Auch ein Angriff Russlands mit Drohnen erscheine trotz Österreichs günstiger geografischer Lage „nicht unwahrscheinlich“, sagt Gerfried Promberger, der Kommandant der Luftstreitkräfte.

Generalmajor Gerfried Promberger, der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, hat bei einem Hintergrundgespräch vor Journalisten mit mehreren Warnungen aufhorchen lassen. Nach den jüngsten Drohnen-Sichtungen in Europa, etwa über Flughäfen in Kopenhagen und München, rechnet Promberger auch hierzulande mit solchen Vorfällen: „Es ist nicht die Frage, ob das in Österreich jemals passieren wird, sondern nur wann.“

Ins Detail ging Promberger nicht. Geheimsache. Aber Promberger gab zu verstehen, dass er seine Einschätzung nicht nur aus dem allgemeinen Risikobild ableitet: „Wir haben besondere Vorfallsmeldungen, die militärische Rechtsgüter betroffen haben.“ Einem Bericht der Austria Presse Agentur zufolge wurden zuletzt verstärkt Drohnen im Umfeld von Kasernen gesichtet.

Wie andere hochrangige Militärs auch sieht Promberger Österreich jedenfalls als Ziel der hybriden Kriegsführung. Und da gehe es nicht nur um Desinformation. „Wir haben mehrere Sabotage-Phänomene nicht nur in Europa, sondern auch bei uns.“ Mehr sagte er dazu nicht.

Kreisende Aufklärungsdrohnen über kritischer Infrastruktur sind das eine. Aber auch ein russischer Luftangriff mit Drohnen erscheine trotz Österreichs „günstiger geografischer Lage“ (umgeben von Nato-Staaten) als „nicht unwahrscheinlich“, heißt es auf einer Folie von Prombergers Präsentation vor Journalisten. Das Bundesheer gehe davon aus, dass Österreichs Nato-Partner „das Angriffspotenzial“ verringern würden. Heißt: Einen Teil der Drohnen würden sie vom Himmel holen und zwar schon deshalb, „um die Integrität ihres Luftraums zu wahren“. Eine 100-prozentige Vernichtung der Drohnen „durch die ‚vorgestaffelte‘ Nato-Luftverteidigung“ wäre aber „ziemlich sicher nicht möglich“.

Österreich würde von einer heranfliegenden Gefahr aus dem Ausland laut Promberger rasch Wind bekommen: „Wir sind eng verbunden mit unseren Nachbarn und deren Einsatzzentralen.“ Mit Deutschland und der Schweiz gibt es seit 2006 bzw. 2007 sogar Abkommen zum Austausch von Luftlagedaten. Auch mit Italien und Tschechien werden Gespräche über einen Ausbau der Kooperation geführt. Danach würden Abkommen mit Ungarn und der Slowakei angestrebt. Just mit den zwei östlichen Nachbarn gibt es nämlich noch gar keines. Laut Promberger ist das aber nicht schlimm, weil am Steinmandl im Weinviertel bekanntlich eine Radarstation steht, die tief in den Osten blicken lässt.

Promberger schilderte auch ein paar Details zu den jüngsten Drohnenvorfällen in Europa, darunter zu den Flugobjekten, die Anfang September aus Belarus in Polen eingedrungen waren. Man gehe von mindestens 19 Drohnen aus, eher sogar mehr. An die Gerbera-Drohnen seien Plastikbehälter als Zusatztanks befestigt worden, was dazu führte, dass die Drohnen bis zu 350 Kilometer weit fliegen konnten. Die Reichweite sei normalerweise auf bis zu 100 Kilometer beschränkt. Die Drohnen navigierten sich laut Promberger via GSM vorwärts – also über Mobilfunkmasten. Bei den Vorfällen über den Flughäfen in Dänemark und Deutschland geht Promberger dagegen übrigens eher nicht von größeren militärischen Drohnen aus. Ausschließen könne man das aber nicht.

Im Bereich der Drohnenabwehr wird Österreich bekanntlich eine Reihe von Investitionen tätigen. Vom Fliegerabwehr-Turm „Skyranger“ über neue Ahead-Munition für die Oerlikon-Zwillingskanonen, die bei der gezielten Zerstörung von Drohnen vielversprechend sei. Gegen größere Drohnen könnte auch ein neues Luftabwehrsystem mittlere Reichweite zum Einsatz kommen, das bald im Rahmen der Sky-Shield-Initiative beschafft werden könnte.

In Allentsteig wurde zuletzt auch Abfangdrohnen erprobt. Die Mini-Gun des Hubschraubers OH-58 und die Bordkanone der Pilatus PC-7 erzielten bei Versuchen gleichfalls gute Ergebnisse. Die Tests mit der Schrotflinte indes waren weniger erbaulich – zu ungenau. Es scheint übrigens nicht ganz ausgeschlossen, dass bei den Anstrengungen für eine qualifizierte Drohnenabwehr noch einmal nachjustiert wird.

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