Die langjährige Präsidentin der „Amicale des Anciens de Hinzert“, Anny Brück, ist tot. Sie starb bereits im Juli im Alter von 92 Jahren, wie die Gedenkstätte des früheren SS-Sonderlagers und Konzentrationslagers im deutschen Hinzert am Dienstag mitteilte. Von April 2007 bis April 2023 war die Luxemburgerin Präsidentin des Verbandes ehemaliger Inhaftierter beziehungsweise Angehöriger von ehemaligen Inhaftierten in Hinzert. Zuletzt war sie Ehrenpräsidentin der „Amicale“.

Mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern wurde Anny Brück im September 1942 ins heutige Polen zwangsumgesiedelt. (Archivfoto) Foto: Armand Gillen

Der Vater der Verstorbenen, Alfred Brück, war als Lehrer in Wiltz einer der Beteiligten des Generalstreiks vom 31. August 1942. Für ihren Mut mussten sie allerdings teuer bezahlen: 20 von ihnen wurden von den deutschen Besatzern zum Tode verurteilt und am 3. September 1942 im Steinbruch nahe dem Lager von Hinzert erschossen. Ihre Leichen wurden anschließend im Wald nahe dem Lager verscharrt. Nach dem Krieg wurden die Leichen exhumiert, um die Verbrechen der SS offenzulegen und die Ermordeten nach Hause zu bringen. Die Stelle, an der sich das Massengrab befand, ist heute Teil der Gedenkstätte in Hinzert.

Anny Brück erfuhr über solch ein Plakat von der Erschießung ihres Vaters Alfred Brück. Foto: LW-Archiv

„Anny Brück erfuhr durch ein Plakat von der Ermordung ihres Vaters, das an einem Baum gegenüber ihrer Schule hing“, heißt es von der Gedenkstätte. In dem Film „Dir sid nët vergiess“ des Hinzerter Fördervereins ist sie als Interviewpartnerin zu sehen. Auch an der jährlichen Gedenkfeier in Hinzert nahm Anny Brück oftmals zusammen mit Mitgliedern der Amicale Hinzert teil.

Exkursionen und Austauschtreffen organisiert

Nach dem Mord an ihrem Vater wurde Annie Brück mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern noch im September 1942 ins heutige Polen zwangsumgesiedelt. Die traumatischen Erfahrungen ihrer Kindheit beschäftigten Anny Brück zeitlebens. Umso höher sei es ihr anzurechnen, dass sie bereit war, über diese schmerzhafte Zeit zu sprechen, würdigt die Leiterin der Gedenkstätte, Sabine Arend, sie gegenüber dem „Luxemburger Wort“. „Es gab eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte, sie stand für Zeitzeugengespräche über die Kindheit in der NS-Zeit zur Verfügung, das ist schon etwas Besonderes.“ Gemeinsam mit der langjährigen Gedenkstättenleiterin Dr. Beate Welter habe Brück Exkursionen und Austauschtreffen organisiert.

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Der Leiter des Fördervereins der Gedenkstätte, Dieter Burgard, hebt im Gespräch mit dem „Wort“ ebenfalls hervor, wie traumatisierend der Mord an ihrem Vater für Anny Brück gewesen sei. Das Schicksal des Vaters, die Umsiedlung, die Not – „dies war Ansporn, grenzüberschreitend mit uns gemeinsam zu erinnern und zu mahnen“, so Burgard. „Ihr Organisationstalent und ihr Vorstandsteam verstanden es, trotz Älterwerden der Mitglieder, auch die zweite und dritte Generation zu motivieren, sich an das Schicksal der Hinzerter Häftlinge während zu erinnern“, so Burgard.

Neben den Verdiensten um das Gedenken würdigt Edmond Faber, der Nachfolger als Präsident der Amicale, die menschlichen Qualitäten von Anny Brück. „Ich habe sie als eine sehr warmherzige Frau erlebt“, so Faber.