Nach nur drei Tagen sei bis Donnerstagnachmittag (Ortszeit) der gesamte Flügel bis auf einen kleinen Teil des Säulengangs abgetragen gewesen, berichteten US-Medien. Laut „Washington Post“ versuchte die Trump-Regierung, Aufnahmen von Schaulustigen, aber auch von Journalisten und Journalistinnen zu verhindern. Ebenso sei Mitarbeitenden des nahe gelegenen Finanzministeriums untersagt worden, Aufnahmen der großflächigen Baustelle zu verbreiten.
Anstelle des Ostflügels will Trump einen Ballsaal errichten lassen. Der rund 8.000 Quadratmeter große Saal soll – laut jüngsten Zahlen – etwa 300 Millionen Dollar (rund 275 Mio. Euro) kosten, den neoklassizistischen Stil des Präsidentensitzes beibehalten und Platz für 1.000 Gäste bieten. Nach Angaben des Weißen Hauses wird er über eine Lobby und eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbunden.
APA/AFP/2025 Planet Labs PBC
,
APA/AFP/2025 Planet Labs PBC
Derzeit heißt es auf der Website des Weißen Hauses, dass der neue Saal eine notwendige und „exquisite“ Ergänzung sei. Neu gebaut werden auch Büros für die Partner bzw. Partnerinnen der amtierenden Präsidenten bzw. Präsidentinnen sowie Zimmer für Gäste, schreibt die „Washington Post“. Der beim Abriss anfallende Schutt soll laut Bericht unter anderem auf einem nahe gelegenen Golfplatz zum Aufschütten von Hügeln eingesetzt werden.
Pläne laufend geändert
Die Ankündigungen Trumps bezüglich des Neubaus waren bisher allerdings wenig konsistent. Zunächst hatte es auch von den Republikanern und Trump selbst geheißen, dass der Ostflügel von den Ballsaalplänen komplett unberührt bliebe. Später hieß es, dass die Pläne geändert worden seien und alles abgerissen werden müsse. Zudem werden laufend neue Features vorgestellt. Eine Genehmigung von den zuständigen Stellen für den Umbau gibt es bisher nicht.

Grafik: APA/ORF
Kritiker sprechen deshalb von Wortbruch. Das Weiße Haus ist in den USA als „House of the People“ bekannt, als „Haus des Volkes“. Denkmal- und Bürgerrechtsorganisationen werfen Trump vor, ohne angemessene Genehmigungsverfahren in das historische Ensemble einzugreifen. Sie fordern einen Baustopp, bis das Projekt von den zuständigen Behörden wie der National Capital Planning Commission geprüft wurde. Laut einer YouGov-Umfrage ist mit 53 Prozent die Mehrheit der US-Bürger und -Bürgerinnen gegen den Abriss, nur 23 Prozent sind dafür.
Im Zuge der Bauarbeiten für einen neuen Ballsaal im Weißen Haus wurde der Ostflügel des historischen Gebäudes inzwischen nahezu vollständig abgerissen.
Offizielle Stellen der Trump-Regierung sprechen unterdessen von vollständiger Transparenz rund um den Bau, darunter Pressesprecherin Karoline Leavitt. Leavitt selbst sprach bei der ersten Vorstellung des Projekts von einer „Modernisierung“ des Ostflügels, nicht von Abriss. Trump sagte zu dem Zeitpunkt, dass der Neubau für damals geplante 650 Gäste 200 Mio. Dollar kosten solle.
Ein Bau für Gold und Prunk
Zuständig für den Umbau ist das Architekturbüro McCrery, dessen Chef Jim McCrery mit den Worten zitiert wird, dass das Weiße Haus seit der Amtszeit von Harry Truman nicht verändert wurde. Wie der „Guardian“ schrieb, ist das Architekturbüro vor allem auf den Bau katholischer Kirchen spezialisiert. Der „Guardian“-Bericht verwies auf einen Erlass von Trump, wonach dieser das letzte Wort beim Design öffentlicher Gebäude habe, die grundsätzlich traditionell und klassisch sein sollen.

