Die heimischen Wälder stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Aktuellen Zahlen zufolge weisen etwa vier von fünf Bäumen Schäden auf, die auf den Klimawandel, Schädlingsbefall und übermäßigen Wildverbiss zurückzuführen sind. Dies bestätigte Umweltminister Serge Wilmes (CSV) erst vor wenigen Tagen in seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage der DP-Abgeordneten André Bauler und Luc Emering. Fest steht: Diese Entwicklungen gefährden nicht nur die Biodiversität, sondern auch die Ökosystemdienstleistungen der Wälder, wie Kohlenstoffbindung und Hochwasserschutz.
Vor Kurzem erklärte Martine Neuberg von der Forstverwaltung Diekirch im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“, dass zehn Prozent und damit jeder zehnte der kranken Bäume sich nicht mehr aus eigener Kraft erholen kann. „Da geht es dann in Richtung Tod“, unterstrich sie.
Trotz dieser Problematik wird das Thema Wald im aktuellen Koalitionsprogramm der CSV/DP-Regierung nicht explizit behandelt. Das Programm legt den Schwerpunkt zwar stärker auf Klimaschutz, Energie und Infrastruktur, ohne konkrete Maßnahmen für die Waldbewirtschaftung oder die Förderung der Naturverjüngung zu benennen.
Dies, obwohl Natur- und Umweltexperten seit Jahren auf den Zustand der Wälder hinweisen. Erst kürzlich sprach Patrick Losch, Präsident der Fondation Hëllef fir d‘Natur in einem Gastbeitrag im „Luxemburger Wort“, dieses Thema an: „Wenn wir die natürlichen Verjüngungsflächen nicht besser schützen, riskieren wir den Verlust ganzer Baumarten und die Verschlechterung der ökologischen Funktion unserer Wälder.“ Ein Risiko, vor dem er nicht zum ersten Mal warnt.
Ähnlich schilderte es Martine Neuberg: „Die Schäden in unseren Wäldern sind alarmierend. Wir sehen zunehmend tote oder geschwächte Bäume, und die natürliche Verjüngung funktioniert vielerorts nicht mehr ausreichend. Ohne gezielte Maßnahmen droht langfristig ein Rückgang unserer Waldbestände.“
Umweltschutzorganisationen wie die Stiftung Hëllef fir d‘Natur kümmern sich gezielt um die Aufforstung von unter anderem älteren Sukzessionsflächen und Kahlschlägen. Insbesondere bei solchen Flächen sind diverse Maßnahmen erforderlich, damit diese sich wieder zu einem artenreichen und resilienten Waldgebiet entwickeln können.
Die Vereinigung Lëtzebuerger Privatbësch hat sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt: Auf ihrer Webseite betonen die Verantwortlichen, dass die Kahlflächen schnellstmöglich mit wärmeliebenden und trockenresistenten Baumarten bepflanzt werden müssten. Dabei sollte gezielt auf die Naturverjüngung von Samenbäumen der widerstandsfähigen Arten gesetzt und ein weitgehender Wildschutz vorgesehen werden. Dabei sprechen sie ein Thema an, das hierzulande immer wieder kontrovers diskutiert wird: die regulierende Jagd. Sie unterstreichen: „Fakt ist, dass falls keine regulierende Jagd erfolgen würde, zu anderen Mitteln gegriffen werden müsste, um die Verjüngung zu ermöglichen.“
Im Juli machte sich Großherzog Henri ein Bild vom Aufforstungsprojekt in Syr, hier im Bild mit Patrick Losch, Präsident der Stiftung Hëllef fir d‘Natur. Foto: Caroline Martin/LW-Archiv
Die dazu erforderlichen Kosten hat die Vereinigung in einer Analyse berechnet: „Über die nächsten zehn Jahre werden rund 250 Millionen Euro für Anpflanzungen, Bodenvorbereitung, Folgepflege und Wiederbestellung benötigt und 500 Millionen Euro für Verbissschutzmaßnahmen sowohl von natürlicher Regeneration als auch Pflanzungen.“ Werde der Wildbestand nicht reduziert, so müssten in den kommenden Jahren mehr als 10.000 Kilometer Wildschutzzäune und mehrere Millionen Baumeinzelschutz installiert werden, um das Heranwachsen eines artenreichen, resilienten Naturwaldes halbwegs zu gewährleisten, heißt es weiter.
Aktuellen Zahlen zufolge weisen vier von fünf Bäumen Schäden auf, die auf den Klimawandel, Schädlingsbefall und übermäßigen Wildverbiss zurückzuführen sind.
