Er ist einer, der sagt, was er denkt und sich nicht hinter Plattitüden versteckt. So auch vergangenes Wochenende: Laut Ex-SC-Trainer Christian Streich müssten viel mehr Menschen mit anderen außerhalb ihrer sozialen “Blasen” ins Gespräch kommen und damit die Demokratie wehrhaft verteidigen, sagte er beim mehrtägigen Gesellschaftsforum “FAQ Bregenzerwald” im österreichischen Vorarlberg.
Er selbst habe das erstmals vor wenigen Wochen während eines Aufenthaltes auf einem Campingplatz getan. Dort sei er einer Frau und einem Mann begegnet, “die ziemlich sicher rechtsorientiert sind”. Obwohl das Duo offenbar gut situiert gewesen sei – beide seien mit einem teuren Auto unterwegs gewesen – hätten sie in dem zweistündigen Gespräch ständig von verschiedenen Ängsten gesprochen. Beispielsweise, dass sich Afghanen auf Weihnachtsmärkten in die Luft sprengten. Als Streich fragte: “Habt ihr keine Angst vor Björn Höcke?”, antworteten die beiden, dass der Thüringer AfD-Chef kein Faschist sei, sondern nur ein Protestpolitiker. Weitere Details über das Gespräch nannte Streich nicht.
Dafür warf er während der Podiumsdiskussion mit den Journalistinnen Alexandra Föderl-Schmid und Teresa Bücker Innenminister Alexander Dobrindt fehlende Haltung vor. Der CSU-Politiker habe in der Debatte über Frauke Brosius-Gersdorf, damals Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, falsch gehandelt. Rechte Populisten hätten die “hoch anerkannte Frau innerhalb von wenigen Wochen mit völlig absurden Darstellungen niedergemacht und diskreditiert”, sagte Streich.
Laut Streich hätte Dobrindt die rechten Darstellungen zurückweisen und einordnen können. Stattdessen habe sich der bayerische Politiker dafür entschieden, den Rechten nach dem Mund zu reden. Dobrindt glaube, dass man die Radikalisierung in der Gesellschaft nicht aufhalten kann, “er macht sich mit den Leuten gemein”, sagte Streich. Zu viele Politiker aus der Mitte der Gesellschaft stünden nicht zu ihren Werten und hätten nicht die Haltung, populistischen Aussagen zu widersprechen.
Ein ähnliches Problem diagnostizierte Streich in den USA: Dort habe beispielsweise Meta-Gründer Mark Zuckerberg 2024 noch eine Kampagne für ethnische Vielfalt und für LGBTQ+-Personen mit viel Geld unterstützt. Nachdem Donald Trump die US-Präsidentschaft übernommen hatte, sei der Tech-Milliardär “sofort umgefallen, sobald es an sein Geld ging”, so der 60-Jährige.
Streich erklärte, er sei grundsätzlich ein Mensch, der eher skeptisch auf Dinge schaut: “Mein Glas ist meistens eher halbleer.” Deswegen versuche er, sich von der täglichen negativen Nachrichtenflut freizumachen und nur eine gewisse Dosis aufzunehmen.
“Der Negativismus in mir ist groß und ich versuche zu überleben”, erklärte Christian Streich und fügte hinzu: “Die täglichen Falschmeldungen von Menschen, die die Welt regieren, sind verstörend”. Namentlich nannte er US-Präsident Donald Trump.
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen versuche er, konstruktiv zu denken. Mit Freunden spreche er oft darüber, wie sie gemeinsam in ihrer “kleinen Welt” vorgehen könnten, damit sie mehr Mut fassen können. Als Beispiel nannte er die Bildungspolitik in Deutschland: “Was brauchen unsere Kinder in der Schule, damit sie besser mit Fake News umgehen?” Wenn er nicht über Lösungen nachdenken würde, “müsste ich die Bettdecke über meinen Kopf ziehen, weil mich das sonst paralysiert”, sagte Streich.
Für seine politischen und gesellschaftlichen Statements in Pressekonferenzen als Trainer habe er viel Zuspruch und Unterstützung erhalten – “und erstaunlicherweise sehr wenige negative Rückmeldungen”, erklärte Streich. Letztlich gehörten Anfeindungen und Bedrohungen dazu. Er habe niemals in der Öffentlichkeit stehen wollen. Aber später wollte er seine Rolle und Reichweite nutzen.
Auch bei seinem Verein habe er sich für eine freie und vielfältige Gesellschaft eingesetzt. Beispielsweise, indem er als Trainer seine Spieler immer wieder an anstehende Wahlen erinnerte – mit der Motivation: “Oder wollt ihr irgendwann hier nicht mehr gemeinsam in der Kabine zusammensitzen? Wenn bestimmte Politiker regieren, dann werden hier nur noch Freiburger sitzen.”
Bei der Veranstaltung in Schwarzenberg im Bregenzerwald äußerte Streich auch Medienkritik: “Die Menschen kriegen so viele Geschichten erzählt, aber man muss die guten Narrative suchen und erzählen.”
