Die Europäische Kommission hat Luxemburgs Umwelt- und Klimapolitik unter die Lupe genommen. Im diesjährigen „Environmental Implementation Review“ kommt sie zu dem Schluss, dass das Großherzogtum deutlich zu wenig in den Klimaschutz investiert.
Eigentlich müsste Luxemburg jährlich rund 1,7 Milliarden Euro aufbringen – tatsächlich fließen derzeit nur 1,3 Milliarden. Damit klafft eine Investitionslücke von 403 Millionen Euro, was 0,52 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Das Großherzogtum hat aber auch mit anderen Mängeln im Umweltschutz zu kämpfen, die es seit Jahren nicht in den Griff bekommt.
Luxemburg tut sich mit kommunalen Abfällen schwer
Neben den Investitionen macht die Kommission weitere Defizite aus. So liegt Luxemburg mit einer Materialkreislaufquote von 10,2 Prozent (2023) unter dem EU-Schnitt von 11,8 Prozent.
Luxemburg ist auf dem guten Weg, seine Recycling-Ziele zu erreichen. Foto: Anouk Antony
Auch beim Abfallaufkommen besteht Nachholbedarf. Während 2015 noch rund 600 Kilogramm kommunale Abfälle pro Kopf anfielen, waren es 2022 bereits 721 Kilogramm – nach Spitzenwerten von über 800 Kilogramm in den Jahren 2016 bis 2021. Der EU-Durchschnitt liegt bei 515 Kilogramm. Gründe für den hohen Luxemburger Wert sind laut Bericht der steigende Konsum, die große Zahl an Grenzpendlern und eine erweiterte Abfalldefinition seit 2016.
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Bei Kunststoffverpackungen weist Luxemburg ebenfalls erhöhte Werte auf: Mit 209 Kilogramm pro Kopf (2022) liegt das Land über dem EU-Durchschnitt von 186 Kilogramm. Zwar gilt das Erreichen der EU-Recyclingziele bis 2025 als realistisch, dennoch hat Luxemburg für die Reduktion der Kunststoffverpackungen eine Fristverlängerung bis 2030 beantragt.
Lärmbelästigung: 25.000 Menschen leiden an Schlafstörungen
Positiv fällt die Bewertung der Luftqualität aus: Sie sei „allgemein gut“.
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Weniger erfreulich ist die Situation beim Lärm. Rund 25.000 Menschen in Luxemburg leiden laut EU-Schätzungen unter schlafstörendem Verkehrslärm. Zudem wurden 50 Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang damit festgestellt.
100 Prozent der Gewässer verfehlen einen guten chemischen Zustand
Große Probleme bestehen weiterhin bei den Gewässern. 100 Prozent der Oberflächengewässer verfehlen einen guten chemischen Zustand. Nur die Hälfte der Grundwasserkörper ist chemisch intakt. Hauptursachen sind Pestizide, Nitrat sowie Rückstände eines Herbizids. Zwei Grundwasserkörper fielen deshalb sogar bei den Tests in Trinkwasserschutzgebieten durch.
Der Zustand der hiesigen Gewässer bleibt ein Grund zur Sorge. Foto: Chris Karaba
Besser steht es um die Badegewässer: 15 der 17 untersuchten Standorte waren 2023 in „exzellentem“ Zustand, zwei weitere in „gutem“.
Nur 14,5 Prozent der Bäume sind gesund
27,1 Prozent der Landesfläche gehören zum EU-weiten Schutzgebietsnetz Natura 2000 – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von 18,6 Prozent. Doch die Biodiversität bleibt gefährdet: Nur 15 Prozent der Tierarten und 32 Prozent der Lebensräume befinden sich in einem gutem Zustand.
27,1 Prozent der Landesfläche gehören zum EU-weiten Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Zudem weist die EU-Kommission darauf hin, dass lediglich vier Prozent der Agrarflächen biodiversitätsfördernde Strukturen wie Hecken oder Blühstreifen aufweisen. Wälder bedecken 36,5 Prozent der Landesfläche. Dort sind nur 14,5 Prozent der Bäume gesund – viele leiden unter Trockenheit oder Schädlingsbefall.
Verkehrssektor bleibt Emissionen-Sorgenkind Luxemburgs
Im Kampf gegen die Emissionen attestiert die EU-Kommission Luxemburg Fortschritte. Bis 2030 könnte das Land seine Treibhausgasemissionen um 56 Prozent gegenüber 2005 senken – und damit sein eigenes Ziel von minus 50 Prozent sogar übertreffen.
2022 entfielen 60 Prozent der nationalen Emissionen auf den Transport. Foto: Marc Wilwert
Dennoch bleibt der Verkehrssektor das große Sorgenkind: 2022 entfielen 60 Prozent der nationalen Emissionen auf den Transport. Zwar sind die Verkehrsemissionen seit 2005 um 42 Prozent zurückgegangen, doch die Kommission sieht hier weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.