Die ersten Schiffe zum Großmanöver „Northern Coasts“ in der Ostsee sind bereits ausgelaufen. Im Rahmen der Übungsserie “Quadriga” trainieren in den kommenden beiden Wochen nach Marineangaben etwa 8400 Soldatinnen und Soldaten und rund 40 Schiffe und Boote aus 14 Nationen für den Ernstfall. Dazu sind U-Boote, Marineflieger und auch Sicherungskräfte im Einsatz. Neben den Ostseeanrainerstaaten Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Polen, Estland, Lettland und Litauen nehmen auch Frankreich, Großbritannien, USA, Belgien, Niederlande und Kanada an dem bis 12. September laufenden Manöver teil.

Ziel des Manövers ist es, die Verlegung von Truppen und Gerät auf dem See-, Land- und Luftweg an die Nato-Ostflanke nach Litauen zu proben. In dem vorliegenden Szenario sollen zwei Bundeswehr-Bataillone aus der Oberlausitz ins Baltikum verlegt werden. “Dazu werden die Soldaten auf der Straße und Schiene nach Rostock gebracht. Dort besteigen sie die Schiffe, die sie ins Baltikum bringen werden”, erklärte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack. Dabei komme es auch auf die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern wie Polizei, Verwaltungen oder Technisches Hilfswerk an. Auch das müsse gelernt werden.

„Die Bundeswehr muss üben, üben und nochmals üben“, sagte Generalinspekteur Carsten Breuer am Montag in Berlin. Es gehe um die Verlässlichkeit der logistischen Drehscheibe für die Nato, denn de facto führten alle Nachschubwege über Deutschland. Allerdings werden die deutschen Nordseehäfen bei diesem Manöver weniger im Mittelpunkt stehen. “Es geht an der Nordsee nur darum, die Nachschubwege abzusichern und diesen Vorgang zu trainieren”, so Breuer. Daher werden die Auswirkungen des Manövers in Wilhelmshaven oder Bremerhaven nicht so stark spürbar sein wie zum Beispiel an der Ostsee.

“Signal der Abschreckung”

„Mit der multinationalen Übung zeigen wir, wie wichtig die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Ostseeraum ist. Gemeinsames Training stärkt unsere Interoperabilität, erhöht die Einsatzbereitschaft und demonstriert glaubwürdig unsere Verteidigungsstärke. So senden wir ein klares Signal der Abschreckung und bekräftigen Deutschlands Rolle als verlässlicher Bündnispartner“, betonte Thomas Röwekamp (CDU), Bremer Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses.

Generalinspekteur Breuer verwies zudem auf die in knapp zwei Wochen beginnende russische Großübung „Sapad“ („Westen“), mit dem Hauptschauplatz Belarus direkt an der Grenze zu Litauen. Erwartet werden dazu rund 13.000 teilnehmende Soldaten in Belarus und weitere 30.000 auf russischem Gebiet. Einige Übungsabschnitte von “Sapad” und “Quadriga” würden sich zeitlich überschneiden, so Breuer. „Wir wollen abschrecken, wir wollen keine Eskalation. Wir üben ausschließlich Verteidigung“, erläuterte der Generalinspekteur. Es gebe keine Hinweise auf Angriffsvorbereitungen unter dem Deckmantel der “Sapad”-Übung. „Aber wir sind wachsam“, fügte er hinzu. Sollte es auf der Ostsee zu Begegnungen zwischen russischen Schiffen und Nato-Schiffen kommen, gebe es klare Anweisungen an die Kapitäne der Schiffe, was zu tun und zu unterlassen sei, machte Vizeadmiral Kaack deutlich.

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