Die Demokraten entschieden neben dem Sieg in New York auch zwei Gouverneurswahlen für sich. Doch sie dürften nur kurz durchatmen: Die Partei ist in Trumps zweiter Amtszeit schwerfällig geworden. Die Parteilinke pocht darauf, ein Gewinner-Rezept für die Kongresswahl zu haben.

In den Rängen der demokratischen Partei war am Dienstagabend ein lautes Aufatmen zu hören. Ein Jahr nach dem einigermaßen fulminanten Wahlsieg von Donald Trump und den Republikanern konnten sie wichtige Siege für sich verbuchen. Neben dem Erdrutschsieg von Bürgermeisterkandidat Zohran Mamdani in New York City gewannen die Demokraten die zwei offenen Gouverneurswahlen: In New Jersey machte Mikie Sherrill das Rennen, in Virginia Abigail Spanberger.

Und beide gewannen mit einigem Abstand auf ihre republikanischen Konkurrenten. Doch während in New York die Wähler aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten in Massen zur Stimmabgabe schritten und sich für einen Sozialisten als Bürgermeister entschieden, spürte man in New Jersey und Virginia den Einfluss der Trump-Politik als Wahlmotiv. In Virginia, Spanbergers Bundesstaat, leben viele – unzufriedene und/oder gefeuerte – Bundesbeamte; New Jersey ist einer der Wirtschaftsmotoren der USA. Beide Bundesstaaten galten vor dem Wahltag als mögliche neue „Swing States“, doch die Wähler entschieden sich klar: für die Demokraten. Eine „blaue Welle“ rollte über sie hinweg.

Sherrill und Spanberger gelten dabei beide als einigermaßen klassische Demokratinnen. Vom sozialistischen Feuer Mamdanis haben sie Abstand genommen, wenn auch der Enthusiasmus der New Yorker manche Wähler in New Jersey und Virginia motiviert haben dürfte. Den Demokraten steht damit zumindest eine Richtungsfrage ins Haus. Welche Kandidaten könnten bei den im kommenden Jahr anstehenden Kongresswahlen für sie funktionieren?

Die Republikaner haben bereits klargemacht, dass sie Mamdanis Wahlsieg als Wahlkampffutter sehen. Sie reiben sich die Hände angesichts des Linksdralls in New York City – auch, wenn diese Analyse zu kurz greift: Mamdani wählte wie auch Trump populistische Slogans, um Wähler zu gewinnen. Wie auch Trump verspricht er, die Lebenserhaltungskosten zu senken, etwas, nach dem große Teile der Bevölkerung lechzen. Und was Trump, im Übrigen, 2024 einen Stimmenzuwachs auch in New York bescherte.

Von den „Democratic Socialists“ wie Mamdani will das demokratische Parteiestablishment aber nichts wissen. Im Bürgermeisterwahlkampf in New York City nahmen Parteigranden – bis auf Ex-Präsident Barack Obama – Abstand von Wahlempfehlungen für Mamdani. In New York dürfte sich der linke Flügel im kommenden Jahr dennoch daran machen, mehr eigene Kandidaten für den Kongress und auch die Landesregierung in Albany aufzustellen – auch, weil Mamdani Unterstützung braucht, um seine weitreichenden Projekte finanzieren zu können. Sie wollen ihren Siegeszug fortsetzen.

Doch zumindest Mamdanis Wahlkampfstrategie und sein radikaler Fokus auf Lebenserhaltungskosten könnten für die schwerfällig gewordene demokratische Bundespartei ein wirkungsvolles Rezept für Siege sein. Politische Beobachter halten eine Abkehr von Identitätspolitik und Oberlehrerhaftigkeit für höchst überfällig, wollen die Demokraten Wahlen gegen Trump gewinnen.

Die Parteielite glaubt bisher nach wie vor daran, dass allein die Warnung vor „mehr Trump“ bei den Wählern zum Erfolg führt. Die Strategie ging zwar im Präsidentschaftswahlkampf 2024 nicht auf, doch die Siege von Sherrill und Spanberger zeigen, dass der Amtsinhaber-Malus tatsächlich schlagend werden kann.

Gerade jüngere US-Wähler dürften aber Gefallen an den populistischen und sozialdemokratischen Inhalten der linken Parteiflanke finden. Senator Bernie Sanders und Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, beide Teil der Parteilinken, ziehen seit Monaten die Massen bei Kundgebungen an. Auch, weil sie aktiv gegen Trump auftreten – etwas, was anderen demokratischen Bundespolitikern seit dessen Wiederwahl nicht zu gelingen scheint.

Abigail Spanberger holte Virginia.

Abigail Spanberger holte Virginia. Imago

Lesen Sie mehr zu diesen Themen: