Die „Sapad 2025“ wäre ein idealer Zeitpunkt für Kreml-Herrscher Wladimir Putin, atomare Dominanz zu simulieren. Mitte September soll die Großübung, die passenderweise mit „Westen“ übersetzt werden kann, im Grenzgebiet von Russland und Belarus stattfinden. Der Hauptschauplatz liege „direkt an der Grenze zu Litauen, direkt an der Grenze zur Nato“, warnt Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer.
Erwartet würden rund 13.000 übende Soldaten in Belarus und weitere 30.000 auf russischem Gebiet. Und eine Waffe, die es in sich hat: Wie unter anderem „Welt“ unter Berufung auf die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ berichtet, könnte bei dem Großmanöver ein Atomangriff simuliert werden. Und das mit dem neu entwickelten Marschflugkörper „Burewestnik“.
Tests in der Arktis? USA schicken „Nuke Sniffer“
Bereits seit Anfang August soll der Luftraum über Teilen der russischen Arktis für die zivile Luftfahrt gesperrt sein, wie „The Barents Observer“ berichtet. Seit den 50er Jahren befindet sich auf dem Archipel Nowaja Semlja ein Testgelände der russischen Atombehörde Rosatom.
Ob der Marschflugkörper „Burewestnik“ dort tatsächlich getestet wird, ist von russischer Seite natürlich nicht bestätigt. Medienberichten zufolge hatte Russland dort aber bereits Anfang August Militärflugzeuge und Kriegsschiffe zusammengezogen. Hinweise, dass dort atomare Tests im Gange sind, liefert außerdem die ungewöhnliche Flugroute einer Boeing WC-135R Constant Phoenix der US Air Force.
“Nuclear sniffer” WC-135R Constant Phoenix on its way to the Barents Sea. Calibration flight, Russian Burevestnik test, other? pic.twitter.com/PgiXuTjwPy
— Hans Kristensen (also on Bluesky) (@nukestrat) 2. September 2025
Mehr anzeigen
Laut Tracking-Portalen kam der Flieger dem Testgelände am Dienstag ungewöhnlich nah. An Bord der Boeing befindet sich Hightech-Sensorik, die in der Lage ist, radioaktive Partikel zu erkennen. Es ist naheliegend, dass die USA mit dem „Nuke Sniffer“ eruieren wollten, wie fortgeschritten die Entwicklung der Waffe ist.
Putin nennt ihn „Sturmvogel“ – Experten von „fliegendem Tschernobyl“
Der Weltöffentlichkeit ist die Waffe spätestens seit 2018 bekannt. Kreml-Herrscher Wladimir Putin pries den Marschflugkörper in einer Rede als „unbesiegbar“ und lobte die „fast unbegrenzte“ Reichweite. Demnach werde die Waffe von einem Atomreaktor angetrieben und könne unendlich oft die Erde umkreisen. Währenddessen setze sie radioaktive Zerfallsprodukte frei und weiche Flugabwehrsystemen aus, berichtet „Welt“.
Aus dem russischen lässt sich „Burewestnik“ mit „Sturmvogel“ übersetzen, die Nato nennt die Waffe „Skyfall.“ In Fachkreisen etablierte sich allerdings ein Spitzname, der sehr viel negativer zu verstehen ist: „fliegendes Tschernobyl“. Wie der Gau im gleichnamigen Atomkraftwerk setzt die Waffe atomare Partikel in die Atmosphäre. Gleichzeitig scheint der Reaktor, wie „Welt“ berichtet, nicht gerade zuverlässig zu sein.
„Die Tests bergen das Risiko von Unfällen und lokaler radioaktiver Freisetzung“, zitiert „The Barents Observer“ den norwegischen Geheimdienst NIS. In Skandinavien dürfte die Sorge vor Putins Marschflugkörper besonders groß sein. Schließlich trennen das Testgelände in der russischen Arktis und die norwegische Staatsgrenze nur etwa 900 Kilometer.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der
Werbevereinbarung
zu.
Dabei gab es bereits Berichte über Unfälle bei Tests, die im Zusammenhang mit Putins angeblicher Wunderwaffe stehen. Am 8. August 2019 explodierte bei der Bergung vom Meeresboden vor Nenoksa ein nuklearer Antrieb. Im Anschluss wurde schlagartig ein erhöhter Anstieg radioaktiver Strahlung gemessen. Wie „The Barents Observer“ berichtet, registrierten lokale Detektoren eine halbe Stunde lang einen bis zu 20-fachen Strahlungsausstoß. Fünf Wissenschaftler eben jenen Instituts, das an der Forschung von Putins „Sturmvogel“ beteiligt ist, kamen ums Leben.