Publiziert17. August 2025, 20:11

Sicherheitsgarantien: «Mini-Nato»: So wollen die USA Kiew im Kriegsfall beistehen

In Washington beraten die USA, die Ukraine und Europa über einen Ausweg aus dem Krieg – mit besonderen Garantien für Kiew.

Karin Leuthold

US-Präsident Donald Trump plant Gespräche mit der Ukraine und europäischen Partnern über Sicherheitsgarantien.

Russland und die USA haben sich auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine verständigt, um einen Nato-Beitritt zu umgehen.

Ein umfassendes Friedensabkommen ist das Ziel der Gespräche in Washington.

Nach dem umstrittenen Alaska-Gipfel mit Wladimir Putin steht für US-Präsident Donald Trump nun die Ukraine auf der Agenda. Am Montag will er mit Präsident Wolodimir Selenski und europäischen Partnern über Wege zur Beendigung des russischen Angriffskriegs sprechen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach verbindlichen Sicherheitsgarantien für Kiew.

Wer spricht von «Sicherheitsgarantien»?

Die USA. Der Kreml hat bislang solche Zugeständnisse nicht bestätigt.

US-Sondergesandter Steve Witkoff sagte am Sonntag in einem CNN-Interview, Russland habe sich mit US-Präsident Donald Trump auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine verständigt. Das sei ein entscheidender Schritt, da Präsident Putin einen offiziellen Nato-Beitritt der Ukraine weiterhin kategorisch ablehnt. Mit der neuen Lösung könne man «den Nato-Artikel 5 umgehen» und dennoch Schutz bieten.

Worum geht es beim Schutz?

Es geht um territoriale Fragen, langfristige Unterstützung sowie um Schutzmechanismen, die dem Nato-Beistandsartikel 5 ähneln. Demnach könnten die USA und europäische Staaten der Ukraine garantieren, im Falle eines Angriffs einzugreifen – eine Art «Mini-Nato» für die Ukraine.

Was ist die Artikel-5-Garantie?

Artikel 5 des Nato-Vertrags besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen ein Mitgliedsland als ein Angriff gegen alle Mitglieder betrachtet wird. Dies bedeutet, dass jeder Nato-Partner im Falle eines solchen Angriffs verpflichtet ist, dem angegriffenen Mitgliedsland Beistand zu leisten, einschliesslich der Anwendung von Waffengewalt, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten.

Ziel des Treffens in Washington am Montag ist ein umfassendes Friedensabkommen, wobei zentrale Streitpunkte wie russische Gebietsansprüche weiterhin bestehen.

Ziel des Treffens in Washington am Montag ist ein umfassendes Friedensabkommen, wobei zentrale Streitpunkte wie russische Gebietsansprüche weiterhin bestehen.

AFP

Was ist die Haltung der Ukraine zu diesem Thema?

Wolodimir Selenski betonte bei Gesprächen mit der EU die zentrale Bedeutung solcher Garantien. Sie seien Voraussetzung für das Ende des Krieges. Die Ankündigung von Witkoff, dass man sich mit Russland auf solche Garantien geeinigt habe, bezeichnete er als «historisch». Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte zeigten sich offen. Eine «Koalition der Willigen», angeführt von den USA und der EU, solle die Umsetzung sicherstellen.

Was will Selenski am Montag in Washington erreichen?

Der ukrainische Präsident wird von zahlreichen europäischen Staats- und Regierungschefs begleitet. Das Ziel aller Teilnehmenden ist ein umfassendes Friedensabkommen – auch wenn zentrale Streitpunkte weiter bestehen. Russland verlangt Gebietsverzichte von der Ukraine, was Selenski strikt ablehnt.

Trump verzichtet inzwischen auf die Forderung eines vorab zu schliessenden Waffenstillstands. Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hält direkte Verhandlungen ohne vorherige Feuerpause für denkbar – vorausgesetzt, sie führen rasch zu Ergebnissen. US-Aussenminister Marco Rubio stellte jedoch klar, ein Waffenstillstand sei «nicht vom Tisch», das Ziel bleibe aber ein dauerhafter Frieden.

Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?

Eine Newsübersicht am Morgen und zum Feierabend, überraschende Storys und Breaking News: Abonniere den Whatsapp-Kanal von 20 Minuten und du bekommst regelmässige Updates mit unseren besten Storys direkt auf dein Handy.