Motorräder versprechen Geschwindigkeit: Deswegen werden sie schon lange in Kriegen eingesetzt(Symbolbild).
Quelle: action press
Lange Geschichte des Einsatzes von Motorrädern
Während des Zweiten Weltkriegs waren deutsche BMW-R75- und Zündapp KS-750-Motorräder als “Kradschützen” – also als Motorrad-Aufklärer – zur Unterstützung von Panzereinheiten sehr erfolgreich. Sie waren schneller, leichter und kleiner als Autos und verfügten dank des Maschinengewehrs auf dem Seitenwagen über eine gewisse Feuerkraft.
Bei Russlands jüngstem Luftangriff auf Kiew sind mindestens 14 Menschen verletzt worden. Laut Militärverwaltung gab es mehrere Brände in Gebäuden durch herabstürzende Trümmerteile.24.05.2025 | 1:17 min
Motorräder: Russische und sowjetische Erfahrungen
Die russische Armee setzte Motorräder bis 2011 hauptsächlich zu Aufklärungszwecken ein, aber es wurde auch mit der Montage von Panzerabwehrraketen auf ihnen experimentiert. Die Bodentruppen haben die Motorräder 2011 mit der Begründung aus dem Verkehr gezogen, sie seien unzureichend geschützt und außerdem zu laut. Die Luftlandetruppen setzten jedoch auch danach noch Cross-Motoren für Aufklärungszwecke ein.
Die Autoren der Militäranalyse
Quelle: DGAP
… ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
Dr. András Rácz …
Quelle: DGAP
… ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Drohnen machen Mannschaftstransport hochgefährlich
Im Jahr 2024 wird der Einsatz von gepanzerten Mannschaftstransportwagen für Angriffsoperationen extrem gefährlich: Die Ukraine kann viele Drohnen auf dem Schlachtfeld einsetzen, darunter sowohl Aufklärungs- und Bombardierungsdrohnen als auch “Selbstmorddrohnen”.
Größtes Problem auf russischer Seite: Man verfügt nur über sehr wenige moderne Schützenpanzer, die mehrere Drohnentreffer überstehen können. Bei den meisten russischen Schützenpanzern handelt es sich um alte sowjetische Fahrzeuge mit schwacher Panzerung und der Tendenz, bei direkten Treffern zu explodieren.
Da Russland nicht in der Lage ist, eine ausreichende Zahl moderner, besser geschützter Schützenpanzer zu produzieren, musste eine andere Lösung für das Drohnenproblem gefunden werden.
Erklärvideo zu den Modellen, Aufgaben und Schwächen.07.12.2023 | 2:01 min
Geschwindigkeit ist ein Überlebensschlüssel
Auf einem dicht mit FPV-Drohnen bedeckten Schlachtfeld ist Geschwindigkeit das wichtigste Element zum Überleben. Es ist alles andere als einfach, ein sich schnell bewegendes Ziel mit einer FPV-Drohne zu treffen. Die veröffentlichten Videos von erfolgreichen Treffern weisen eine sogenannte Selektionsverzerrung auf: Es werden nur erfolgreiche Treffer veröffentlicht, nicht aber solche, bei denen der FPV-Operator das Ziel verfehlt hat. Je nach Ausbildungsstand der Besatzung und den verwendeten Drohnentypen schwankt die Erfolgsquote zwischen 20 und 40 Prozent.
Die Notwendigkeit, sich schnell fortzubewegen, erklärt also den Einsatz der Motorräder – aber auch von leichten Geländewagen, manchmal sogar Elektrorollern. Sie alle sind schneller als ein Fußsoldat und bieten somit eine bessere Überlebenschance gegen FPV-Drohnen.
Wegen knapper Munition steht die ukrainische Armee unter Druck. Zum Ausgleich setzen die Streitkräfte auf sogenannte FPV-Drohnen, die feindliche russische Stellungen zerstören.10.04.2024 | 16:49 min
Motorräder: Auch im Angriff wirksam
Darüber hinaus sind die Motorräder schnell genug, um die Reaktionszeit der ukrainischen Verteidiger erheblich zu verkürzen. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit ist es auch ziemlich schwer, sie mit Artillerie- und Mörserfeuer zu treffen. Sogar für einen Maschinengewehrbediener ist es eine Herausforderung. Obwohl sie in unwegsamem Gelände und auch durch Landminen extrem verwundbar sind, bieten die Motorräder Russland die Möglichkeit, seine Infanterie schnell in die Nähe ukrainischer Stellungen oder sogar in diese hineinzubewegen.
Dies gilt insbesondere für die Abschnitte der Frontlinie, in denen die ukrainischen Einheiten dünn besetzt sind und daher nicht alle Bereiche der Frontlinien ausreichend abdecken können. Russische Motorradeinheiten finden schnell Lücken und Schwachstellen in den Verteidigungslinien und sind bereit, diese auszunutzen – auch wenn sie in der Regel sehr hohe Verluste erleiden.
Die Karten werden neu gemischt im Machtpoker. Zwingen Trump und Putin die Ukraine zum Diktatfrieden? Während sich die Ereignisse überschlagen, ringt Europa um Einfluss.20.02.2025 | 29:23 min
Ukraine kopiert Motorrad-Taktik
Russland war mit dem Einsatz von Motorrädern trotz hoher Verluste so erfolgreich, dass die Ukraine dem Beispiel folgte: Im Mai 2025 stellte die Ukraine ihre erste Motorrad-Einheit im Rahmen des “425th Separate Assault Regiment” mit dem Spitznamen “Skala” auf.
Die Ukrainer haben sogar die Taktik verbessert und trainieren ihre Motorradtruppen auch für den Kampf: Auf jedem Motorrad sitzen zwei Männer, von denen der erste fährt und der zweite schießt. Außerdem haben sie geübt, unter Rauchschutz vorzurücken, der entweder von der Artillerie oder von Drohnen, die Rauchgranaten abwerfen, bereitgestellt wird. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich dies im Gefecht funktionieren wird.
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