Tschann sieht nach der geplanten Schließung der Geburtenstation Führungsfehler bei der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG). Mit wiederholten Gerüchten über ein Ende der Station und den Sommerschließungen habe man Vertrauen verspielt und die Personalsuche zusätzlich erschwert. Zudem sei bis heute nicht mit der Belegschaft im Krankenhaus gesprochen worden. „Das ist ein klares Führungsversagen“, so Tschann.

Fehlende Umsetzung trotz politischem Konsens

Politisch sei man sich immer einig gewesen, dass das LKH Bludenz für die medizinische Versorgung im Süden Vorarlbergs wichtig sei. In der Praxis habe sich dieses Bekenntnis aber nicht gezeigt. Ein einzelnes Inserat zur Personalgewinnung sei von der KHBG kein „überzeugendes Bemühen“, zeigt sich Tschann enttäuscht. Hier hätte es deutlich mehr Einsatz gebraucht.

Die Stadt und die Region stünden weiterhin hinter den Ärztinnen und Ärzten vor Ort. Wenn eine qualitätsvolle medizinische Versorgung jedoch nicht mehr garantiert werden könne, müsse gehandelt werden – dafür habe er Verständnis. Aber man wolle nicht als „zweitklassige Außenstelle“ vom LKH Feldkirch geführt werden. Eine Abwertung des Standorts sei nicht akzeptabel.

Tschann verlangt konkrete Angebote

Sollte die Schließung der Geburtenstation tatsächlich umgesetzt werden, fordert Tschann entsprechende Ersatzmaßnahmen. Dabei sollen auch die Lösungsvorschläge von Bludenz organisiert und definiert werden, fordert Tschann.

Wichtig sei nun, Hebammensprechstunden einzurichten und verlässliche Beratungsangebote für werdende und frisch gebackene Mütter bereitzustellen. Auch die Still- und Schwangerenambulanz müsse erhalten bleiben. Zudem brauche es eine Stärkung der Frauenmedizin, um zumindest solche Angebote in Bludenz zu gewährleisten – etwa durch tageschirurgische gynäkologische Eingriffe, sagt Tschann.

Mehr zum Thema

Geburtenstation Bludenz wird geschlossen

400 Geburten jährlich in Bludenz

Ab 1. Jänner 2026 wird die Geburtenstation am LKH Bludenz geschlossen, das hat die KHBG am Mittwochmittag bekanntgegeben – die Kreißsäle übersiedeln nach Feldkirch. Die KHBG begründet dies mit medizinischen Anforderungen, Personalmangel, fehlender Pädiatrie vor Ort sowie bevorstehenden Pensionierungen. Mehrere Sommerschließungen und die Einschätzung eines externen Experten hätten gezeigt, dass ein sicherer Betrieb in Bludenz nicht mehr gewährleistet sei. In Feldkirch gibt es bessere Voraussetzungen, etwa einen OP für Kaiserschnitte und eine Kinderintensivstation. Rund 400 Geburten in Bludenz stehen mehr als 1.000 in Feldkirch und Bregenz gegenüber.

In Bludenz bleiben Still- und Schwangerenambulanz sowie eine spezialisierte Frauenambulanz bestehen, künftig mit Fokus auf Beckenboden- und Tageschirurgie.

Gemischte Reaktionen aus der Opposition

Politisch stößt die Schließung auf unterschiedliche Reaktionen: Die SPÖ spricht von einem „schwarzen Tag“. Mehr als 4.400 Menschen hätten eine SPÖ-Petition für den Erhalt der Station unterschrieben. Das zeige, wie wichtig den Menschen die Einrichtung ist. Die Entscheidung der Landesregierung werde man nicht einfach hinnehmen, so Auer.

Derart breit abgestimmte Beschlüsse dürften nicht aus parteipolitischen Motiven infrage gestellt werden, sagt NEOS-Klubobfrau Claudia Gamon dazu. Entscheidend sei nicht der Standort, sondern die bestmögliche Versorgung. Wenn Experten der Medizin und Gesundheitsökonomie eine solche Schließung ausdrücklich befürworten, müsse dem gefolgt werden.