Der Mouvement écologique fordert etwa verstärkte Maßnahmen, darunter eine ganzheitliche Waldbewirtschaftung, die auf Naturverjüngung setzt und durch gezielte Aufforstung ergänzt wird. Nach Angaben der Umweltorganisation müssen über 30.000 Hektar Wald in den nächsten zehn Jahren mit angepassten Baumarten neu aufgebaut werden, sei es durch Naturverjüngung oder Neuanpflanzung, wozu mindestens 100 Millionen junge Bäume benötigt werden. Voraussetzung dafür ist, aus Sicht des Mouvement écologique, ebenfalls eine Regulierung des hohen Schalenwildbestands. Der Grund: Rehe, Hirsche, Damwild und Mufflons fressen die Knospen und Blätter junger Bäume, weshalb diese kaum eine Chance haben, sich zu einem gesunden Baum zu entwickeln.
Förderprogramme für Wald- und Wiesenbesitzer
Obwohl der Waldschutz nicht explizit im Koalitionsprogramm erwähnt wird, gibt es erste konkrete Ansätze vonseiten der Regierung: Mitte Mai präsentierte Umweltminister Serge Wilmes die aktualisierte Version des „Klimabonus Bësch“, ein Förderprogramm für private Waldbesitzer, das Anreize für nachhaltige Forstwirtschaft setzt.
Lichte Kronen sind nur ein Anzeichen für kranke Bäume. Foto: Nadine Schartz
Aktuell werden 6.526 Hektar, davon 3.687 Hektar in Schutzgebieten, damit unterstützt. Die Mindestförderfläche wurde von 0,5 auf 0,3 Hektar gesenkt, und die Staffelung für größere Flächen wurde angepasst. Es gilt eine Bindungsdauer von zehn Jahren, wodurch insbesondere kleinere Waldbesitzer von der Förderung profitieren und die großflächige, naturbasierte Entwicklung – also auch die natürliche Verjüngung – gestärkt werden kann.
Aktion „Planzt Mat!“ – Auch Sie können dem Wald helfen
Jeder Interessierte kann sich mit einer Spende an der Verjüngung des Waldareals in Niederfeulen beteiligen. Diese Spenden sind steuerlich absetzbar und können via Payconiq oder über das Spendenkonto der Stiftung Hëllef fir d‘Natur – LU89 1111 0789 9941 0000 mit dem Vermerk „Planzt mat!“ – getätigt werden. In beiden Fällen erfolgt die Überweisung direkt auf das Konto der Stiftung. Ab einer Spende von 100 Euro helfen Sie dabei, eine 100 Quadratmeter große Parzelle im Waldgebiet in Niederfeulen zu erneuern.
Ergänzend dazu wurde der Klimabonus „Mouer a Wiss“ eingeführt, der offene Biotope wie Feuchtgebiete und blühende Wiesen unterstützt. Privatgrundbesitzer mit ökologisch wertvollen Flächen im Grünen ab 0,3 Hektar können diesen Bonus in Anspruch nehmen. Offene Flächen wirken dabei als Vernetzungsstrukturen zwischen Waldgebieten, stabilisieren das Mikroklima und fördern die Artenvielfalt, da sie Bestäuber und Vögel beherbergen, die Samen in benachbarte Waldflächen tragen. Solche naturnahen Übergänge von Wiesen zu Wald, sogenannte Waldrandzonen, sind besonders artenreich und begünstigen die Selbstverjüngung, da Licht, Samen und Nährstoffe im Gleichgewicht stehen.
Forschungsprojekt Forlux erfasst Daten
Zudem soll das staatlich subventionierte Forschungsprojekt „Forlux“, das im April im hauptstädtischen Bambësch vorgestellt wurde, neue Details liefern. Ziel ist die langfristige Beobachtung und Analyse der Waldgesundheit sowie die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Strategien zur Anpassung der Waldwirtschaft. In Kooperation mit dem Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) soll das Projekt wissenschaftlich fundierte Antworten liefern und Strategien zur Anpassung der Waldwirtschaft entwickeln.
So wurde schon im Juli 2022 wurde ein Observatorium eingerichtet, das Daten zu Baumgesundheit, Wetterbedingungen, Luftqualität, Wasserhaushalt und Kohlenstoffspeicherung sammelt. Mithilfe spezieller Messgeräte und Infrarotkameras sollen Trockenstress und Schäden frühzeitig erkannt werden, noch bevor Bäume ihr Laub verfrüht abwerfen oder absterben. Geprüft wird ebenso, wie die Baumarten auf die veränderten Bedingungen reagieren und welche Maßnahmen die Widerstandsfähigkeit der Wälder stärken können.
Bei der Projektvorstellung betonte Serge Wilmes: „Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Bäume angeschlagen sind. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, was die Konsequenzen sind.“ Dem fügte er hinzu: „Unsere Wälder brauchen dringend Unterstützung, um sich verjüngen zu können. Gemeinsam können wir etwas bewirken. Noch ist es nicht zu spät.“