Hallo Reddit community!

Beim Ö3 Dilemma ist diese Woche ein, in meinen Augen, recht interessantes Dilemma dabei.

TLDR: Eltern wollen Kind nicht taufen, Familie drägt sich aber dazu, weil alle das so machen.

[Hier](https://oe3.orf.at/sendungen/stories/3024443/) der Beitrag
>*Mein Mann und ich sind nicht religiös, meine Familie mütterlicherseits dahingehend sehr. Unsere Tochter ist nun ein halbes Jahr alt und meine Familie drängt mich, sie taufen zu lassen. Meinem Mann und mir war es immer ein Anliegen, unser Kind als Baby nicht taufen zu lassen. Wenn sie einmal älter ist, wollten wir ihr die Entscheidung selbst überlassen.
Jetzt werde ich von meiner Familie traktiert, dass es sich gehört, ein Baby taufen zu lassen, „weil das alle so machen“. Sie fürchten, dass unsere Tochter dann nicht dazugehört und ausgeschlossen wird. Mich stört der Gedanke, zur Taufe zu gehen, nur „weil es sich gehört”. Mein Mann ist mittlerweile schon so weit, dass er nachgeben und sie taufen lassen will. Was sagt Österreich? Sollen wir unsere Tochter taufen lassen, damit sie dazugehört und vor allem für den Familienfrieden?*

Ich komme aus einem Dorf im heiligen Land Tirol in dem Religion zu meinem Leidwesen immer noch viel zu stark präsent ist.
Ich kenne viele die Taufe/Erstkommunion/Firmung gemacht haben, einfach damit es erledigt ist und weil es alle machen.
Ich habe aktuell keine Kinder und Religion ist einer der Punkte warum ich auch gar keine haben möchte. Meine Familie und auch die Familie meines Mannes ist sehr religös. (ständige kirchengänger, pfarrgemeinderatsmitglieder, eigene Hofkapellen etc)

Es war eine halbe Familienkrise, als ich verkündet habe nur eine freie Trauung statt einer kirchlichen zu machen. Meinen Kirchenaustritt vor 4 jahren musste ich heimlich machen und habe es offiziell meiner familie gegenüber auch nie bestätigt. Vermutlich wissen sie es aber trotzdem, weil ich beim jährlichen Kirchen in unserer Hofkapelle die Hostie nicht mehr nehme.

Bis jetzt Schweigen wir das Thema einfach tot. Aber falls es doch mal dazu kommen sollte, dass ich ein Kind habe, werde ich sicher in die gleiche Zwickmühle wie im Beitrag kommen und ich finde das ehrlich gesagt einfach nicht ok.

Meine Frage an euch: Was habt ihr gemacht bzw werden ihr machen? Seit ihr am Land oder in der Stadt aufgewachsen und ist Religion bei euch auch noch so erdrückend präsent?

27 comments
  1. Taufen im Baby/Kindesalter finde ich fragwürdig und gut wenn man sich als Eltern dagegen entscheidet. Jeder darf natürlich seine Religion ausüben, aber das sollte jeder für sich selber entscheiden!

  2. Wir habens auch nicht vor, aber der Gruppenzwang ist real. Davon lebt die Kirche. Totschweigen wird auch meine Weapon of Choice sein in Zukunft dann.

  3. Ich kenn fast nur leute die ihre kinder taufen lassen mit dem grund “najo, unbedingt wolln tua i ned, owa sonst sans wenn in da volksschul immer de, de nie bei erstkommunion und sowos dabei sind und a wieder ausgschlossen”.

    Und so dreht sich des system weiter…

    Aber zumindest geht die kirche bei uns langsam doch zu grunde, das is ja trotz allem die gute nachricht.

  4. Wir machen im Juli eine “Willkommensfeier” für unseren kleinen Mann.

    Das ist unser Kind folglich auch unsere Entscheidung, völlig egal ob das irgendwem gefällt oder nicht. Da kann kommen wer will, wir wurden zb schon wegen dem Namen schräg angesehen aber auch das geht einfach niemanden etwas an und fertig.

  5. Sehr guter Input, habe mir die selbe Frage schon öfters gestellt. Komme auch aus Tirol und Freundin und ich sind ausgetreten. Das (mögliche zukünftige) Kind Taufen oder nicht keine Ahnung, noch schwieriger weil wir nicht mal Mitglieder im Verein sind…

    Bei der Nichte hab ich aber grade Erstkommunion gesehen wie die Kinder das als was besonderes betrachten weil sies halt so in der Schule sehen.. Das regt mich echt auf auch dass die Schule da so noch Steigbügelhalter für die Kirche ist!

