schoben Horak die Scheibe jeweils durch die Schoner, Kickert war hingegen nicht bezwingen.
Stimmen zum Spiel:
Roger Bader (Teamchef Österreich): „Dass es ein hart umkämpftes Spiel werden wird, war keine Überraschung. Aber wir haben den Sieg verdient, wir hatten schon deutlich mehr Chancen. Wir hätten schon nach 60 Minuten gewinnen müssen, wir hatten ja auch zwei Stangenschüsse. Ich bin happy, dass wir den Sieg geholt haben. Jetzt werden wir gegen Lettland alles reinhauen. Wir wollten ein Plusspiel, wo es um mehr geht als nur den Klassenerhalt. Es ist alles möglich.“
Lukas Haudum (Stürmer Österreich): „Das war nicht so souverän. Wir wollten teilweise wohl zu viel, hatten zu lange Wechsel und haben uns in schwierige Situationen gebracht. Gratulation ans Penalty-Killing, wir hatten doch sehr viele Strafen. Aber wir haben bewiesen, dass wir Ruhe bewahren können und haben uns am Ende doch die zwei Punkte geholt. Wir müssen aber kritisch mit uns selbst sein.“
Eishockey-WM in Schweden und Dänemark
Endstand:
Slowenien – Österreich 2:3 n.P.
(1:1 0:0 1:1 / 0:0 / 0:1)
Stockholm, Avicii Arena, 3.457
Tore: Gregorz (10./PP), Sabolic (54.) bzw. Zwerger (14.), Lebler (51.), Haudum (entscheidender Penalty)
Strafminuten: 10 bzw. 10
Gruppe A in Stockholm