Das mit der Chatkontrolle wirkt wie mit der Abrissbirne ins Wohnzimmer, weil irgendwo im Haus eine Steckdose wackelt. Klar, Kinder schützen ist Pflicht, da muss gar nicht diskutiert werden. Aber in Handys reinzuschnüffeln, bevor überhaupt verschlüsselt wird, macht die ganze Sicherheitsarchitektur porös. Du baust einen riesigen Einfallspunkt, den am Ende nicht nur die Guten nutzen. Und dann hast du am Fließband Fehlalarme, die den Ermittlern die Zeit fressen, während die wirklichen Täter weiter durchrutschen. Das ist nicht hart durchgreifen, das ist ein Sicherheitsleck auf Ansage.
Die Forschenden machen es aus meiner Sicht richtig, dass sie das klar benennen. Endgeräte scannen und echte Ende zu Ende Verschlüsselung passt nicht zusammen, Punkt. Was mir aber bei der Gegenstrategie fehlt, ist der praktische Werkzeugkasten für den Alltag der Behörden. Also nicht nur sagt bitte lasst es, sondern hier sind die drei Sachen, die wir morgen ausrollen können. Mehr Spezialisten für digitale Forensik, bessere internationale Kooperation, fokussierte Arbeit gegen Produktionsorte von Missbrauchsmaterial, schnellere Wege zwischen Meldestellen und Staatsanwaltschaften. Wenn du politisch überzeugen willst, brauchst du einen Plan, der sofort wirkt und messbar ist, sonst greift die Reflexlogik wir müssen doch irgendwas tun und landet wieder beim Holzhammer.
Bei den Alterskontrollen im Netz habe ich dasselbe Bauchgefühl. Klingt simpel, richtet aber realen Schaden an, weil es neue Datenberge und neue Ausschlussfehler erzeugt. Da holst du dir Identitätslecks ins System und lässt gleichzeitig ganze Nutzergruppen hängen, die durch die Maschen fallen. Wenn man schon so etwas prüft, dann nur streng freiwillig, lokal auf dem Gerät, ohne zentrale Datenhaltung und mit echten Ausstiegsmöglichkeiten. Sonst baust du nur neue Probleme auf dem Rücken der Falschen.
Und Deutschland als Zünglein an der Waage sollte sich nicht wegducken. Wenn man Nein sagt zu Client Side Scanning, dann bitte mit Ansage und mit Gegenpaket. Prävention nach UN Linie ist super, aber pack dazu messbare Ziele und Budgets. Aufklärung an Schulen, Hotlines, schnelle Takedowns, klare Prioritäten bei der Verfolgung von Herstellern statt Gießkanne gegen alle Messenger. Dann nimmst du den Wind aus den Segeln von denjenigen, die jede Kritik als naiv abstempeln. Kinderschutz ja, aber smart, zielgenau und ohne das Schloss am Haustor gegen eine Katzenklappe zu tauschen.
3 comments
Wenn es die Politik interessieren würde, was die Wissenschaft denkt, dann würde die Welt ganz anders aussehen.
Wer da zustimmt beweist, dass es ihm/ihr nicht um den Kinderschutz geht. Das ist alles einfach nur noch Wahnsinn.
Macht mal etwas Lärm, Leute: [fightchatcontrol.eu](http://fightchatcontrol.eu)
Das mit der Chatkontrolle wirkt wie mit der Abrissbirne ins Wohnzimmer, weil irgendwo im Haus eine Steckdose wackelt. Klar, Kinder schützen ist Pflicht, da muss gar nicht diskutiert werden. Aber in Handys reinzuschnüffeln, bevor überhaupt verschlüsselt wird, macht die ganze Sicherheitsarchitektur porös. Du baust einen riesigen Einfallspunkt, den am Ende nicht nur die Guten nutzen. Und dann hast du am Fließband Fehlalarme, die den Ermittlern die Zeit fressen, während die wirklichen Täter weiter durchrutschen. Das ist nicht hart durchgreifen, das ist ein Sicherheitsleck auf Ansage.
Die Forschenden machen es aus meiner Sicht richtig, dass sie das klar benennen. Endgeräte scannen und echte Ende zu Ende Verschlüsselung passt nicht zusammen, Punkt. Was mir aber bei der Gegenstrategie fehlt, ist der praktische Werkzeugkasten für den Alltag der Behörden. Also nicht nur sagt bitte lasst es, sondern hier sind die drei Sachen, die wir morgen ausrollen können. Mehr Spezialisten für digitale Forensik, bessere internationale Kooperation, fokussierte Arbeit gegen Produktionsorte von Missbrauchsmaterial, schnellere Wege zwischen Meldestellen und Staatsanwaltschaften. Wenn du politisch überzeugen willst, brauchst du einen Plan, der sofort wirkt und messbar ist, sonst greift die Reflexlogik wir müssen doch irgendwas tun und landet wieder beim Holzhammer.
Bei den Alterskontrollen im Netz habe ich dasselbe Bauchgefühl. Klingt simpel, richtet aber realen Schaden an, weil es neue Datenberge und neue Ausschlussfehler erzeugt. Da holst du dir Identitätslecks ins System und lässt gleichzeitig ganze Nutzergruppen hängen, die durch die Maschen fallen. Wenn man schon so etwas prüft, dann nur streng freiwillig, lokal auf dem Gerät, ohne zentrale Datenhaltung und mit echten Ausstiegsmöglichkeiten. Sonst baust du nur neue Probleme auf dem Rücken der Falschen.
Und Deutschland als Zünglein an der Waage sollte sich nicht wegducken. Wenn man Nein sagt zu Client Side Scanning, dann bitte mit Ansage und mit Gegenpaket. Prävention nach UN Linie ist super, aber pack dazu messbare Ziele und Budgets. Aufklärung an Schulen, Hotlines, schnelle Takedowns, klare Prioritäten bei der Verfolgung von Herstellern statt Gießkanne gegen alle Messenger. Dann nimmst du den Wind aus den Segeln von denjenigen, die jede Kritik als naiv abstempeln. Kinderschutz ja, aber smart, zielgenau und ohne das Schloss am Haustor gegen eine Katzenklappe zu tauschen.
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