Mit „Quadriga 2025” probt die Bundeswehr gemeinsam mit 13 NATO-Partnern den Ernstfall: Rund 8.000 deutsche Soldaten trainieren im Kernübungszeitraum von August bis September den Schutz der Ostsee. Ein Vorgehen, das als klares Signal der Zeitenwende und der Abschreckung gegenüber Russland verstanden werden soll.
Die deutsche Bundeswehr (-> Weitere Meldungen zur Bundeswehr) probt ab Ende August gemeinsam mit den USA, Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Belgien, Portugal, Dänemark, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Schweden sowie Finnland den Ernstfall: Mit der groß angelegten, multinationalen Übungsserie „Quadriga 2025” rückt für die deutschen Streitkräfte verstärkt die Dimension See in den Mittelpunkt.
Rund 8.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten aller Teilstreitkräfte trainieren bis Ende September an der Ostsee, entlang der NATO-Ostflanke und in Deutschland Szenarien von Krisen- bis Kriegslage. Die genaue Teilnehmerzahl inklusive internationaler Kräfte ist bislang noch nicht öffentlich bekannt.
Maritimes Großmanöver „Baltic Operations“ startet
Für die deutsche Marine gilt es diesmal die Hauptverantwortung zu tragen. Im Zentrum steht die Teilübung „Northern Coasts”, eine multinationale Operation zur Sicherung der Ostsee gegen Bedrohungen aus der Luft, von der Oberfläche und unter Wasser. Unterstützt wird sie dabei von Luftwaffe und Landstreitkräften, die Truppenverlegungen nach Litauen sowie logistische Abläufe auf Straße, Schiene, See- und Luftweg üben.
Abschreckung im Zeichen der Zeitenwende
„Quadriga 2025” soll die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr steigern und die Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses stärken. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine (-> Aktuelle Meldungen im Ukraine-Krieg) im Februar 2022 verfolgt Deutschland sowie auch andere NATO-Staaten eine sicherheitspolitische „Zeitenwende”. Das bedeutet massive Investitionen in Verteidigung, eine engere Abstimmung mit Partnern und eine konsequente Ausrichtung auf die Verteidigung der NATO-Ostflanke.
Besonders wichtig ist dabei die Verlegung von Kräften nach Litauen. Deutschland hat zugesagt, dort dauerhaft eine Brigade zu stationieren. Bei der Übung „Grand Eagle” wird dieser Prozess im Verbund mit internationalen Partnern praktisch erprobt.
Schutz der Ostsee im Fokus
Die Ostsee gilt seit Jahren als sicherheitspolitischer Brennpunkt: Russland hat seine militärische Präsenz in der Region verstärkt, die Enklave Kaliningrad ist hoch militarisiert, und die Sabotageakte an den Gaspipelines Nord Stream haben die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur verdeutlicht. Vor diesem Hintergrund haben NATO-Staaten ihre Übungen in der Region massiv ausgeweitet.
„Northern Coasts” ist das sichtbarste Signal dieser Entwicklung. Minenräumung, Abwehr gegnerischer Drohnen, Schutz von Häfen und Seeverbindungen sowie sanitätsdienstliche Versorgung auf See (bis hin zu Verwundetentransporten in zivile Krankenhäuser) gehören zum Übungsspektrum.
Auffällig ist die enge Einbindung ziviler Akteure. Schon vor dem Auslaufen von Truppentransporten werden Behörden und Polizei involviert, um die Durchleitung von Soldaten und Material durch Deutschland abzusichern. Auch das Gesundheitswesen ist Teil der Planungen. Die Bundeswehr betont: Verteidigungsfähigkeit sei nicht allein militärisch zu leisten, sondern erfordere gesamte staatliche und gesellschaftliche Strukturen.
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Ein neues Führungskommando
Geführt wird „Quadriga 2025” erstmals vom neu geschaffenen Operativen Führungskommando der Bundeswehr in Berlin, das vergangenen April seine Arbeit aufgenommen hat. Es bündelt die Steuerung größerer Einsätze und soll die Einsatzfähigkeit der Truppe effizienter machen.
Energiefragen, Migrationsbewegungen, hybride Angriffe
Österreich nimmt nicht an der Übung teil, dürfte die Entwicklungen jedoch genau verfolgen. Im Falle einer Eskalation im Baltikum wäre auch Mitteleuropa mittelbar betroffen. Etwa durch Energiefragen, Migrationsbewegungen oder hybride Angriffe.
„Quadriga 2025” ist damit mehr als ein militärisches Großmanöver. Es ist ein sichtbares Signal an Russland und ein weiterer Schritt zur Festigung der NATO-Präsenz in Nord- und Osteuropa.
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