Palästinenser tragen Mehlsäcke, die aus einem humanitären Hilfskonvoi abgeladen wurden, der am Samstag, dem 26. Juli 2025, aus dem nördlichen Gazastreifen nach Gaza-Stadt kam.

Die israelische Armee hat eine Kampfpause in Teilen des Gazastreifens angekündigt. Dort sollten sichere Routen für Konvois mit humanitären Hilfslieferungen ausgewiesen werden.27.07.2025 | 0:29 min

Vor dem Hintergrund einer drohenden Hungerkrise im Gazastreifen erreichen erstmals seit Monaten Hilfslieferungen im großen Stil das abgeriegelte und umkämpfte Küstengebiet: Am Sonntag fuhr eine Kolonne von rund 100 Lastwagen mit Gütern für die notleidende Bevölkerung über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom in den Gazastreifen, wie Quellen im Palästinensergebiet der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, erste Lkw mit Hilfsgütern hätten den Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen überquert. Die Lastwagen könnten jedoch nicht direkt in das Palästinensergebiet fahren, sondern müssten einen mehrere Kilometer weiten Umweg über den von Israel kontrollierten Übergang Kerem Schalom machen, wo sie kontrolliert würden. Erst dann sei die Einfahrt in den südlichen Gazastreifen möglich.

Wadephul: “Schritte in die richtige Richtung”

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) bezeichnete die “humanitäre Pause” und die ersten Hilfslieferungen nach Gaza als “Schritte in die richtige Richtung”. Auf ZDFheute-Anfrage teilte er mit:

Sie sind das Ergebnis auch meiner zahlreichen direkten Gespräche und klarer Forderungen der letzten Tage.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister

Wadephul weiter: “Gleichzeitig bleibt die Lage in Gaza unerträglich. Hilfe muss jetzt sicher, vollständig und verlässlich ankommen und Hamas muss endlich die Geiseln freilassen. Ein umfassender Waffenstillstand ist dringend nötig.”

Ein israelischer Panzer fährt in Position nahe der Grenze zum Gazastreifen.

Israel kündigt begrenzte humanitäre Feuerpausen an

Wenige Stunden zuvor hatte das israelische Militär angekündigt, bis auf Widerruf jeden Tag von 10 bis 20 Uhr Ortszeit eine selbst erklärte humanitäre Feuerpause in Teilen des Gazastreifens einzuhalten. Die Pause gelte in den Gebieten, in denen die Armee nicht operiere: Al-Mawasi im Südwesten des abgeriegelten Küstenstreifens, in Deir al-Balah im Zentrum sowie in der Stadt Gaza im Norden.

Ferner würden von 6 bis 23 Uhr Ortszeit Korridore eingerichtet, um die sichere Durchfahrt von Konvois der UN- und anderer Hilfsorganisationen zu ermöglichen, die Lebensmittel und Medikamente an die Bevölkerung im gesamten Gazastreifen liefern und verteilen, teilte die Armee weiter mit.

Kinder und Hilfsbedürftige versuchen verzweifelt Essen zu bekommen

Es fehlt an Hilfsgütern: Laut Welternährungsprogramm leiden 470.000 Menschen in Gaza unter extremem Hunger. Hilfsorganisationen berichten von einer verzweifelten humanitären Lage.26.07.2025 | 1:14 min

Merz telefoniert mit Netanjahu

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Israel einem Regierungssprecher zufolge auf, der hungernden Zivilbevölkerung im Gazastreifen Hilfe zukommen zu lassen. Regierungssprecher Stefan Kornelius teilte mit, Merz und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hätten am Sonntag dazu telefoniert.

Der Bundeskanzler brachte seine große Sorge zur katastrophalen humanitären Lage in Gaza zum Ausdruck.

Stefan Kornelius, Regierungssprecher

Netanjahu müsse alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um umgehend einen Waffenstillstand zu erreichen. Hilfe müsse die Zivilbevölkerung schnell, sicher und im gebotenen Umfang erreichen.

Den von der israelischen Regierung angekündigten Maßnahmen müssten nun rasch substanzielle weitere Schritte folgen.

