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Polens Premier Donald Tusk setzt auf Krisenvorsorge: Ein neues Handbuch soll Bürger während Krisensituationen anleiten – der Ukraine-Krieg wirkt fort.
Warschau – Der Krieg in der Ukraine wirft auf die Nachbarländer lange Schatten. Polen, das im Südosten an die Ukraine grenzt, bereitet seine Bevölkerung nun auf mögliche Krisensituationen vor. Laut der Nachrichtenagentur AFP gibt die Regierung den Bürgerinnen und Bürgern praktische Hinweise, wie sie sich im Ernstfall schützen und versorgen können – von Stromausfällen über Naturkatastrophen bis hin zu militärischen Bedrohungen.
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Fotostrecke ansehenWegen des Ukraine-Kriegs: Vorbereitung auf den Ernstfall – Polens neue Strategie
Die polnische Regierung hat am Donnerstag (28. August) ein Handbuch veröffentlicht, welches Polen auf sämtliche Krisensituationen vorbereiten soll. Auf rund 50 Seiten finden sich Notfallnummern sowie Tipps zu Vorräten und richtigem Verhalten im Ernstfall. Das Buch beinhaltet Anweisungen, wie Haushalte im Fall von Strom-, Gas- oder Wasserausfällen vorgehen sollten. Dabei werden auch notwendige Vorräte wie Medikamente und Hygieneartikel berücksichtigt.
Bei Luftangriffen, Terrorgefahr sowie chemischen und nuklearen Risiken sollten Betroffene zunächst auf ihre eigene Sicherheit achten und gleichzeitig auf Kinder, ältere Menschen und Tiere Rücksicht nehmen. Zusätzlich informiert der Ratgeber über Falschinformationen im Netz und Cybersicherheit. Es wird empfohlen, dass jeder Haushalt einen eigenen Plan für das Äußerste aufstellt. Die Autoren des Handbuchs haben sich bei ihren Hinweisen an bestehenden Empfehlungen etwa aus Finnland sowie an Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg orientiert. Momentan ist das Handbuch nur online verfügbar, bis Ende des Jahres soll jeder Haushalt ein gedrucktes Exemplar erhalten.
Donald Tusk rüstet Polen für jede „Bedrohung oder Aggression aus dem Osten“
Bereits Anfang des Monats empfahl Ministerpräsident Donald Tusk, Europa und Polen sollten bis 2027 auf „alle möglichen Ereignisse“ vorbereitet sein. Seine Regierung wolle die nächsten zwei Jahre nutzen, um die Sicherheitslage im Land zu stärken, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtet. Weiter erklärte er: „Unabhängig vom ukrainischen Szenario müssen Polen, die Nato und die Europäische Union gemeinsam auf jede potenzielle Bedrohung oder Aggression aus dem Osten vorbereitet sein.“
Wie der Spiegel berichtet, stützt sich Tusk dabei auf Einschätzungen des Nato-Oberbefehlshabers Alexus Grynkewich, mit dem er zuvor gesprochen hatte. Grynkewich geht demnach davon aus, dass Russland und China bis 2027 ausreichend Stärke aufbauen könnten, um koordinierte militärische Schritte gegen Nato und die USA zu unternehmen. Der General teilte diese Einschätzung im Rahmen einer breiteren strategischen Planung innerhalb des US-Verteidigungsministeriums wieder – inwieweit diese mit der gängigen Haltung der Nato übereinstimmt, ist umstritten.

Die Ukraine meldet fast täglich russische Angriffe. © IMAGO/Jose ColonRaketeneinschlag in Polen: Nato-Generalsekretär sieht Gefährdung
In Polen sind die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs seit 2022 spürbar: Am 15. November 2022 schlug eine verirrte Rakete ukrainischer Streitkräfte nahe der Grenze im polnischen Przewodow ein. Der Einschlag kostete zwei Männern im Alter von 60 Jahren das Leben.
Wie das Informationsportal Europe Direct berichtet, stuften sowohl Nato als auch Polen den Einschlag als unbeabsichtigt und „Unfall“ ein. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg machte Russland dafür verantwortlich: Durch den Angriffskrieg würden nicht nur die Ukraine, sondern auch umliegende Staaten gefährdet sein. (kox mit AFP)