ÖPNV: Warum deutsche Zustände nicht “normal” sind

by fzwo

25 comments
  1. Vor einigen Wochen in New York gewesen. Das war krass. Gehst einfach zur U-Bahnstation/Bushaltestelle, wartest 2-3 Minuten auf das nächste Fahrzeug (niemanden interessieren Verspätungen, wenn der Takt hoch genug ist). Hältst beim Eintritt kurz dein Handy an einen Piepser, kein lästiges Hantieren mit Bargeld oder Tickets. Nach 10 Tagen mit 45 Minuten Verspätung wieder in Frankfurt gelandet, Ticket für ICE seit Monaten gebucht. Trotz eingeplantem 2h-Puffer den ICE um 4 Minuten verpasst. Der nächste in einer Stunde. Leider mit einer Stunde Verspätung. Da ist mans schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen.

  2. Es it vielen immer noch nicht klar, aber Deutschland ist schon lang nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Dinge.

    Geht Reisen und ihr werdet erkennen wie kaputt unser Land ist.

    Was hier passiert ist nicht normal.

  3. Minigeschichte aus dem Ländle im Süden….

    Ich steige zusammen mit einer Touristengruppe aus Berlin in St.Gallen in die S4 Richtung Herisau ein. Tür geht zu, Zug fährt ab, verblüffte Gesichter auf allen anwesenden Touristen, und dann der Kommentar: “das soll eine S-Bahn sein? Der Zug fährt so lautlos und ruckelt nicht, wie ist das möglich?”

    Tjo. Das ist halt das Ergebnis, wenn ein Land seine Einnahmen nicht primär für den Ausbau von Autobahnen verwendet, sondern der ÖV dauerhaft gefördert wird. Dann muss man bei kleineren Bahnhöfen auch mal vorsichtig am Bahnsteig stehen/gehen, denn selbst mehrere hundert meter lange ICs/IRs etc. zischen fast lautlos an einem mit 130 km/h vorbei.

  4. Die Zustande im Deutschen ÖPNV sind eine Schade!

    Sie wären für weniger entwickelte Länder der Welt nicht unbedingt Normal aber in einem Land wie Deutschland einfach beschämend.
    Das kommt halt dabei heraus wenn man öffentliche Infrastruktur privatisiert an die Börse gehen lässt und politisch keinen Willen zeigt etwas an der Situation die wir seit bald 30 Jahren haben verbessern zu wollen!

  5. Ich war jetzt 2 Wochen in Japan. Hierher zurück zu kommen fühlte sich an als wäre man im Mittelalter des ÖPNV gelandet…

  6. Warum sollte man auch 3 Autos kaufen, wenn der ÖPNV funktionieren würde? Ist doch simple mathematics 😀

  7. ÖPNV ist in meinen Augen eigentlich eine so spannende und wirklich fortschrittlich gedachte Sache, dass ich auch heute noch immer wieder erstaunt bin, dass *damals die Menschheit* so schlau war, irgendwann solche gigantischen Transportnetze anzulegen.

    Heutzutage allerdings habe ich eher das Gefühl, dass die deutsche Politik den ganzen ÖPNV eher als Last empfindet.

    Traurig finde ich dabei, dass es so viele schlaue Ideen und Köpfe gibt, die sich in Sachen Stadt- und ÖPNV-Planung bestimmt schon seit Jahrzehnten dusselig und dämlich reden, aber irgendwelche ollen Politik-Funktionäre immer wieder dazwischengrätschen, gepaart mit wirtschaftlichen Interessen.

    Statt gemeinnützigen.

    Keine Ahnung, ich staune heute eher darüber, dass das alles noch so einigermaßen funktioniert – obwohl’s wohl metaphorisch gesprochen tatsächlich eher einem pfeifenden Teekessel gleicht.

  8. Ist natürlich nur anekdotisch, aber musste nach dem Urlaub in ner skandinavischen Stadt letztes Jahr so lachen. Flug von Düsseldorf, Rolltreppe defekt. Im Ausland angekommen, dort natürlich viel ÖPNV gefahren. Nach ein paar Tagen war dort ein Aufzug kaputt. Der war innerhalb von zwei Tagen wieder am laufen. Nach zwei Wochen wieder in Düsseldorf war die dortige Rolltreppe zum Bahnsteig noch immer defekt. War aber nicht schlimm, wir hatten ja genug Zeit, mit den schweren Koffern die normale Treppe runterklettern, weil die Bahn eh Verspätung hatte.

  9. Ich hatte in den 80ern als kleiner, eisenbahnbegeisteter Junge mal Gelegenheit, ein modernes elektrisches Stellwerk zu besuchen. War großartig!

    Dann habe ich zufällig diese Kurzdoku (4 min) beim NDR gesehen. Geht mehr um den Typen als die Technik, aber ich war völlig baff: **Das sieht da ja _ganz genauso_ aus, wie vor >40 Jahren! Nur 40 Jahre älter!** Es hat sich nichts geändert.

