Mathematik in der Schule: “Am Ende können sie halt nichts”

by NieWiederAachen

34 comments
  1. > Natürlich hat sich in NRW die soziale Zusammensetzung stark verändert, gerade in den großstädtischen Räumen.

    Oh oh 

  2. “Frau Prediger, ungefähr die Hälfte aller Neuntklässler zeigt nur noch ein geringes Interesse an Mathe, Physik und Chemie. Sie müssen als Mathematikdidaktikerin mit ansehen, wie Deutschland zunehmend den Spaß am Rechnen verliert …”

    Gleich schonmal im ersten Satz Mathematik (und eigentlich auch Physik und Chemie) gleich mal mit reinem Rechnen gleich gesetzt…

  3. Was mich ehrlich gesagt wundert ist, dass die Quereinsteiger da einen negativen Effekt haben sollen.

    Quereinsteiger sind da auf Gutdeutsch Ingenieure und andere MINTler. Und der Matheunterricht ist sowieso kein Matheunterricht sondern ein Kampfrechnenunterricht, höchstens ein Mathe für Ingenieureunterricht. Auch ist das Material so trivial für jeden MINTler, die letzten ein zwei Jahre vieleicht mal ausgenommen, dass es eigentlich nur auf Didaktik ankommen kann. Das was Mathematiker gerne machen hat mit diesem unterricht gar nichts zu tun und kann ihnen da eigentlich gar nicht helfen.

  4. Es sind nun mal allgemeinbildende Schulen. Die mussen den angehenden Ingenieur genauso aufn Weg bringen wie die angehende Juristin, da man bis dahin eher selten weiß, wer am Ende was wird.

  5. Die unbegabtesten Schüler von heute sind dann die Lehramtsstudenten von morgen.

  6. Oder um es mit den Worten der 12-jährigen von meiner Schwester zu sagen: „Warum muss ich das lernen? Die KI macht das doch für mich“.

  7. Ein “Problem” in Mathe ist, dass man auch ohne Verständnis noch lange irgendwie durchkommt.
    Wobei… wahrscheinlich in allen Fächern.

    Aber Mathe baut sehr aufeinander auf und manches “Auswendig Gelerntes” kürzt einfach enorm ab und wenn es nicht da ist, dann wird alles andere eine Qual.

    Bestes Beispiel: das kleine Einmaleins.

    Wenn man in einer Zehntelsekunde weiß was 6×8 ist, dann ist man einfach um Größenordnungen schneller als wenn man im Kopf “8,16,24,32,40,48” durchgeht. Wer das in der sechsten Klasse bei der Bruchrechnung noch tut, ist einfach nicht mehr in der Lage die Anforderungen zu erfüllen. Mal ganz davon abgesehen, dass man auch direkt wissen muss durch was eine Zahl wie 24 so alles teilbar ist oder “in welchen Reihen die 24 vorkommt”, wobei ich diese Denke nicht mag.

    Kinder bleiben nicht mehr sitzen… das hat Vor- und Nachteile. Es wird immer davon ausgegangen, dass Defizite nachgeholt werden, aber das ist in unserem Schulsystem nicht besonders realistisch.

    Wer mit einer Vier versetzt wird, kann nur die Hälfte von dem, was nötig wäre.
    Im Grunde müsste man jedes Teilgebiet so lange üben bis man “gut” darin ist.

    Das geht aber mit einmal versetzt werden im Jahr nicht.

    Wir hätten die Technik um allen Schülern ihre Grundausbildung in 100 Level zu unterteilen, die jeweils erst beherrscht werden müssen bevor es weiter geht. Das wäre ziemlich für jeden Schüler ein eigener Verlaufsplan, aber so funktionieren nicht nur Computerspiele, sondern auch Online-Coachings für Berufstätige.

  8. Kleine Anekdote: Ich bin Software Entwickler. Auf einer Party wurde mir darauf hin gesagt: “Ach. Auch einer von den Komischen.”
    Das waren bereits erwachsene Leute. So steht man in der Öffentlichkeit da. Die Bezahlung ist gut und die Arbeitskonditionen weit besser als bei anderen Tätigkeiten die ich bisher hatte.

    Aber diese Angst/Abwehrhaltung/abwertende Haltung vor Technik und allem was kompliziert ist geht mir gehörig auf den Sack.

    Ich muss aber auch sagen das wir dieses Jahr zwei Praktikanten aus der 9 Klasse bei uns in der Softwareentwicklung hatten (2 Wochen) und die Jungs waren zwar derbe erschlagen mit all den Informationen, aber sie hatten Bock und das rechne ich ihnen hoch an.