  6. Wir haben uns für einen Kompromiss entschieden. Eine Taufsegnung – damit waren die Großmütter zufrieden und wir haben die Tradition der Taufpaten mit übernommen.

    Rituale wie die Taufe haben abgesehen vom religiösen Hintergrund auch eine weltliche Bedeutung – eine Art Willkommensfest für das Neugeborene – und das wollten wir der Familie nicht vorenthalten.
    Der Vorteil bei der Taufsegnung ist dass es keine zwingen notwendigen Rituale gibt. Die ganze Feier war so wie wir uns das gewünscht haben.

    Aso und der Urgroßmutter haben die Fotos von der Taufe auch gefallen ¯\_(ツ)_/¯

  7. Kind taufen nur weil man es macht, ist auch aus theologischer Sicht Bullshit. Entweder man machts weil man die Sache an sich(Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft etc.) möchte oder man macht stattdessen eine Babynamenwhateverfeier, wenns primär ums feiern geht.

  8. Wir haben unsere Kinder auch nicht taufen lassen, aber bei uns war das kein großes Ding. Ich weiß aber, wie wichtig das Thema Religion in manchen Familien ist und habe großen Respekt vor allen, die sich nicht dreinreden lassen und ihren eigenen Grundsätzen treu bleiben.

    Kirche und ÖVP sind zwei große Player in diesem Land und ihre Macht kann nur eingeschränkt werden, wenn es Leute gibt, die aus diesem “weils immer schon so war”-Radl ausbrechen.

    Oft wird aber auch heißer gegessen als gekocht. Die Aufregung mag im ersten Moment groß sein, aber nach einem Jahr interessiert es oft niemanden mehr. Eine liebevolle Familie lässt sich nicht durch Religion oder Politik spalten.

  9. Nein, auf keinen Fall die Überzeugungen aufgeben.

    Wenn man nicht religiös ist, gehört man sowieso nicht dazu. Ich fühle mich total unwohl bei religiösen Veranstaltungen. Ich glaube nicht, dass der offizielle Status da einen wirklichen Unterschied ist. Nach dem Austritt war es weiterhin einfach “oida wo bin ich da?”.

    Und sonst im Alltag ist das kein Thema. An Leuten, die mich mangels Religion meiden, habe ich mit und ohne Taufe kein Interesse.

    Wenn man nicht dahinter steht, wie geht man dann mit Kindern um, die Fragen zur Religion haben, wenn die Erstkommunion kommt, … alles unterstützen, in die Kirche gehen, den Kindern die Märchen erzählen?

  10. Es braucht mehr Menschen, die ein klares Zeichen gegen diesen Gruppenzwang setzen und einfach sagen, dass sie die Entscheidung den Kindern selbst überlassen wollen und wenn unsere Gesellschaft es nicht schafft, solche Kinder zu akzeptieren, dann sollte man keine weiteren Kinder in die Welt setzen.

  11. Ich hab mit 18 gesagt ich trete aus, großes Drama. „Dann gibts auch keine Uhr zur Firmung.“ – Ist mir wurscht, brauch keine Uhr von euch. „Dann ist Tante .. traurig.“ (zu meiner Geburt wurde ausgemacht wer Tauf- und wer Firmpate wird.) Ist mir wurscht, machts euch das mit mir aus, aber nicht über mich.

    Austritt, bin xmal von der Kirche genervt worden, hab sie dann als moderne Christenverfolgung bezeichnet weil sie gläubige Christen verfolgen und ihnen das Geld abnehmen wollen.

    Später Hochzeit. Hochzeit ging über 2 Tage, aber ohne Kirche (am Land in Salzburg). Großes Drama, nicht mehr wegen Kirche sondern 1000 anderer Dinge. Hab meinen Verwandten gesagt ich mach das wie ich will, wem es nicht passt, der kann gehen. Niemand gegangen, aber zu einigen keinen Kontakt mehr. – Super!

