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NATO-Generalsekretär Rutte warnt Westeuropa mit Nachdruck vor russischen Raketen. Auch Länder wie Spanien könnten sich keineswegs in Sicherheit wähnen.
Berlin – NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat europäische Länder jenseits der Ostflanke dazu aufgerufen, die Bedrohung durch Russland nicht zu unterschätzen. „Wissen Sie, was der Unterschied zwischen Vilnius und Valencia ist? Fünf Minuten“, sagte Rutte im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch (26. November). Die neuesten russischen Raketen könnten mit fünffacher Schallgeschwindigkeit fliegen und Spanien innerhalb kürzester Zeit erreichen.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte warnt Europa eindringlich vor Russlands Raketen. (Montage) © Oliver Berg/dpa; Gavriil Grigorov/dpa
„Wenn Sie also glauben, dass sich nur Litauen an der Ostflanke Sorgen machen muss und andere Städte in Sicherheit sind, dann liegen Sie falsch“, betonte Rutte. Die Gefahr aus Russland gelte für alle. „Valencia befindet sich ebenfalls an der Ostflanke – wir alle befinden uns an der Ostflanke. Es macht inzwischen keinen Unterschied mehr.“
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Um Europa besser gegen Angriffe zu wappnen, soll die EU unter anderem ein Notfallsystem für eine schnelle grenzübergreifende Verlegung von Streitkräften und Militärausrüstung bekommen. Die Europäische Kommission präsentierte dazu in Brüssel im November einen konkreten Vorschlag. Er sieht vor, militärischen Transportoperationen in einer Krise EU-weit prioritären Zugang zu Verkehrsnetzen, Infrastruktur und damit verbundenen Dienstleistungen zu garantieren. Zudem will sich Europa an der Ostflanke gegen Drohnen aus Russland rüsten. Das Projekt „European Drone Defence Initiative“ soll 2026 starten.
An der russischen Gefahr änderten auch die wiederaufgenommenen Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg nichts. Deutliche Worte dazu fand Außenminister Johann Wadephul am Dienstag (25. November). „Selbst wenn es jetzt zu einer Einstellung der Kämpfe käme, was bleibt, ist ein imperiales und aggressives Russland, dessen Ambitionen weit über die Ukraine hinausgehen“, sagte der CDU-Politiker beim Berliner Forum Außenpolitik der Körber-Stiftung.
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Ein Blick nach Russland zeige, dass der Kreml seine Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend auf Krieg eingestellt habe. Es würden mehr Soldaten rekrutiert, als für seine menschenverachtende Art der Kriegsführung in der Ukraine aktuell nötig seien. Wadephul sprach von nahezu einer Division mehr im Monat. „Divisionen, die ihren Blick – daran besteht kein Zweifel – auch auf uns richten, auf die EU, auf die NATO.“
NATO-Generalsekretär Mark Rutte sieht in den Verhandlungen der USA ebenfalls keine grundsätzliche Deeskalation. „Selbst bei einem Friedensplan bleibt Russland eine langanhaltende Bedrohung für Europa“, sagte er dem RND. „Wenn ein russischer Präsident bereit ist, eine Million seiner eigenen Landsleute für den Irrglauben zu opfern, er müsse die Geschichte korrigieren, dann müssen wir auf jede Bedrohung aus Russland vorbereitet sein.“ Rutte hoffe dennoch, dass bald Frieden in der Ukraine einkehrt. (Quellen: RND, dpa, eigene Recherche) (no)