  9. Das ist nicht nur ein Problem mit der Mathematik. Ich bin Lehrer für Deutsch und Englisch und da sieht es ähnlich aus. Das Niveau sinkt jedes Jahr und als Lehrer steht man vor der Wahl, entweder fast allen eine 5 oder 6 zu geben oder seine Erwartungen zu senken.

    Das Abitur ist heute leider nichts mehr wert. Alle drücken alle Augen zu, denn wenn der Notenschnitt zu schlecht ist, ist natürlich der Lehrer schuld, und das will natürlich weder die Schule noch der Staat.

    Unter Lehrern gibt es schon lange den Witz, der leider kein Witz mehr ist, dass man zu keinem Arzt, Anwalt oder Architekten gehen sollte, der jünger als 50 ist.

  10. Die Probleme sind seit 20 Jahren bekannt. Nach jeder Studie wird Aufbruchstimmung erzeugt und trotzdem geht der Trend ununterbrochen weiter ins Negative. 

    > Warum ein Bundesland so viel stärker zurückfällt als andere, das muss noch genauer untersucht werden. 

    Und im Interview wird ernsthaft behauptet, man müssen erst noch mehr Forschen, um den Trend zu verstehen. Anscheinend will man die Probleme nicht sehen und erst recht nicht lösen.

  11. Fakt ist halt, dass man in Mathematik (und generell auch Naturwissenschaften) einen Lösungsweg lernt, der einem hilft, gewisse Probleme zu lösen. Dazu zählt Probleme erkennen, den richtigen Lösungsweg aus vielen anderen identifizieren , und den schlüssig anwenden.
    Meiner Meinung nach sollte man anfangen bei der Bewertung des Ganzen umzudenken. Wenn jemand naturwissenschaftlich nicht gut ist und dort schlechte Noten hat, dann ist das meiner Meinung nach vollkommen ok. Gleichermassen sollte das auch für Sprachen, Gesellschaftswissenschaften, kreative Fächer und Sport gelten. Dann muss man die Anforderungen für weiterführende Ausbildungen anpassen.
    Wenn ein NC in Medizin wegen Sport, Kunst, Musik oder so nicht erreicht wird, kann die Person genau so gut geeignet sein, wie jemand der das besser konnte.
    Viel schlimmer finde ich, dass man dann im Biologiestudium Leute mit top Abi sitzen hat, die Physik und Chemie abgewählt haben.

  12. Ganz ehrlich, wer braucht auch das Meiste, was gelehrt wird? Ich brauche Strich-, Punktrechnung, Dreisatz und Prozentrechnung bei der Arbeit. Und mehr auch nicht.

    Ist es gut, dass man das in der Schule lernt? Natürlich. Man lernt, was man in Zukunft ggf machen möchte – also zB Mathematik studieren, oder Ingenieur werden und dafür hat man schon mal eine Basis – und man lernt wie man lernt und kritisches Denken.

    Braucht man das alles, wenn man in die Arbeitswelt startet? Meistens nein.

    Es ist eben Bolemie-Lernen. Schnell rein, schnell raus, weil das nächste Thema schon wartet.

    Das ist nicht nur in Mathe so.

  13. Tja.

    Ich war auch nie ein Mathegenie, die Mathe-Vorlesungen im Informatik-Studium waren harte Arbeit. Da waren allerdings auch Professoren dabei, die aus heutiger Sicht nichts anderes als Sadisten waren und gar kein Interesse daran hatten, dass die Studierenden das Gelehrte verstehen.

    Später bin ich dann selbst an der Uni gelandet und habe vertretungsweise eine Übungsgruppe mit Mathe-Lehramtstudenten betreut. Ich hatte große Motivation die alle durchzubringen, aber das war eine Gruppe, die mit überkreuzten Armen vor einem saß und schon nach dem ersten Halbsatz “Versteh ich nicht” gesagt hat. Am Ende habe ich sogar noch angeboten, dass wir uns am Samstag vor der Klausur treffen und noch mal gemeinsam alle Fragen durchgehen. Das hat eine Studentin angenommen und das war auch die einzige, die bestanden hat. Interessanterweise kommt sie gebürtig aus Polen und ist da auch zur Schule gegangen.

    Das ist ein echt tief sitzendes strukturelles Problem in Deutschland und ich habe auch keine Ahnung, wie man das ändern kann.

  14. Deutschland ist eben das Land, in dem sich jeder hinstellen und kokett brüsten kann, dass er Mathematik ja nie verstanden habe und ihm noch begeistert zugestimmt wird, anstatt, dass man ihn fragt: “Oh, Sie sind also dumm?”

    Denn Mathe an der Schule… jo mei, ist halt auch überschaubar.

  15. Ich bin in die Sozialwissenschaften gegangen, weil ich Mathe am Gymnasium einfach wild fand. Ich habe dann zwar mit ner glatten 3 das Mathe Abi geschafft, aber zu keinem Zeitpunkt eines der Prinzipien verstanden. Ich habe immer nur auswendig gelernt, mit welchen Formeln and Anwendungen man welche Probleme lösen kann. Warum man das so macht? Kein Plan.

    Und das Problem ist aus meiner Sicht, dass der aktuelle Lehrplan/die Lehrer wirklich schlecht darin sind, die Hintergründe dieser abstrakten Prinzipien zu erklären. Das fängt ja schon beim Satz des Pythagoras an. In der 7. Klasse lernt man die Formel. Warum ist die Formel so? Weil Pythagoras das vor 2500 Jahren mal bewiesen hat. Na toll.

    15 Jahre später schaut man sich ein 20minütiges Video von Veritasium an und da wird das so erklärt, dass man hinterher zum ersten mal wirklich das Gefühl hat, das Thema zumindest im Grundsatz verstanden zu haben. 
    Natürlich ist sowas erstmal eine oberflächliche Erklärung. Aber es legt zumindest mal eine Grundlage, durch die man dieses Thema überhaupt erstmal interessant finden kann.

  16. Wir brauchen bald mal einen Thread: _Schönste Symbolbilder von zeit.de_

  17. Heftig wie schlecht NRW abschneidet, da will man ja keine Kinder mehr in NRW bekommen 😳

  18. Mathe habe ich erst im zweiwöchigen Vorbereitungskurs fürs Studium gelernt. Die Mathemodule sind sogar zu meinen Lieblingsmodulen geworden und ich beschäftige mich damit sogar in meiner Freizeit. An der Schule hingegen hatte ich immer damit zu kämpfen und ich weiß bis heute nicht warum. Wieso schaffen Schulen in 12-13 Jahren nicht die selbe Menge und Tiefe zu vermitteln wie ein einfacher zweiwöchiger Vorbereitungskurs?

  19. Muss mir den Artikel hinter der Paywall gar nicht erst angucken … Wer Infrastruktur und Bildung zu Tode spart, spart sich zugleich auch die Wirtschaftskraft zusammen.
    Das ganze wird auch noch deutlich schlimmer werden, wenn noch länger Berufspolitiker und Populisten ein Land in den Ruin reiten wollen

  20. “Beraterin des Kultursministeriums, die selbst noch nie in einer Brennpunktschule unterrichtet hat sieht die Schuld vor allem bei Lehrern und kann selbst keine konkreten Lösungsvorschläge machen, obwohl das ihr Job ist.”

    wäre ein ehrlicherer Titel.

  21. Also das alte Problem, dass “da oben” keiner sehen will… Lehrer schaffen es nicht mehr ihre Schüler so am Stoff zu interessieren, dass auch was hängen bleibt.

    Meine alten Lehrer in den 90ern haben das teilweise noch hinbekommen. Je jünger die Lehrer wurden desto schlechter gestellt ng das irgendwie. Also vielleicht sollte man eher mal da schauen wo die Lehrer ausgebildet werden.

  22. Vertane Chance, mit dem Nachnamen eine angenehme Überschrift zu machen.

  23. Hab mir Mathe erst im Studium beigebracht, weil da war es ein Knock-Out Kriterium. 
    Ich war grössenteils selbst Schuld, war zu faul in der Schule und hatte eine 0-Bock-brauche-ich-eh-nie-mehr-Haltung. Zum Durchkommen hat es halt immer gereicht, weil alle anderen Noten gut waren. Vielleicht bräuchten Schüler für Mathe härtere Konsequenzen – mir hätte es motivationsmäßig jedenfalls etwas gebracht, wenn ich nur wegen der Mathe 5 und sonstigem Zweierschnitt hätte wiederholen müssen (allein die Angst hätte gereicht, mir selbst in den Arsch zu treten).

  24. Ich komme immer mehr zu den Punkt das Eltern – weil man das halt so macht – Kinder in die Welt werfen und dann sagen: “Joa bist halt da, sieh mal zu, tschüssi… ach hier mein Tablett falls dir langweilig ist”
    Ja Kinder zu bilden gehört auch zu den Aufgaben der Eltern. Soll der Staat ja nicht machen.
    Mitlerweile bin ich froh das meine Mutter (ja auch sie kam nach 17 Uhr erst nach Hause) das 1×1 mit uns gepaukt hat, war nervig aber ja.
    Ihr wisst alle das es seit fast nen Jahrzehnt einen Lehrermangel gibt, da sind halt auch die Eltern gefragt ihre Kinder zu bilden, Vater wie Mutter oder andere Lebensgemeinschaften.
    Ansonsten lasst das mit den Kindern einfach sein, ist auch Ok.