    Geburt meines Sohnes.. siehe oben 🙂

    Dann gab es eine „Willkommensfeier“ für unseren Sohn, ein Großteil meiner Familie blieb fern (alle eigentlich bis auf 1), nachher große Aufregung wann die Taufe stattfindet. Ich hab ihnen dann ein Foto von seinem Lebensbaum geschickt, wo alle Anwesenden mit Fingerabdruck von sich Blätter draufgemachr haben und ihm Glückwünsche drunter schrieben.

    Ich finde es wichtig sich zu überlegen was man will, wofür man steht, wofür nicht. Was für mich nicht geht ist wenn die eigene „Glaubensrichtlinie“ das Leben von anderen einschränkt.

    Daran versuche ich mich selbst auch so gut zu halten wie ich kann. Ich war zB zur Hochzeit noch Vegetarier und meine Frau auch. Es gab ein hochwertiges vegetarisches Essen, aber natürlich auch eine ordentliche Fleisch-Alternative, weil ich niemanden meinen Lebenswandel aufzwinge. Umgekehrt lade ich mir niemanden von einer kriegstreibenden, kinderschändenden Organisation ein um in meinem Namen von einem hirndeppaten Gott der angeblich seinen eigenen Sohn opfert und ans Kreuz nageln lasst, den Segen zu erbitten. Abgesehen davon, dass ich den Sch.. nicht glaube, wenn ich daran glauben würde wäre ich höchstens noch schlimmer in meinem Urteil.

    Der „Verlust“ der Verwandt- und Bekanntschaft durch die Transparenz des eigenen Inneren hat ausschließlich zu mehr Ruhe, Entspannung und Seelenfrieden geführt.

  12. Nun es gibt verschiedene Betrachtungswinkel diesbezüglich.

    Rein vom biblischen her macht es keinen Sinn, ein Kind zu taufen, da es in der Bibel eine Entscheidung ist, die ein erwachsener Mensch aus eigener Überzeugung trifft. Hat wie so ziemlich Alle katholischen Riten keinerlei biblisches Fu dament. Einem Säugling/Kind würde ich es zunächst absprechen, so eine Entscheidung für sich bewusst und reflektiert treffen zu können.
    Letztendlich ist es ein Instrument der Kath. Kirche, ihre Mitglieder früh einzuführen und zu behalten, da die Meisten wohl einfach drin bleiben, auch wenn sie es nicht interessiert.
    Es sei gesagt, dass gerade in sozialen Berufen, viele Institutionen der Kirche gehören, sprich, bei der Berufswahl hat man unter Umständen einen Nachteil, wenn man nicht Katholisch getauft ist, was man jedoch auch als Erwachsener tun kann, falls gewünscht.
    Ich selbst bin lange ausgetreten, weil ich kein internationales Kinderschändernetzwerk unterstützen möchte( hierzu gibt es viele gute Dokus, die meine Wortwahl mehr als rechtfertigen), also gibt auch durchaus Argumente, nicht daran teilhaben zu wollen.
    Nun gibt es mal abgesehen von Jugendaktivitäten, wo ich meine Kinder aus genannten Gründen nie hinschicken würde keinen Grund, vor der Berufswahl, da mitzumachen. Sollte das wer lesen und überlegen, auszutreten, dem sei gesagt, allein der passiv aggressive Drohbrief, der folgt ( Stichwort Beerdigung ) ist die 20 Euro und Spaziergang zur Gemeinde allemal wert 🙂
    Verwandschaft kann man sich ned aussuchen, aber man kann den Kontakt zu ihnen einschränken, was ich in dem Fall für eine valide Option halte.
    Und wer das Argument vorbringt “machen doch Alle”, der ist mitunter selbst ein Jemand, der grundsätzlich ein Problem mit
    Fortschritt hat und seit 40 Jahren die gleiche Partei wählt, die gegen seine eigenen Interessen handelt.
    Hauptsache Virtue signaling im Dorf, damit die anderen ned tratschen.
    ” Mei schau dir die … an, der ihr Enkel ist ned getauft ! Und letztes Jahr Allerheiligen is die zu spät ans Grab gekommen” Jessas…
    Tja schadet natürlich dem Oma Prestige in der peer group, die den ganzen Tag ausm Fenster schauen und den Nachbarn beschatten, weil ihnen langweilig ist und sie was zu erzählen haben.
    Die Generation ist eh am aussterben und wem die Meinung solcher Leute so wichtig ist, dass sie das eigene Leben oder sogar das der eigenen Kinder beeinflusst, sollte sich diesbezüglich mal reflektiert hinterfragen.