APA/AFP/Getty Images/Alex Wong
Die Pläne spiegeln Trumps Liebe für Gold wider
Trump hat ein klares Faible für Gold und Prunk in vielen Formen und ließ zuletzt auch im Oval Office deutlich mehr Golddekor anbringen. Die bisherigen Pläne für den Ballsaal spiegeln das wider und erinnern an Trumps privates Zuhause in Mar-a-Lago. Trump, der ein Faible für den französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. haben soll, plant auch einen Triumphbogen in Washington. Der Ballsaal soll in der laufenden Amtszeit von Trump bis Jänner 2029 beendet werden.
Sponsoring von Apple, Amazon, Google und Palantir
Derzeit ist Trump laut Angaben damit beschäftigt, Geld für den Bau des Ballsaals aufzutreiben. Laut „Washington Post“ steuern US-Firmen wie Apple, Amazon, Google und Palantir sowie Blackstone-Chef Stephen A. Schwarzman und die Crypto-Investoren Tyler und Cameron Winklevoss Geld bei. Trump kündigte an, auch selbst, „was auch immer nötig ist“, zu zahlen. 22 Mio. Dollar kommen aus einer Einigung mit YouTube wegen der Sperre von Trumps Account nach dem Sturm auf das US-Kapitol durch Anhänger und Anhängerinnen Trumps mit fünf Toten.

Reuters/Andrew Leyden
Der Abriss war als solches eigentlich nicht angekündigt
„Lebende Geschichte“ vs. „kein Platz“
Gegenwind für den Umbau kommt nicht nur von den oppositionellen Demokraten. Auch viele Personen beider Parteien, die früher im Weißen Haus und im Speziellen im Ostflügel gearbeitet hatten, meldeten sich in US-Medien zu Wort. „Lebende Geschichte“ sei verloren gegangen, ein „frischer Wind“ der Ostflügel im Gegensatz zum Westflügel gewesen, zitierte die „New York Times“ entsprechende Stimmen.
Es gibt auch klare Befürworter des Abrisses und Neubaus, darunter ein ehemaliger Mitarbeiter des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Die Möglichkeiten für Feierlichkeiten seien derzeit zu klein dimensioniert, Zelte und Mobilklos auf dem Rasen als Ausweichmöglichkeiten seien nicht standesgemäß. Zuletzt wurden Staatsbankette mit Zelten realisiert.
Mehr als 200 Jahre Geschichte
Der Ostflügel war bisher der offizielle Zugang für Besucher und Besucherinnen in das Weiße Haus, zudem waren die Büros der Ehefrauen der amtierenden Präsidenten dort untergebracht. Er wurde in seinen Grundzügen 1902 unter Theodore Roosevelt gebaut und steht seit Anfang der 1940er in seiner letztgültigen Außenform auf einem darunterliegenden Bunker – jenem Bunker, der unter anderem als Kommandoraum bei den Anschlägen des 11. September bekannt wurde.

Reuters/Library Of Congress
Das Weiße Haus wurde in den vielen Jahren seines Bestehens mehrfach umgebaut und erweitert
Der Bau während des Zweiten Weltkrieges wurde von den damals oppositionellen Republikanern als Geldverschwendung denunziert, so die „New York Times“. Wie die „New York Times“ schrieb, wurden auch der Jacqueline Kennedy Garden sowie der Säulengang, der den Flügel mit dem eigentlichen Weißen Haus verband, und ein Kinosaal demoliert.
Geplant und gebaut wurde der Amtssitz des US-Präsidenten Ende des 18. Jahrhunderts, seitdem gab es einige Zu- und Umbauten. Dazu gebaut wurden unter anderem der Westflügel und eben auch der Ostflügel. Im Westflügel sind die offiziellen Büros des US-Präsidenten untergebracht, etwa das Oval Office. Er wurde ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut.