Selbst an den Märkten herrscht ein wenig Ratlosigkeit. Stehen die Zeichen auf Krieg oder Frieden in der Ukraine? Wenig Greifbares brachte das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am späten Freitag in Alaska. Jetzt haben die Märkte im Blick, was der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Trump in Washington erreichen kann und wird. Der deutsche Leitindex Dax stand am Mittag fast unverändert zum Schlussstand vom Freitag. Schwächer entwickelte sich der Euro Stoxx 50, der 0,5 Prozent verlor.
Klarer und positiver sah es nach Alaska und vor Washington hingegen für die Aktien der Rüstungskonzerne aus. Dass kein Waffenstillstandsabkommen für die Ukraine erzielt worden sei und überhaupt Fortschritte fehlten, gebe den Rüstungswerten Auftrieb, kommentierte Chloe Lemarie von der Investmentbank Jefferies. Denn entsprechender Optimismus vor dem Treffen in Alaska habe die Kurse der Branche belastet. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läge ein Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen in weiter Ferne. Doch selbst wenn ein „Deal“ gefunden werden sollte, würde das die zukünftigen Rüstungsausgaben in Europa nicht gefährden, lautet die Einschätzung der Analystin.
Rheinmetall an der Dax-Spitze
So setzten sich die Aktien von Rheinmetall mit einem Plus von drei Prozent an die Spitze der 40 Werte im deutschen Leitindex. Im Mittelwerteindex M-Dax stand Hensoldt zwar nicht an der Spitze der Gewinner, legte dennoch ebenfalls knapp drei Prozent zu. Auch Aktien des Spezialmaschinenherstellers Renk gewannen 2,7 Prozent hinzu.
Zuvor hatten die Börsen in Asien freundlich geschlossen. Der breite MSCI Asia Pacific Index lag zuletzt 0,4 Prozent höher. Das Aktienbarometer der Börse Shanghai steuert auf den höchsten Schluss seit August 2015 zu. „Wir sind zuversichtlich, dass diese Rally weitergeht“, sagte Wang Huan, Fondsmanager bei Shanghai Zige Investment Management, mit Blick auf die asiatischen Märkte. Hier spielt der Ukrainekonflikt aber nur eine untergeordnete Rolle. Der Optimismus resultiere aus reichlich vorhandener Liquidität, den Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung von Preiskämpfen und der Hoffnung, dass die chinesische Wirtschaft die Talsohle erreicht habe, hieß es.
Denn es ist eben nicht nur der russische Angriffskrieg in der Ukraine, den Anleger derzeit im Blick haben. Auch die Aussichten auf Zinssenkungen in den USA machen Kurse. Und hier schauen Investoren nach Jackson Hole, wo die amerikanische Notenbank Fed von Donnerstag an ihr Symposium abhält.
Der Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli zeigt, dass die Gesamtinflation in den USA im Jahresvergleich um 2,7 Prozent gestiegen ist, während die Kerninflation leicht über den Erwartungen um 3,1 Prozent gestiegen ist. Es gab Hinweise auf die Weitergabe von Zöllen, da die Preise für Kernwaren einen bedeutenden monatlichen Anstieg verzeichneten. Der Einfluss auf die Gesamtinflation wurde jedoch durch eine weitere Abschwächung der Dienstleistungsinflation ausgeglichen, da das Mietwachstum sich weiter normalisiert, so die Analysten von JP Morgan. Die Veröffentlichung bot daher wenig Anlass, die Überlegungen der Fed, die zu einem Zinsschnitt im September neigt, zu ändern, folgern sie.
Doch was muss im Ukrainekrieg geschehen, um die derzeit vorherrschende Stagnation an den Märkten zu beenden? Fortschritte könnten für eine deutliche Erleichterung sorgen, meint Christian Subbe, Anlagechef bei HQ Trust, und warnt zugleich vor überzogenem Optimismus: „Nimmt man dann noch die dünne Marktlage hinzu – noch ist Ferienzeit – könnte sich zum aktuellen Zeitpunkt auch ein Ausbruch nach oben als eher nicht nachhaltig erweisen.“