[removed]
Selbst als nicht SC Fan war mir Streich immer sympatisch. Jetzt weiss ich auch warum.
> Als Streich fragte: “Habt ihr keine Angst vor Björn Höcke?”, antworteten die beiden, dass der Thüringer AfD-Chef kein Faschist sei, sondern nur ein Protestpolitiker.
Wie kann man so grenzdebil sein und sich nicht mal dafür schämen?
Dobrindt hat eine klar rechte Haltung. Der Mann hat öfter das Verbot der Linken gefordert als das der AfD. Er ist kein Rechtsextremer aber er bereitet Rechtsextremen den Weg vor.
Ehrenmann und lässiger Typ.
Ich wünschte, ich würde solche Worte nicht von nem Fußballtrainer, sondern von nem regierenden Politiker lesen… Stabiler Mann.
Streich hat auf einer PK als Freiburg-Trainer auch mal in einer längeren Tirade [den “Neo-Kapitalismus” angeprangert](https://www.reddit.com/r/soccer/s/fIsVBqyEvL) und dabei unter anderem große Konzerne für ihre Steuerbetrügereien kritisiert.
Einer der ganz wenigen Persönlichkeiten im großen, modernen Fußballgeschäft, der sich regelmäßig getraut hat, linkspolitische Haltung zu zeigen und klar Stellung zu beziehen, was solche Themen betrifft.
Schon immer stabil gewesen.
Streich ist eine BL-Legende und das nicht nur wegen seiner Leistung als Trainer vom SC Freiburg.
Als berufliche Asylentscheiderin stehe ich buchstäblich zwischen zwei Stühlen: Linke Freunde, die am liebsten jeden reinlassen und niemals jemanden abschieben würden, auch keine Straftäter. Während rechte Familienmitglieder am liebsten niemanden reinlassen würden, auch keine wahrhaften Flüchtlinge im Rechtssinne.
Ich habe persönlich schon afghanischen Menschenrechtlern Schutz gegeben und umgekehrt saßen in einem Abschiebeflug der letzten Monate auch Leute, die ich abgelehnt habe. Und ich kann noch immer gut schlafen.
Ist trotzdem traurig, dass ich mit niemandem sachlich über meine Arbeit reden kann. Die Leute haben an den rechtlichen Hintergründen und Voraussetzungen kein Interesse – es gibt nur rein oder raus. Das werf ich allen Parteien vor.
Trainiert der grad irgendeinen großen Verein? Ich wäre gern Fan.
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Er ist einer, der sagt, was er denkt und sich nicht hinter Plattitüden versteckt. So auch vergangenes Wochenende: Laut Ex-SC-Trainer Christian Streich müssten viel mehr Menschen mit anderen außerhalb ihrer sozialen “Blasen” ins Gespräch kommen und damit die Demokratie wehrhaft verteidigen, sagte er beim mehrtägigen Gesellschaftsforum “FAQ Bregenzerwald” im österreichischen Vorarlberg.
Er selbst habe das erstmals vor wenigen Wochen während eines Aufenthaltes auf einem Campingplatz getan. Dort sei er einer Frau und einem Mann begegnet, “die ziemlich sicher rechtsorientiert sind”. Obwohl das Duo offenbar gut situiert gewesen sei – beide seien mit einem teuren Auto unterwegs gewesen – hätten sie in dem zweistündigen Gespräch ständig von verschiedenen Ängsten gesprochen. Beispielsweise, dass sich Afghanen auf Weihnachtsmärkten in die Luft sprengten. Als Streich fragte: “Habt ihr keine Angst vor Björn Höcke?”, antworteten die beiden, dass der Thüringer AfD-Chef kein Faschist sei, sondern nur ein Protestpolitiker. Weitere Details über das Gespräch nannte Streich nicht.
Dafür warf er während der Podiumsdiskussion mit den Journalistinnen Alexandra Föderl-Schmid und Teresa Bücker Innenminister Alexander Dobrindt fehlende Haltung vor. Der CSU-Politiker habe in der Debatte über Frauke Brosius-Gersdorf, damals Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, falsch gehandelt. Rechte Populisten hätten die “hoch anerkannte Frau innerhalb von wenigen Wochen mit völlig absurden Darstellungen niedergemacht und diskreditiert”, sagte Streich.
Laut Streich hätte Dobrindt die rechten Darstellungen zurückweisen und einordnen können. Stattdessen habe sich der bayerische Politiker dafür entschieden, den Rechten nach dem Mund zu reden. Dobrindt glaube, dass man die Radikalisierung in der Gesellschaft nicht aufhalten kann, “er macht sich mit den Leuten gemein”, sagte Streich. Zu viele Politiker aus der Mitte der Gesellschaft stünden nicht zu ihren Werten und hätten nicht die Haltung, populistischen Aussagen zu widersprechen.