    Mein Tipp : Abstand halten, dann überlegen die sich das nochmal, sollte es ihnen wirklich um das Wohl der Enkel gehen, was ich anzweifle.

    Abschließend : Ich komme auch vom Land und wurde getauft als Säugling. Habe abgesehen von einer Uhr zur Firmung in keiner Weise davon profitiert und habe im Bezug aufs “dazugehören” nicht ansatzweise erlebt, dass jemand der nicht getauft war irgendeinen gesellschaftlichen Nachteil hatte..
    Kindern ist das sowieso scheissegal und und wenn einen die Oma deswegen weniger liebt, ist das einzige Problem die Oma !

  13. Wenn so großer Druck aufgebaut wird sollte man sich vielleicht überlegen ob das die Menschen sind mit denen man Leben möchte. Ich wäre sowieso dafür, dass Kinder erst mit 16 selsbt entscheiden sollen ob sie einer Religion beitreten wollen.

  14. Ich bin nicht getauft worden, obwohls alle so gemacht haben. Im Endeffekt hatte ich in der Schule frei während der Rest sich irgendwelche Bibelstories anhören durfte. Das war der einzige Unterschied in meinem Leben. Von Erstkommunion und so hab ich nichtmal was mitbekommen.

    Falls jemand das Kind anders behandelt weils nicht getauft ist, fahr mit der Person Schlitten, aber hardcore.

  15. Als Kind wirst in Wasser taucht und ~19 Jahre später trudelt ein Brief ein der auffordert ohne jeglicher Unterschrift oder Zustimmung zu zahlen, Austreten ist bürokratischer Horror.

    Mich hats dann nur angepisst getauft etc. zu sein.

  16. War bei uns ziemlich unproblematisch zum Glück. Land aufgewachsen, aber jetzt seit 15+ Jahren in Wien. Überzeugter Stadtbewohner und die Tochter ist geborene Wienerin.

    Ich bin aus der Kirche ausgetreten, als die zum ersten Mal Kohle von mir wollten, meine Frau genauso. Glauben beide überhaupt nicht an den Humbug, von daher war Kirche, taufen etc. auch nie ein ernsthaftes Thema.

    Meine Mutter war früher auch sehr unreligiös, war in meiner Familie nie ein Thema. Seit mein Vater gestorben ist, is sie ein wenig mehr in der Kirche als früher, ist aber trotzdem nicht wirklich religiös.
    Meine Frau ist zwar auch aus dem heiligen Land Tirol und meine Schwiegermutter (Mann ebenfalls schon tot) geht zwar in die Kirche, Begräbnisse, Friedhof etc. weil man das eben so macht dort, aber weiß nicht wie “aktiv” religiös sie ist.
    Wir haben unsere Tochter einfach nicht taufen lassen, Kirchenzugehörigkeit etc. war nie ein Thema, und von den Omas kam auch nie wirklich Kritik oder so dazu (überraschend, weil speziell die Tiroler Oma sonst sovieles besser weiß … /s ehrlicherweise meine auch, seltener zum Glück).

    Haben überlegt unserer Tochter später für Kommunion und Firmung eventuell Alternativ-Feiern zu bieten, müssen wir aber auch überlegen, haben auch noch bissl Zeit. Weiß auch nicht wie relevant das Thema in der Stadt ist. Am Land war es leider sehr relevant, hoffe das is besser in der Stadt.

  17. Ich werde mein Kind nicht taufen lassen da wir beide null religiös sind. Wie meine Familie dazu steht weiß ich nicht weil das Thema noch nie aufkam.

    Ein Freund von mir wurde auch von der Familie ihrer Seite sehr zur Taufe gedrängt, bis er nachgegeben hat. Er selber ist auch nicht getauft.

  18. Ich bin selbst ausm Dorf und ungetauft. Meine Eltern hatten unterschiedliche Konfessionen, und waren beide nd sonderlich gläubig, also habens gesagt, wenn ich will, kann ich ja wenn ich alt genug bin, selber beitreten, wo ich will.

    Meine Mutter hatte vorher schon wenig Kontakt mit ihrer Familie, weil sie die Todsünden begangen hat, als Frau die Matura zu machen, und dann auch noch einen evangelischen Gewerkschaftler geheiratet hat.

    Als rauskam, dass ich ungetauft bin, wurde sie aber endgültig von allen bis auf 2 ihrer Schwestern verstoßen. Sie ist inzwischen auch aus der Kirche ausgetreten, und sagt sie bereut nix.

    Das Umfeld meines Dads war sehr viel stärker gewerkschaftlich geprägt als kirchlich, da wars relativ egal.

    Zu meinen persönlichen Erfahrungen:

    Ich hatte nicht wirklich Nachteile dadurch, wenn man von dem klerikalfaschistischen Stück Dreck absieht, dass sich bei uns Volksschul-religionslehrerin geschimpft hat. Aber auch hier gilt: die “Meinung” von Faschisten zählt nicht.

    Unterm Strich bin ich der Meinung, dass meine Eltern die richtige Entscheidung getroffen haben.

    Für euch: Macht was IHR wollt. Ihr seit die, die dann damit leben müsst, für euch muss es passen.

  19. > mit Religionen sollte man es halten wie mit Genitalien. Man zeigt sie nicht in der Öffentlichkeit und man stopft sie nicht seinen Kindern in den Mund.

  20. Ich hatte genau das selbe Dilemma. Einzig der Opa der kleinen hat sehr darum gebeten, dass wir sie taufen lassen.

    Ich glaube, dass man oft übersieht, wie sich v.A religiöse Menschen dabei fühlen können, wenn das Enkelkind (das dem Opa sehr am Herzen liegt), nicht “unter den Schutz Gottes” gestellt wird:Das Kind kann nicht auf einem kirchlichen Friedhof begraben werden, sollte ihm etwas zustoßen, es kommt “nicht in den Himmel”, hat nicht den Schutz Gottes usw usw.

    Diese Menschen leben, je nachdem wie stark ihr Glauben ist, in höchster Sorge.

    Das mag für mich als Atheist komplett an den Haaren herbeigezogen sein, aber wenn man sich in deren Lage versetzt ist das nicht unrelevant. Ich beruhige mich halt damit: Sie kann jederzeit wieder austreten, wenn sie danach verlangt und werde niemals von ihr verlangen, ihr eigenes Kind mal zu taufen.

    Es ist generell schwierig, da zu sagen was richtig und Falsch ist. Meinen Eltern wärs egal, ihrer Mama vermutlich auch – aber dem Opa bricht es das Herz.

  21. Die letzte Taufe, bei der ich war, ist mittlerweile 20 Jahre her. Seitdem hab’ ich viele Verwandte schockieren müssen, weil ich mich doch glatt erdreiste, dass ich nicht zur Taufe ihres Kindes komme.

    Meine Tante und mein Onkel, die da meinen Cousin damals taufen ließen, sind beide zwar christlich erzogen, aber leben den Glauben nicht. So wie viele Leute halt.

    Aber die beiden haben sich da in der Kirchen hingestellt und dem Pfarrer vor ca. 50 Leuten ins Gesicht gelogen, dass sie meinen Cousin im Glauben erziehen werden und ihm die Lehre Jesus’ nahebringen werden, etc.

    Komplett ekelhafte Heuchelei, nur “weils halt so gehört”.

    Die Geste an sich ist natürlich schön. Alle kommen zusammen für ein Fest vom neuen Familienmitglied. Aber dazu braucht man keine christliche Taufe.

    Mittlerweile hab’ ich auch selbst einen Sohn, der nicht getauft ist.

    ​

    edit: ich hab meiner Mutter auch mal nach dem vierten Bier sehr direkt an den Kopf geworfen, dass sie sich den Scheiß damals bei mir sparen hätten können (aber alles cool, wir verstehen uns sehr gut)

  22. Meine Eltern waren auch der meinung, dass sich das so gehört. Jetzt wo meine Geschwister und ich im Kinderkriegenalter sind, ist das nicht mehr so. Der “Ohne Bekenntnis”-Anteil in den Volksschulen erhöht sich immer weiter, und ich finde das gut. Wenn das wohl nicht so wäre, würden auch weniger den Weg gehen. Für meine Frau und ich ist klar: unser Kind wird nicht getauft. Und das mit dem “nicht dabei sein” und deswegen gehänselt werden ist kein Argument. Kinder können grausam sein, Kinder hänseln für viel weniger. Kinder hänseln zum Spaß. Es ist völlig wurscht, wenn bei der Erstkommunion ein oder mehrere Kinder fehlen. Das hast einmal im Leben

  23. Das ganze Leben ist doch ohnehin ein “das tun, weil es alle machen” vs. “das tun, was ich will”. Nehmt den Rat einer 40+ geschiedenen Schnalle: Wählt #2.

