Die Zahlen lügen nicht: Basketballer Robertas Jonaitis ist für die Kordall Steelers bislang ein Glücksgriff. In sieben Meisterschaftsspielen hat er in der laufenden Saison 190 Punkte erzielt, was einem Durchschnittswert von 27,1 Punkten pro Spiel entspricht.

Gegen Contern schraubte er die Zahl weiter in die Höhe. Beim 101:74-Ausswärtssieg war Jonaitis erneut der Mann der Spiels. Der litauische Neuzugang steuerte 31 Punkte in 30 Minuten Spielzeit zum zweiten Saisonsieg bei.

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Nach dem Spiel zeigte sich der 25-Jährige erleichtert: „Wir sind glücklich, der Sieg war wichtig. Unsere Verteidigung war diesmal viel besser, alle waren voll fokussiert. Wir haben schnell und gut zusamengespielt – mit starker Defense und schnellen Fastbreaks.“

Für die Kordall Steelers ist der Erfolg ein wichtiger Schritt im Kampf um den Klassenerhalt in der Enovos League „Dieser Sieg gibt uns Selbstvertrauen und beweist, dass wir in dieser Liga mithalten können“, so Jonaitis.

Hier sind die Leute freundlich, der Sport ist gut organisiert und ich fühle mich willkommen. 

Robertas Jonaitis

Trotz seiner überragenden Statistik bleibt Jonaitis bescheiden: „Ich habe gut gespielt, aber es gibt immer Dinge zu verbessern. Ich habe zu viele Freiwürfe vergeben. Am Ende zählt aber nur der Sieg. Es geht immer ums Team.“ Außerdem fügte er hinzu: „Viele Jungs haben Verantwortung übernommen – das war ein echter Teamsieg. Wir haben stark verteidigt, viele Rebounds geholt und den Ball gut zirkulieren gelassen. Das war Team-Basketball, so wie wir ihn spielen wollen.“

Litauen, Kentucky und die Steelers

Geboren in Litauen, wo Basketball Nationalsport ist, führte Jonaitis‘ Weg schließlich in die USA, an die University of the Cumberlands in Kentucky. Dort spielte er mehrere Jahre und machte einen Master in Betriebswirtschaftslehre. „Nach dem Studium stand ich vor der Entscheidung: arbeiten oder weiterspielen?“, erzählt Jonaitis. „In Luxemburg konnte ich Karriere und Basketball verbinden.“ Heute arbeitet er tagsüber als Business-Analyst und steht abends im Trikot der Steelers auf dem Parkett.

Lazar Lukic (l.) stand gegen Robertas Jonaitis vor einer schwierigen Aufgabe. Foto: Alexander Daleiden

Das Umfeld und die offene Kultur haben ihn überzeugt: „Hier sind die Leute freundlich, der Sport ist gut organisiert und ich fühle mich willkommen. Die Mehrsprachigkeit ist beeindruckend – fast jeder spricht drei oder vier Sprachen. Für jemanden aus dem Ausland ist das ein echter Vorteil.“

„Robertas ist ruhig, professionell und hat eine beeindruckende Mentalität. Man merkt sofort, dass er in den USA gespielt hat“, berichtet Teamkollege Steve Kuhlmann. „Er kam spät im Sommer, war aber direkt Teil der Gruppe. Er arbeitet hart, bleibt bescheiden und bringt auf und neben dem Feld Stabilität.“

Ich bin einfach sportbegeistert – alles, was mit Wettkampf zu tun hat, fasziniert mich.

Robertas Jonaitis

Mit 1,94 m und viel Athletik sorgt Jonaitis an beiden Enden des Feldes für Präsenz. Als vielseitiger Forward überzeugt er durch Tempo, Übersicht und Durchsetzungsvermögen. Die persönlichen Statistiken sind ihm egal: „Ich denke nicht daran. Hauptsache, das Team gewinnt.“ Nach sieben Jahren in den USA weiß er: „Das College-System dort ist herausfordernd, aber es formt dich. Du lernst Disziplin, Routine und Verantwortung.“

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Abseits des Spielfelds führt Jonaitis ein ruhiges Leben. Sein Zuhause liegt im französischen Villerupt, gleich hinter der Luxemburger Landesgrenze. „Das Leben dort ist günstiger, Luxemburg ist schnell erreichbar.“ In seiner Freizeit sucht er den Ausgleich in Bewegung, Spaziergängen in der Natur oder beim Sport schauen, egal ob Basketball, Handball oder andere Disziplinen. „Ich bin einfach sportbegeistert – alles, was mit Wettkampf zu tun hat, fasziniert mich.“

Privates hält er bewusst im Hintergrund. „Ich achte auf meinen Körper – gute Ernährung, Eisbäder, Dehnen, Krafttraining. Das gehört einfach dazu.“ Seine Ruhe und Routine abseits des Courts sind dabei der Gegenpol zu seiner gelebten Intensität auf dem Feld.

Ein Landsmann in der Liga

Jonas Levickas, ebenfalls Litauer und Spieler bei Arantia, hat er bereits kennengelernt. „Wir kannten uns vorher nicht. Seit einem Vorbereitungsspiel auf die Saison stehen wir in Kontakt. Es ist schön, jemanden aus der Heimat hier zu treffen.“

Robertas Jonaitis (l.) überzeugt auch mit Zug zum Korb. Foto: Alexander Daleiden

Doch Jonaitis fühlt sich längst nicht mehr ausschließlich als Litauer. „Ich vermisse meine Freunde und Coaches in den USA. Diese Zeit hat mich geformt. Aber Luxemburg fühlt sich inzwischen auch ein wenig wie eine zweite Heimat an.“

Nach dem wichtigen Sieg gegen Contern will Jonaitis mit den Kordall Steelers weiter angreifen. „Jetzt wollen wir Konstanz finden und die Play-offs ins Visier nehmen“, sagt er. Sein Ziel bleibt klar: „Immer das Beste für das Team geben.“

Ob er langfristig in Luxemburg bleibt, lässt er offen. „Ich denke von Spiel zu Spiel“, sagt er pragmatisch. „Solange ich hier bin, will ich meinen Teil dazu beitragen, dass Kordall erfolgreich ist.“

Hier geht‘s zu den Ergebnissen und Tabellen.

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