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Die Ukraine startet die Erschließung eines großen Lithiumvorkommens. Das Projekt ist Teil eines Rohstoffdeals mit den USA – mit geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Frankfurt – Seit dem russischen Angriff im Februar 2022 unterstützt die USA die Ukraine militärisch, politisch und wirtschaftlich. Nun wird aus der politischen Solidarität zunehmend eine strategische Partnerschaft: Im Frühjahr 2025 unterzeichneten beide Länder ein umfassendes Mineralienabkommen. Nachdem ein erster Anlauf zunächst gescheitert war, wurde das Abkommen in überarbeiteter Form verabschiedet. Ziel ist es, den Wiederaufbau der Ukraine zu fördern – im Gegenzug erhalten die USA Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen wie Lithium.

Mit dem Startschuss zur Erschließung des Dobra-Lithiumfeldes in der Zentralukraine geht Kiew einen wichtigen Schritt in Richtung Rohstoffsouveränität – und strategischer Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Laut einem Bericht der New York Times hat die ukrainische Regierung Mitte Juni damit begonnen, ein Ausschreibungsverfahren für Investoren vorzubereiten. Es handelt sich um das erste konkrete Projekt im Rahmen eines bilateralen Abkommens, das im Mai unterzeichnet wurde.

Selenskyj liefert Rohstoffe, Trump forderte Gegenleistung

Neben wirtschaftlichen Aspekten verfolgt das Abkommen auch geopolitische Ziele: Die Ukraine soll als zuverlässiger Lieferant für wichtige Mineralien wie Lithium, das für Batterietechnologien und Elektromobilität essenziell ist, etabliert werden. Gleichzeitig soll der Wiederaufbau des kriegsgebeutelten Landes durch ausländische Investitionen beschleunigt werden.

Bodenschätze in der Ukraine

Mit dem gemeinsamen Abbau von Rohstoffen will die Ukraine bei der Konfrontation mit Russland die USA weiter im Boot halten und auch dringend benötigte Investitionen anlocken. (Archivbild) © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht in der Partnerschaft eine Chance zur langfristigen wirtschaftlichen Stabilisierung. Ein zentrales Element des Abkommens ist die Einrichtung eines gemeinsamen Investitionsfonds. Die Einnahmen aus dem Rohstoffabbau sollen jeweils zur Hälfte in die ukrainische Wirtschaft und in US-Investitionsprojekte fließen.

Selenskyj gibt Startschuss für Dobra

Das Dobra-Lithiumfeld liegt im Bezirk Novoukrainskyi in der zentral ukrainischen Oblast Kirowohrad, etwa 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Die Lagerstätte gilt als eine der größten des Landes. Die Vorbereitungen für ein Ausschreibungsverfahren zur Erschließung des Feldes wurden nun von der Regierung in Kiew genehmigt.

Die Financial Times berichtet, dass TechMet – ein teilprivates, von der US-Regierung mitfinanziertes Bergbauunternehmen – das Dobra-Lithiumprojekt in der Zentralukraine seit 2023 untersucht und die Lagerstätte als „sehr bedeutsam“ einschätzt. Die Entwicklung könne mit dem Mineralabkommen zwischen den USA und der Ukraine deutlich an Tempo gewinnen.

Ein Konsortium unter Beteiligung von TechMet und des Unternehmers Ronald S. Lauder zählt zu den potenziellen Bietern. TechMet setzt auf strategische Investitionen in kritische Rohstoffe. Lauder wiederum gilt als Vertrauter von Ex-Präsident Donald Trump, unter dessen Administration bereits erste Weichen für eine engere Rohstoffkooperation mit der Ukraine gestellt wurden.

Ukraine möchte gewinnorientierte Partnerschaft

Laut Brian Menell, CEO von TechMet, fordern internationale Investoren rechtliche und steuerliche Stabilität. Nur so lasse sich eine Beteiligung an der Rohstoffproduktion langfristig realisieren. Die Ausschreibung für das Dobra-Feld solle deshalb auf einer sogenannten Produktionsbeteiligungsvereinbarung beruhen. Diese Art der Vereinbarung sichert Investoren feste Rahmenbedingungen, während der Staat an den Gewinnen beteiligt wird.

Der am 16. Juni 2025 von der ukrainischen Regierung getätigte Beschluss, Empfehlungen für ein Ausschreibungsverfahren zu erarbeiten, basiert laut New York Times auf einem solchen Modell. Es wäre das erste konkrete Resultat der strategischen Rohstoffpartnerschaft mit den USA.