Savelborn ist ein besonderer Ort: Mit einer Bevölkerung von derzeit 28 Einwohnern nicht besonders groß, erstreckt es sich dennoch über zwei Landesteile. Denn 23 Einwohner wohnen auf dem Gebiet der Ernztalgemeinde im Kanton Diekirch, fünf auf dem Gemeindegebiet von Waldbillig im Kanton Echternach. Der Ort besteht aus einigen Höfen, die um eine Kapelle gruppiert sind. Eine Apotheke, einen Dorfladen oder gar Supermarkt sucht man hier vergebens.
Jessica, die gerade mit Hund auf dem Arm von einem kleinen Spaziergang zurückkommt, stört das offenbar nicht: „Der Ort ist eigentlich ideal“, sagt sie fröhlich. „Wir sind vor ein paar Jahren hergezogen und es ist schön ruhig hier. Aber zum Einkaufen, Tanken und so weiter ist man schnell in Beaufort“, meint sie und deutet die Straße hinab. Und auch Städte wie Diekirch seien nicht weit entfernt. „Nach Luxemburg würden wir nicht mehr ziehen“, meint sie und lacht.
Leben abseits des Großstadtverkehrs
Auch Kevin am anderen Ortsrand – ja, auch bei diesem recht kleinen Ort ist die Bezeichnung unter anderem dank einer ausgedehnten Obstwiese und etwas Platz zwischen den Höfen gerechtfertigt – teilt Jessicas Meinung. „In der Hauptstadt sind so viele Menschen, so viel Lärm und dichter Verkehr“, sagt der junge Mann, der gerade mit seinem Auto in die Hofeinfahrt gebogen ist, und winkt ab. „Bei den vielen Autos kommt man ja nicht vorwärts.“ In und rund um Savelborn ist das Verkehrsaufkommen da im Vergleich erträglicher.
Kevin wohnt am Ortsrand und bringt, gerade heimgekommen, die Pferde auf die Weide. Foto: Anouk Antony
Mitten in Savelborn befindet sich eine große Obstwiese. Im Hintergrund steht die Kapelle. Foto: Anouk Antony
Der Ort hat einen ganz eigenen Charme. Foto: Anouk Antony
Ehe Kevin volljährig war, konnte er natürlich nicht selbst mit dem Auto zur Schule oder zu Freunden fahren. „Die Gemeinde hat immer einen Bus organisiert, der dann hier vorne gehalten hat“, sagt Kevin und zeigt zur Einfahrt des Hofes. „Damit sind wir dann bis zur nächsten richtigen Bushaltestelle gekommen.“ Dass der Ort seit 2019 eine eigene Haltestelle in der Nähe der Kapelle hat, sei praktisch: „Damit habe ich eine gute Verbindung, um Freunde treffen zu können“, findet Kevin.
In der Hauptstadt sind so viele Menschen, so viel Lärm und dichter Verkehr.
Kevin
Anwohner
Ein frühneuzeitlicher Kriminalfall
Besagte Kapelle Saint-Aubin stammt aus dem 19. Jahrhundert, wie die „Commission des sites et monuments nationaux“ in einem Gutachten festhält. Doch die erste Kapelle stand dem Priester und Historiker Mathias Kass zufolge schon vor über 500 Jahren im Ort. 1473 sei bei einer Volkszählung für Savelborn ein Hof festgehalten worden, ab 1495 immerhin zwei. Mutmaßlich sei dabei auch die erste Kapelle hinzugekommen, schreibt Kass in der Ausgabe des Geschichtsmagazins „Ons Hémecht“ vom 1. April 1938.
Wou der Däiwel ass …?
Die Lokalredaktion des „Luxemburger Wort“ stellt Ihnen kleine, unbekannte Ortschaften in Luxemburg vor. So manche sind wohl eher vom Hörensagen bekannt. Denn, obwohl Fausti, mit seiner Liebeserklärung an Schlindermanderscheid, den Bekanntheitsgrad dieses Ortes deutlich gesteigert hat, wissen wohl die wenigsten, wo jenes Dorf, das anscheinend schöner als die Copacabana ist, liegt. Auch bei Ortschaften, wie Bitscht, Bungeref, Freckeisen oder Folscht, Kapenaker und Weyer kommt wohl bei so manchem die Frage auf: „Wou der Däiwel ass …?“
Teil der Geschichte des Ortes ist auch ein düsterer Zwischenfall: 1654 habe dem damaligen Pfarrer Martin Reuland ein „Peter, der alte Gläsener zu Stegen“ erklärt, wie die Herren von Burscheid „bei Savelborn einen von ihren Knechten, der ihnen widerspenstig geworden, totgeschossen und in der Kapelle daselbst begraben“ hätten, zitiert Kass aus der Kirchenchronik des besagten Pfarrers.
Der heutige Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert. In der Kapelle, die einst hier stand, wurde ein im Zorn erschossener Knecht beigesetzt. Foto: Anouk Antony
In dem Dokument, das den nationalen Schutzstatus der Kapelle festhält, wird Savelborn charmant als „un tout petit village“ beschrieben, das samt Kapelle auch auf der Ferraris-Karte von 1778 auftaucht. Foto: Geoportail/Screenshot


Wenn den besagten Herren offenbar wenig am Leben des Knechts gelegen war, so kümmerten sie sich dem Bericht des „Gläseners Peter“ zufolge immerhin um dessen Andenken: Der Überlieferung zufolge gaben sie fortan jährlich Geld aus, damit für den erschossenen Knecht Messen gelesen wurden.
Von der Ardennenoffensive bis heute
Etwa 300 Jahre später sollte Savelborn noch einmal und in größerem Maßstab zum Schauplatz der Gewalt werden, denn auch die kleine Ortschaft blieb von der Ardennenoffensive nicht verschont. Historiker Roland Gaul zitiert in seinem zweiten Band von „Schicksale zwischen Sauer und Our. Soldaten und Zivilpersonen erzählen“ den damaligen Kommandeur des 3rd Armored Field Artillery Batallion, Lt. Col. George Ruhlen, der zu diesem Zeitpunkt mit seiner Artillerie nahe Medernach im Einsatz war.
Eine Scheune in Savelborn trägt die Jahreszahl 1793, doch die Geschichte des kleinen Orts reicht noch wesentlich weiter zurück. Foto: Anouk Antony
Einige Gebäude zeugen vom Alter Savelborns. Foto: Anouk Antony


Wie Ruhlen in Gauls „historischer Collage“ berichtet, sei vor allem Haller, der östliche Nachbarort von Savelborn, stark beschossen worden. Die dortigen US-Truppen zogen sich schließlich über Savelborn Richtung Medernach zurück, von wo aus die Artillerie auf die Richtung Savelborn anrückenden Deutschen schoss. Dabei zerstörten US-Truppen auch drei Sturmgeschütze, von denen eines – von „Bazookas“ getroffen – an der Kreuzung Savelborn-Haller-Freckeisen von der Straße rutschte.
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Die Straßenkreuzung hat sich seit damals nicht viel verändert. Doch die schwersten Fahrzeuge, die heute durch die kleine Ortschaft an CR 356 und 358 rollen, sind Lastwagen und Traktoren, und auch die Kapelle ist nicht mehr dieselbe, in der einst der unglückliche Knecht beigesetzt wurde. Inzwischen ist es ruhig im kleinen Ort zwischen Landesnorden und -osten – etwas, das die Einwohner offenbar zu schätzen wissen.