Putin töte „unnötigerweise“ viele Menschen, und nicht nur Soldaten, so Trump Sonntagabend (Ortszeit). Er habe immer gesagt, Putin wolle die ganze Ukraine und nicht nur ein Stück, fügte Trump hinzu. Vielleicht werde sich das als richtig herausstellen, aber: „Wenn er das tut, wird das zum Untergang Russlands führen!“ Er habe immer ein sehr gutes Verhältnis zu Putin gehabt, „aber irgendetwas ist mit ihm passiert“.

Zugleich machte Trump dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Vorwürfe. Er tue seinem Land keinen Gefallen, wenn er so rede, wie er es tue. „Alles, was aus seinem Mund kommt, verursacht Probleme, das gefällt mir nicht, und das sollte besser aufhören“, so der US-Präsident.

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Welche Folgen hat Trumps Umgang mit der Wahrheit?

Weiters schrieb Trump, dass dieser Krieg unter seiner Präsidentschaft nie begonnen worden wäre, und schob einmal mehr die Verantwortung auf seinen Vorgänger Joe Biden. Er selber versuche nur die großen und „hässlichen“ Feuer zu löschen, die durch Inkompetenz und Hass ausgelöst worden seien. Trump hatte im Wahlkampf mehrfach gesagt, dass er den Krieg in der der Ukraine binnen 24 Stunden nach seinem Amtsantritt beenden werde.

Trump „überrascht“ über Angriffe

Zuvor zeigte sich Trump am Sonntag vor Journalisten und Journalistinnen „überrascht“, dass Putin die Angriffe auf Städte in der Ukraine intensiviert. Er sei nicht glücklich mit dem, was Putin tue. Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob er auch neue Sanktionen in Erwägung ziehe, sagte Trump: „Absolut. Er tötet viele Menschen, ich weiß nicht, was mit ihm nicht in Ordnung ist.“

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Putins „Punktesieg“ gegen Trump

Erst vergangene Woche hatte Trump mit Putin telefoniert und das Gespräch als Erfolg bezeichnet. Moskau sei bereit, mit der Ukraine an einem Memorandum über künftige Friedensgespräche zu arbeiten, teilte der Kreml zunächst mit. Trumps Aussagen, wonach Putin „sofort“ direkte Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufnehmen wollte, widersprach der Kreml aber. Zuletzt sprach sich Trump auch gegen Sanktionen gegen Russland aus.

Luftalarm in gesamter Ukraine

In der Nacht auf Montag gab es wieder schwere russische Angriffe in der Ukraine. Zunächst gab es im Norden, Osten und Süden des Landes Luftalarm. In der Früh warnten die Luftstreitkräfte auf Telegram vor neuen Angriffen Russlands mit Marschflugkörpern. Der Luftalarm wurde daraufhin auf das ganze Land ausgeweitet.

Laut den Luftstreitkräften griffen russische Drohnen vom Schwarzen Meer her die Hafenstadt Odessa an. In der Großstadt Charkiw im Osten des Landes waren Serien starker Explosionen zu hören, wie der regionale Militärverwalter Oleh Synjehubow auf Telegram mitteilte. Es war die dritte Nacht in Folge, in der Russland die Ukraine angegriffen hat, und der bisher größte Drohnenangriff mit 355 Drohnen, wie die Luftstreitkräfte mitteilten. Verletzt worden sei niemand. Von Russland gab es keine Stellungnahme zu den Angaben.

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Mehrere Menschen in Kiew getötet

Tote und Dutzende Verletzte

Bereits am Wochenende hatte Russland die Ukraine mit Raketen, Marschflugkörpern und Hunderten Drohnen angegriffen. Durch die schwersten Angriffe seit Monaten wurde mehr als ein Dutzend Menschen getötet, Dutzende weitere wurden verletzt. Selenskyj warf Russland Terror vor und forderte vom Westen mehr Druck auf Moskau. Die Ukraine ihrerseits ließ am Sonntag immer wieder Drohnen Richtung Moskau fliegen. Einige Flughäfen der russischen Hauptstadt mussten deshalb Starts und Landungen zeitweise aussetzen.

Waffenruhe: Putin stellt Bedingungen

Selenskyj schlägt einer Idee Trumps folgend eine bedingungslose 30-tägige Waffenruhe in dem mittlerweile dreijährigen russischen Angriffskrieg vor, um Raum für Verhandlungen zu schaffen. Putin ist dazu bisher nicht bereit und besteht auf Bedingungen, die die Ukraine nicht akzeptiert.

Wehrschütz (ORF): „Friedensbemühungen verloren gegangen“

US-Präsident Donald Trump distanziert sich von Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Bemühungen um rasche Friedensverhandlungen seien „verloren gegangen“, so ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz.

Auch der US-Sonderbeauftragte für die Ukraine, Keith Kellogg, verurteilte die schwersten Angriffe der vergangenen Monate. „Das wahllose Töten von Frauen und Kindern bei Nacht in ihren Häusern ist ein klarer Verstoß gegen die Genfer Friedensprotokolle von 1977, die dem Schutz Unschuldiger dienen“, schrieb der frühere General auf der Plattform X. „Diese Angriffe sind beschämend. Stoppen Sie das Töten! Waffenstillstand jetzt.“

Gefangenenaustausch abgeschlossen

Unterdessen wurde am Sonntag der drei Tage dauernde Austausch von jeweils 1.000 Kriegsgefangenen abgeschlossen. Die Vereinbarung dazu war am 16. Mai bei den ersten direkten russisch-ukrainischen Gesprächen seit drei Jahren in Istanbul getroffen worden.

Unter die Freude mischte sich in der Ukraine auch Unmut darüber, dass kein Soldat der zwölften Asow-Brigade dabei war, wie Asow-Kommandeur Denys Prokopenko auf Facebook kritisierte. Er sprach von einer „Schande für das Land“. Die Asow-Kämpfer hätten das Stahlwerk in Mariupol bis Mai 2022 verteidigt und seien dann auf Befehl in Gefangenschaft gegangen. Sie hätten „das absolute Recht, vorrangig ausgetauscht zu werden“.

Die Türkei will erneut vermitteln, dazu reist der türkische Außenminister Hakan Fidan am Montag für zwei Tage nach Moskau. Er soll dort mit seinem Kollegen Sergej Lawrow sprechen und auch mit Putin zusammentreffen. Nach türkischen Angaben wolle Fidan bekräftigen, dass sich die Türkei als Ort für Verhandlungen anbiete.