    Erfreuet euch am Klackern der Relais:

    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Mein-Lieblingsplatz-Stellwerk-der-Bahn-in-Celle,hallonds85518.html

  10. Jo, wenn man sich die Realität ansieht, könnte man meinen wir sind eines der ärmsten Länder im Westen:

    – Behörden nicht digitalisiert
    – Internetausbau langsam
    – Straßen, Gleise, Brücken etc. am verkümmern
    – Öffentliche Gebäude inkl Schulen etc. veraltet
    – ÖPNV veraltet

    Kurzum alles veraltet, verdreckt und in miserablem Zustand.

    Aber hey, dafür haben wir Erbadel, das ist doch auch was wert.

  11. Wenn mir vor vier Jahren jemand gesagt hätte, dass wissing einer unserer besten Verkehrsminister sein würde, hätte ich ihn für derart verrückt gehalten.

    Es gab seit Jahrzehnten genau gar keine Regierung, die die Schiene wirklich ernst genommen hätte, weil sie halt alle immer bis zur Hüfte im A*sch der Automobil- und Öl-Lobby stecken. Die Ampel hätte vielleicht gerne, aber sie hatten mit Christian ja die Opposition mit am Kabinettstisch sitzen (und die SPD ist ja auch eher carbrained).

  12. Bin mal mit dem RegioJet nach Budapest. Das war mehr Luxus als Bahn 1. Klasse und so günstig wie ein Supersparpreis. Maximal 20€.

  13. Ich würde mit meiner Familie niemals freiwillig den ÖPNV in Großstädten nutzen, da es mittlerweile einfach ein Gesundheitsrisiko darstellt. Niemand kann dich schützen, wenn mal wieder irgendein Assi meint, dass er dich und deine Familie bedrohen darf, weil du in seinen Augen falsch geguckt hast.

    Ich habe vor ein paar Jahren erlebt wie ein Familienvater verprügelt wurde von 4 Jugendlichen, weil er sich für jemanden eingesetzt hat. Seine eigenen Kinder haben rumgeschrien und geweint, hat die Täter trotzdem nicht gejuckt.

    Solange es keine Sicherheit an Bahnhöfen gibt fahre ich halt mit dem Auto, sorry.

  14. Ich finde es sehr stark das in dem Artikel auch gesagt wird, das die anderen Länder, insbesondere Japan, auch nur mit Wasser kochen.
    Das habe ich persönlich erfahren, als ich diesen Winter dort war. Es gab dort einen Vorfall auf einer Shinkanzen Strecke, und der gesamte Fahrbetrieb wurde für mehrere Stunden aufgehalten. Aber das war auch die absolute Ausnahme im Fernverkehr.

  15. Ich verstehe das ganze nicht. Besser ausgebauter ÖPNV würde ja auch den Autofahrern zu gute kommen, da weniger Autos auf den Straßen sind. Es ist lächerlich.

  16. Was ein bullshit Artikel voll von Anekdoten, statt Statistiken 🥱

  17. ÖPNV muss endlich von den Entscheidern und der Bevölkerung als Daseinsvorsorge verstanden werden. Und nicht als hässliche Stiefschwester vom Individualverkehr. Dazu kommt die rein betriebswirtschaftliche Betrachtung des ÖPNV, die die gesamtgesellschaftlichen Vorteile und Kostenersparnis an andere Stelle einfach 0,0 abbilden kann. Daseinsvorsorge muss übrigens keinen Profit erwirtschaften!

    Guter ÖPNV trägt maßgeblich zu gut funktionierenden Städten bei. Weniger Staus, Lärm und Umweltbelastung, weniger Platzbedarf, deutlich geringere Infrastrukturkosten.
    Dazu noch erheblich geringere Kosten für die Nutzer, weil man vielleicht dann doch nur 1 oder vielleicht gar kein Auto mehr besitzen muss.

    Und genau das ist der Hauptgrund für die Vernachlässigung des ÖPNV in Deutschland. Mit 60 Leuten in einem Bus lässt sich halt deutlich weniger Kohle verdienen als mit 60 Autos, in denen sich dann jeweils nur eine Person durch den stockenden Verkehr quält.

  18. Wir sollten mit Hilfe der Gewerkschaften dafür kämpfen, dass Mitarbeiter von Kommunen, Land und Bund ÖPNV Verspätungen als Arbeitszeit buchen dürfen, dann hätten die Verantwortlichen einen Anreiz, dass selbiger reibungslos läuft.

  19. Ich lebe in Hamburg und habe ein Auto, dass ich brauche aber selten nutze. Große Städte sollten vor Allem ein sehr dichtes und schnelles U-S Bahn Netz haben. Schaut man sich die Beförderungszahlen in Nah und Fernverkehr an macht es sogar sehr viel Sinn….

    Dazu sehr sehr breite Radwege für Hauptstrecken. Ich meine in der Breite einer mindestens 4 Spurigen Straße. Das würde sehr Aufwind geben. Wichtig wäre hier nur, dass sich nicht irgendwelche Leute dort auf dem Weg treffen und den Verkehr aufhalten.

    Daher Radwege die alle paar Kilometer einen großen Park haben.

  20. r/tja, und nun? Nix neues. Passiert seit Jahrzehnten nix, wird die nächste Jahrzehnte ebenso nix passieren.

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