Die neue Tennis-Generation der Männer hat endgültig das Zepter übernommen. Die am Sonntag zu Ende gegangenen French Open waren ein weiteres Zeichen für eine Wachablöse, mit dem herausragenden Finale von Carlos Alcaraz gegen Jannik Sinner als Höhepunkt. Nach dem Fünfsatz-Triumph von Alcaraz hat nun jeder der beiden drei der vergangenen sechs Majors gewonnen. Die alte Generation scheint endgültig abgelöst, statt der “Big Three” gibt es einen “Fall für zwei”. 

Das Major in Roland Garros, und vor allem das Endspiel, machte deutlich, dass keiner an die beiden Finalprotagonisten derzeit herankommt. Auch Novak Djokovic wohl nicht mehr, der letzte verbliebene Aktive aus dem legendären Trio mit Rafael Nadal und Roger Federer, das über viele Jahre das Herren-Tennis dominierte.

Die Zeit und das Alter sprechen gegen den 38-Jährigen Djokovic und für den 22-jährigen Alcaraz sowie den 23-jährigen Sinner. Die beiden stellten ihr erstes Major-Finalduell auf eine Stufe mit den ganz großen Endspielen der Grand-Slam-Historie. “Es gibt Schläge, bei denen ich nicht weiß, wie sie mir gelungen sind”, erklärte Alcaraz nach der Abwehr von drei Matchbällen und dem in fünf Sätzen in 5:29 Stunden fixierten Sieg. Auf Major-Finalebene spielten nur der siegreiche Djokovic und Nadal bei den Australian Open 2012 länger, und zwar 5:53 Stunden.

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“Das Level am Ende war absolut irrwitzig”

Nadal hat in Alcaraz einen würdigen Nachfolger gefunden. Kurios, dass beide im Alter von 22 Jahren, einem Monat und drei Tagen ihren fünften Grand-Slam-Titel geholt haben. Bei Nadal war es am 6. Juli 2008 in Wimbledon der erste Major-Titel abseits von Roland Garros. Der in Grand-Slam-Finale unbesiegte Alcaraz ist aber in diesem Alter schon um einiges breiter aufgestellt. Neben seinen beiden Paris-Titeln im Vorjahr und heuer auf Sand gewann er 2022 auf Hartplatz die US Open sowie 2023 und 2024 auf Rasen in Wimbledon.

Alcaraz stellt sich deswegen aber auf keinen Fall über den vor Turnierbeginn mit einem Fußabdruck am Court Philippe Chatrier verewigten 14-fachen Paris-Sieger Nadal. “Ich muss erst realisieren, was ich erreicht habe”, sagte er nach seinem Sieg. “Der Zufall, dass ich meinen fünften Titel im selben Alter wie Rafa, mein Idol und meine Inspiration, gewonnen habe, ist wohl Schicksal. Es ist eine Ehre.” Schon in wenigen Wochen tritt er in Wimbledon wieder als Titelverteidiger an, Sinner strebt erneut die Entthronisierung an.

US-Tennis-Legende Andre Agassi, der in Paris den Siegerpokal übergab, erwartet freilich Alcaraz auf Rasen sogar noch stärker als auf Sand. Mats Wilander wiederum stand im Banne der Finalimpressionen. “Das Level am Ende war absolut irrwitzig. Sie haben unseren Sport auf ein anderes Level gehoben”, meinte der Schwede. “Ich hätte niemals gedacht, dass ich das nach den ,Big Three‘ sagen würde – aber sie spielen schneller denn je auf atemberaubendem Niveau.”

Dominik Feischl

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