Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hat Europa eindringlich davor gewarnt, die Bedrohung durch Russland zu unterschätzen. In London zeigte er eine in der Ukraine abgeschossene Shahed-136-Drohne und forderte, man müsse sich auf mögliche vorbereiten. Laut Sikorski sei Russland in der Lage, „Ziele tief in Europa zu treffen“. Es wäre „unverantwortlich“, keine Verteidigungsmaßnahmen wie eine „Drohnenmauer“ entlang der Ostflanke aufzubauen, sagte der Außenminister laut Reuters.

Zugleich rief Sikorski die europäischen Partner auf, ihre Unterstützung für die Ukraine langfristig auszurichten. Kiew plane den Krieg auf „weitere drei Jahre“, sagte er, und nannte die Einschätzung „vernünftig“. Europa müsse Russlands Präsident Wladimir Putin überzeugen, „dass wir bereit sind, diesen Kurs mindestens für diese drei Jahre beizubehalten“, zitierte ihn Reuters.

Er forderte zugleich, die Unterstützung für die Ukraine über diesen Zeitraum aufrechtzuerhalten – ein Zeitrahmen, den er auch als realistisch für die Kriegslage einschätzt. Zudem äußerte er die Hoffnung, dass US-Präsident Donald Trump Langstreckenraketen vom Typ Tomahawk zur Verfügung stellen könnte, um gezielt russische Infrastruktur zu treffen.

EU und Nato wollen besser auf russische Provokationen reagieren

Die Idee einer „Drohnenmauer“ als EU-weiter Abwehrschirm erfährt derzeit zunehmende Aufmerksamkeit: Die EU-Kommission plant offenbar, das Konzept über die östliche Grenze hinaus auf ganz Europa auszudehnen, um ein Netzwerk von Sensoren, Störtechnik und Waffensystemen zu schaffen. Allerdings steht das Vorhaben vor erheblichen politischen, technischen und finanziellen Hürden.

Nach mehreren mutmaßlichen Luftraumverletzungen durch russische Militärjets und Drohnen hatten sich zuletzt sieben EU-Mitgliedstaaten (Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Polen, Rumänien und Bulgarien) sowie die Ukraine und EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius auf Beratungen über den Aufbau einer solchen Verteidigungslinie verständigt. Ziel ist ein System aus Radaren, Kameras und KI-gestützten Detektoren, das verdächtige Flugobjekte früh erkennen und abwehren kann.

Auch innerhalb der Nato wird nach Informationen der Financial Times über eine schärfere Reaktion auf russische Luftraumverletzungen diskutiert. Demnach stehen bewaffnete Aufklärungsdrohnen und neue Einsatzregeln zur Debatte, die im Ernstfall auch den Abschuss russischer Flugzeuge erlauben könnten. Das Ziel sei, Moskaus sogenannte „hybride Kriegsführung“ einzudämmen.