Stefan Kornelius, Regierungssprecher

Israel reagiert auf internationale Kritik

Israel reagierte mit seiner Ankündigung auf weltweit wachsende Kritik auf seine Kriegsführung im Palästinensergebiet. Seit der Beendigung einer Waffenruhe durch Israel im März sind nur noch wenige Hilfsgüter dorthin gelangt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte zuletzt vor einer tödlichen Hungerkrise unter den rund zwei Millionen Bewohnern des Gazastreifens. Israel bestreitet die Gefahr einer tödlichen Hungerkrise und spricht stattdessen von einer “Kampagne” der islamistischen Hamas. Diese hatte mit ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 eine weitere Eskalation des Nahost-Konflikts ausgelöst.

Einschätzung von ZDF-Reporter Luc Walpot

SGS Walpot Sievers Gaza

26.07.2025 | 2:56 min

Die Regierung werde den Bericht der “New York Times”, dass die Hamas nicht systematisch UN-Hilfsgüter abzweige, “natürlich dementieren”, sagt ZDF-Reporter Luc Walpot. Es gebe aber seitens der Vereinten Nationen “seit langem das energische Dementi, dass aus ihren Hilfslieferungen nichts an die Hamas ging und auch nichts abgezweigt wurde”.

Der Bericht stelle zwar heraus, dass “bei einigen kleinen Hilfsorganisationen durchaus die Hamas mal zugegriffen hat”, aber eben nicht beim großen System der UN. Denn dabei werde sichergestellt, dass die gesamte Lieferkette in Händen der Vereinten Nationen bleibe.

Dass Israel behaupte, dass von UN-Hilfslieferungen etwas an die Hamas ginge, “zeigt eben auch das Verhältnis von Israel zu den Vereinten Nationen”, so Walpot. “Israels Regierung möchte nicht, dass die Vereinten Nationen dort weiter Hilfsmittel verteilen, aber dieser Bericht wird sie unter Druck setzen.”

In Israel gebe es nun zumindest “einige Hinweise darauf, dass man das System nicht mehr so weiterführen kann wie bisher”. Die Armee habe bereits seit Monaten in internen Sicherheitssitzungen “ganz klar ihre Bedenken geäußert, dass das System nicht funktioniert”. Über diese Warnungen habe sich die Regierung aber hinweggesetzt. Nun seien jedoch eine neue Luftbrücke und Hilfskorridore angekündigt. “Offenbar kommt da etwas in Bewegung. Wie effizient das dann ist, müssen wir in den kommenden Tagen sehen”, so Walpot.

Auch Hilfsgüter aus der Luft abgeworfen

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben auch Hilfsgüter aus der Luft über dem Gazastreifen abgeworfen. Einer Erklärung der Armee zufolge enthielt die erste Hilfslieferung sieben Paletten mit Mehl, Zucker und Lebensmittelkonserven.

SGS Sievers Pizzaballa

Er habe sich bei seinem Besuch im Gazastreifen macht- und hilflos gefühlt, sagt Pierbattista Kardinal Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem. “Wir müssen etwas tun.”25.07.2025 | 6:07 min

Die Aktion werde in Abstimmung mit internationalen Hilfsorganisationen durchgeführt, hieß es. Palästinensische Quellen bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters den Abwurf von Hilfsgütern. Auch israelische Medien berichteten unter Berufung auf palästinensische Quellen darüber.

Die Lieferung über den Luftweg gilt Helfern zufolge als die teuerste und ineffektivste Form humanitärer Hilfslieferungen – auch, weil es dabei meist um relativ geringe Mengen geht.

Nahost-Konflikt

:Aktuelle Nachrichten zur Eskalation in Nahost

Israels Armee geht seit dem Terrorangriff der Hamas militärisch im Gazastreifen vor – die Verhandlungen in Katar über eine Waffenruhe wurden abgebrochen. Die Entwicklungen im Blog.

(Symbolfoto) Die US-Luftwaffe wirft humanitäre Hilfe für Palästinenser im Gazastreifen ab.

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Quelle: dpa, AFP, Reuters