Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht den nächsten Zinsschritt und senkt den Leitzins um weitere 25 Basispunkte. Er liegt nun bei 0,00 Prozent. Begründet wird der Schritt mit der tiefen Inflation. Der Inflationsdruck sei gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen, heisst es im Communiqué vom Donnerstag. Im Mai war die Teuerung bekanntlich leicht negativ. Die Nationalbank werde die Lage nun weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen.

Sie wolle damit sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig im Bereich der Preisstabilität bleibt. Während der Ausblick kurzfristig etwas tiefer als bislang sei, blieben die Erwartungen auf mittlere Sicht kaum verändert, sagte SNB-Präsident Martin Schlegel am Donnerstag zum neuesten Zinsentscheid. «Unsere neue bedingte Inflationsprognose ist in der kurzen Frist im Vergleich zum März tiefer», sagte Schlegel. «Mittelfristig ist sie gegenüber der Prognose vom März kaum verändert.»

Kurzeinschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Pfander

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Dass er sinkt, haben die meisten erwartet. Die Frage blieb bis heute um 9.30 Uhr um wie viele Prozentpunkte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins absenken wird. Jetzt ist klar: Das «Gespenst Negativzinsen» bleibt vorerst im Schrank.

Die SNB als Hüterin des Frankens argumentiert mit dem tieferen Inflationsdruck für diesen Zinsschritt, rechnet aber nicht damit, dass die Jahresteuerung mit der heutigen Zinssenkung negativ wird.

Wie schwierig es ist, aufgrund der aktuellen Weltlage Wirtschaftsprognosen zu stellen, geht aus der Lagebeurteilung deutlich hervor. Die «handelspolitischen Spannungen» ziehen sich wie ein roter Faden durch das Argumentarium der SNB. Je nach Entwicklung des trumpschen Zoll-Chaos muss die SNB denn auch ihre weiteren Schritte abwägen. Und mit dem heutigen Entscheid, nicht unter Null zu gehen bleibt ihr Spielraum grösser.

Zuletzt sind kritische Stimmen zur Zinspolitik der SNB hörbar geworden. Kritik an der Zinspolitik keimt gerne dann auf, wenn es weltwirtschaftlich oder -politisch stürmisch ist. Der heutige Schritt um 0,25 Prozent nach unten auf die Nulllinie verströmt eine gewisse geldpolitische Coolness. Und war erwartet worden. Ob er die erwünschte Wirkung entfalten kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten ablesen lassen.

Dem Inflationsdruck entgegenwirken

Nichtsdestotrotz befinde sich die Prognose über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität zwischen 0,0 und 2,0 Prozent, erklärte der SNB-Chef weiter. Wie Schlegel weiter sagt, sei der Inflationsdruck im zweiten Quartal gegenüber dem Zeitraum Januar bis März zurückgegangen. «Mit der heutigen Lockerung unserer Geldpolitik wirken wir dem tieferen Inflationsdruck entgegen.» Bei Bedarf sei die Nationalbank ausserdem weiterhin bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein.

Schweizerischen Nationalbank von aussen.

Legende:

Mit dem Schritt auf null Prozent will die Nationalbank die Preisstabilität sichern und die Wirtschaft stützen.

Keystone/PETER SCHNEIDER

Der aktuelle Entscheid kommt nicht überraschend. Die meisten Ökonominnen und Ökonomen hatten im Vorfeld diesen so erwartet. Es handelt sich um die sechste Zinssenkung in Folge. Zur Erinnerung: Im März, Juni und September 2024 senkte die SNB den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte, im letzten Dezember um 50 Basispunkte, im letzten März dann wieder um 25 Basispunkte.

Zuvor hatte die Notenbank ab Juni 2022 den Leitzins von damals -0,75 Prozent in nur fünf Schritten auf 1,75 Prozent gehievt. Der Grund war die markant gestiegene Teuerung, die sich seither wieder deutlich verringert hat und zuletzt sogar in den negativen Bereich gerutscht ist.