Ein ähnliches Problem diagnostizierte Streich in den USA: Dort habe beispielsweise Meta-Gründer Mark Zuckerberg 2024 noch eine Kampagne für ethnische Vielfalt und für LGBTQ+-Personen mit viel Geld unterstützt. Nachdem Donald Trump die US-Präsidentschaft übernommen hatte, sei der Tech-Milliardär “sofort umgefallen, sobald es an sein Geld ging”, so der 60-Jährige.
Streich erklärte, er sei grundsätzlich ein Mensch, der eher skeptisch auf Dinge schaut: “Mein Glas ist meistens eher halbleer.” Deswegen versuche er, sich von der täglichen negativen Nachrichtenflut freizumachen und nur eine gewisse Dosis aufzunehmen.
“Der Negativismus in mir ist groß und ich versuche zu überleben”, erklärte Christian Streich und fügte hinzu: “Die täglichen Falschmeldungen von Menschen, die die Welt regieren, sind verstörend”. Namentlich nannte er US-Präsident Donald Trump.
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen versuche er, konstruktiv zu denken. Mit Freunden spreche er oft darüber, wie sie gemeinsam in ihrer “kleinen Welt” vorgehen könnten, damit sie mehr Mut fassen können. Als Beispiel nannte er die Bildungspolitik in Deutschland: “Was brauchen unsere Kinder in der Schule, damit sie besser mit Fake News umgehen?” Wenn er nicht über Lösungen nachdenken würde, “müsste ich die Bettdecke über meinen Kopf ziehen, weil mich das sonst paralysiert”, sagte Streich.
Für seine politischen und gesellschaftlichen Statements in Pressekonferenzen als Trainer habe er viel Zuspruch und Unterstützung erhalten – “und erstaunlicherweise sehr wenige negative Rückmeldungen”, erklärte Streich. Letztlich gehörten Anfeindungen und Bedrohungen dazu. Er habe niemals in der Öffentlichkeit stehen wollen. Aber später wollte er seine Rolle und Reichweite nutzen.
Auch bei seinem Verein habe er sich für eine freie und vielfältige Gesellschaft eingesetzt. Beispielsweise, indem er als Trainer seine Spieler immer wieder an anstehende Wahlen erinnerte – mit der Motivation: “Oder wollt ihr irgendwann hier nicht mehr gemeinsam in der Kabine zusammensitzen? Wenn bestimmte Politiker regieren, dann werden hier nur noch Freiburger sitzen.”
Bei der Veranstaltung in Schwarzenberg im Bregenzerwald äußerte Streich auch Medienkritik: “Die Menschen kriegen so viele Geschichten erzählt, aber man muss die guten Narrative suchen und erzählen.”
[removed]
Selbst als nicht SC Fan war mir Streich immer sympatisch. Jetzt weiss ich auch warum.
> Als Streich fragte: “Habt ihr keine Angst vor Björn Höcke?”, antworteten die beiden, dass der Thüringer AfD-Chef kein Faschist sei, sondern nur ein Protestpolitiker.
Wie kann man so grenzdebil sein und sich nicht mal dafür schämen?
Dobrindt hat eine klar rechte Haltung. Der Mann hat öfter das Verbot der Linken gefordert als das der AfD. Er ist kein Rechtsextremer aber er bereitet Rechtsextremen den Weg vor.
Ehrenmann und lässiger Typ.
Ich wünschte, ich würde solche Worte nicht von nem Fußballtrainer, sondern von nem regierenden Politiker lesen… Stabiler Mann.
Streich hat auf einer PK als Freiburg-Trainer auch mal in einer längeren Tirade [den “Neo-Kapitalismus” angeprangert](https://www.reddit.com/r/soccer/s/fIsVBqyEvL) und dabei unter anderem große Konzerne für ihre Steuerbetrügereien kritisiert.
Einer der ganz wenigen Persönlichkeiten im großen, modernen Fußballgeschäft, der sich regelmäßig getraut hat, linkspolitische Haltung zu zeigen und klar Stellung zu beziehen, was solche Themen betrifft.
Schon immer stabil gewesen.
Streich ist eine BL-Legende und das nicht nur wegen seiner Leistung als Trainer vom SC Freiburg.
Als berufliche Asylentscheiderin stehe ich buchstäblich zwischen zwei Stühlen: Linke Freunde, die am liebsten jeden reinlassen und niemals jemanden abschieben würden, auch keine Straftäter. Während rechte Familienmitglieder am liebsten niemanden reinlassen würden, auch keine wahrhaften Flüchtlinge im Rechtssinne.
Ich habe persönlich schon afghanischen Menschenrechtlern Schutz gegeben und umgekehrt saßen in einem Abschiebeflug der letzten Monate auch Leute, die ich abgelehnt habe. Und ich kann noch immer gut schlafen.
Ist trotzdem traurig, dass ich mit niemandem sachlich über meine Arbeit reden kann. Die Leute haben an den rechtlichen Hintergründen und Voraussetzungen kein Interesse – es gibt nur rein oder raus. Das werf ich allen Parteien vor.
Trainiert der grad irgendeinen großen Verein? Ich wäre gern Fan.
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