    Ich komm mir schon wie son erzkonservativer Boomer vor. Aber wtf mache die Leute denn?

  25. Ich arbeite in einen Baustoffhandel.. Ihr habt ja keine Ahnung, wieviele erwachsene Menschen kein Volumen ausrechnen können. Einheiten umrechnen sowieso unmöglich.

  26. Heutzutage sollte meiner Meinung nach Stochastik gelehrt werden, früh und intensiv. Wie viele Leute auf Lotteriesysteme im Internet reinfallen, weil sie die basics nicht verstehen, ist erschreckend.
    Stichwort abhängige und unabhängige Ereignisse.

  27. Ich persönlich liebe Mathe aber vielen wird leider der Zugang verbaut weil der Standard Ansatz nicht fruchtet. Wenn man sich Zeit nimmt und persönlichen Zugang findet – lassen sich viel mehr Leute für Mathe begeistern.

  28. Lehrer in NRW (dem Bundesland, in dem die schulischen Leistungen offenbar besonders abgesackt sind) hier: das Problem ist vor allem, dass es scheinbar systemgewollt ist.

    1. Überall hört man immer nur “Lehrermangel hier, Lehrermangel da”. Und doch gibt es in meinem Umfeld viele ausgebildete Lehrkräfte, die seit Jahren keinen Job finden, da die Bezirksregierungen im ganzen Bundesland nicht eine einzige Stelle für Gymnasien ausschreiben, sodass die benötigten Stellen unbesetzt bleiben und Unterricht entweder ausfällt oder durch Überstunden der vorhandenen Lehrkräfte aufgefangen werden muss (mehr Unterrichtsvorbereitung = weniger Zeit für GUT vorbereiteten Unterricht und weniger Zeit für individuelle Förderung). Teils werden Lücken mit den im Artikel beschriebenen Quereinsteigern gestopft, also Leuten, die zT Anfang 20 sind und sich für ihr Studium was dazuverdienen wollen oder Leuten, die von Pädagogik und Didaktik noch nie etwas gehört haben.

    2. Zudem werden zentrale Fächer wie Deutsch, Mathe und Englisch ab der 8. Klasse nur noch 3-stündig unterrichtet. Es gibt immer mehr Fächer, die ihren Weg in den Stundenplan finden, sodass Schwerpunkte wie rechnen und schreiben in den Hintergrund rücken.

    3. Die vom Land vorgegebenen Anforderungen für zentrale Abschlussprüfungen verlieren mehr und mehr an an Tiefe und die benötigten Kompetenzen der Schüler:innen werden immer oberflächlicher angepeilt. So zählen korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung im Englsich-Abitur lediglich noch 7 von 200 zu erreichenden Punkten, korrekte Grammatik 13 von 200. Wenn Schüler:innen jahrelang vermittelt wird, dass man auf gut Deutsch auf korrekte Sprache sch*en kann, muss man sich nicht wundern, wenn Leistungen immer mehr abnehmen. Denn wer das nicht beherrscht, hat mit inhaltlichen Äußerungen oft ebenfalls Probleme.

    4. Der von den Curricula vorgegebene zu vermittelnde Stoff nimmt jedes Jahr weiter zu. Das heißt, man hat zwar die gleiche Anzahl an Unterrichtsstunden wie im Vorjahr, muss nun aber mehr Inhalte vermitteln und hat deutlich weniger Zeit, das “wie” in den Blick zu nehmen oder Inhalte vertiefend zu bearbeiten. Resultat ist das im Artikel beschriebene Oberflächenwissen, dass Schüler:innen oft nicht lernen, korrekt einzuordnen oder mit anderen Inhalten und Themen zu verknüpfen.

    5. Über soziale Medien und KI als omniprãsentem Problemlöser, der einem das Denken abnimmt, möchte ich mich jetzt nicht auslassen. Das Problem dabei sollte klar sein.

  29. Als wärs nur in Mathe so. Hatten im ersten Semester Medizin kurz nach Start einen Test in anorganischer Chemie und Physik, ohne Vorbereitungsseminare wären wohl die meisten gescheitert und das obwohl es theoretisch aus der Schule bekanntes Wissen hätte sein sollen.

  30. Die Schüler sind es nicht Schuld. Das Problem ist Wie es ihnen vermittelt wird.

  31. Interessant ist der Kommentar einer Mathelehrerin in der Kommentarsektion im Artikel. Heutzutage müssen die Schüler auch mehr können/lernen.

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