  24. “Lasst’s ihr die [Name unserer jetzt 3 monatigen Tochter] eigentlich taufen?”

    – “Ha! Genau…”

    Thema erledigt. Wir sind beide vor knapp 10 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Meine Frau war Ministrantin, und ist sogar gefirmt, mich hat das nicht einmal interessiert, und meine Mutter wollt mich dazu auch nicht nötigen. Auch unsere Hochzeit fand im kleinen (7 Personen, inkl. uns) Kreis statt und jeder fand das voll okay; viele Freunde beneiden uns sogar, dass wir uns das “getraut” (pun intended!) haben.

    ​

    (Ich brauch auch ehrlich gesagt kein Willkommensfest.) Das Kind hat ja ***nichts*** davon. Ich brauche keine Geschenke, weder Geld noch Spielsachen noch Goldmünzen. Davon haben wir mehr als genug.

    Natürlich, wer ein Willkommensfest machen *möchte,* das verurteil ich natürlich überhaupt nicht. Mir geben nur so “Feste, die primär den Gästen zuliebe sind” *persönlich* nix. Wir feiern unsere Tochter bei jedem Verwandtschaftsbesuch, bei jedem Sommerfest, zu Ostern, zu Weihnachten und eigentlich eh jeden Tag 😅

  25. Ist leider so. Wir haben unseren Buam taufen lassen, weil der Aufschrei in der (Großelterlichen) Familie riesig war, wie sie mitbekommen haben, dass wir es eigentlich nicht wollen.

    ​

    “Ungetaufte Kinder landen ja sofort im Fegefeuer”.

    ​

    Ansonsten hätt’s gheißen, dass wir die Oma ins Grab bracht haben….Der Familienfrieden is ma den Aufwand wert….

  26. Wer hat dann auch schon das Totschlagargument ghört? “Aber dann darfst Weihnachten und Ostern auch net feiern mit deim Kind!”

    Oida. Als würden alle Christen in diesem Land nur deshalb Xmas feiern, weils an Taufschein im Ordner zaus haben und streng gläubig sin. Wie mir diese Heuchelei aufn Arsch geht…!

    Wenns um den Kirchenaustritt geht oder um das Nicht-Feiern von Riten der Kirche wie der Taufe oder der kirchlichen Hochzeit, dann sinds plötzlich alle erzkatholisch und bekommen Schnappatmung.

    Ich versteh den Sinn von Riten, sie geben dem Leben eine Art Stuktur. Ich versteh auch den Sinn hinter vielen Riten, sie geben dem Leben eine Art Bedeutung.

    Ich versteh nicht, wenn Leute ausgegrenzt oder schief angschaut oder was weiß ich werden, nur weil sie diese Riten für sich selbst neu definieren wollen und ihren Kindern keine Zwangsmitgliedschaft auferlegen wollen. Glaube ist nicht Kirche, und ein Gott, der Zaster fürn Himmeleintritt verlangt, is nix andres als a Gauner.

    Ich bin mittlerweile auch soweit, dass ich mein Kind wohl net im klassischen Sinn taufen lassen würd. Schon gar net als Baby. Wenn, dann so eine Willkommensfeier, weil ich den Gedanken der Taufe eigentlich schön find, aber der beschissene Rattenschwanz der da heißt Katholische Kirche is einfach nur zum Kotzen.

    Find ich schön und bestätigend und erfreulich, dass es viele gibt, die so denken! Und ermutigend, dass man den klassischen Weg mit immer weniger Hindernissen verlassen kann.

  27. Für mich ist es wenn dann eher eine Frage vom “nicht dazugehören” in dem Sinn das dann halt keine “Taufgodi” und keinen “Firmpaten” gibt, beim Erstkommunionsunterricht ned dabei, keinen Firmausflug, etc. Kommt glaub ich a bissl drauf an wie viele in der Klasse/im Freundeskreis da auch nicht dabei sind. Wenn ma in am kleinen Dorf lebt und sonst alle mitmachen is es vlt a bissl blöd. Mir als Kind waren die Gründe für die Sachen eigentlich Recht wurscht, hab mi nur gefreut des mit meinen Freunden zu machen. Und bei der Firmung war ich quasi schon innerlich mehr Atheist als katholisch. Mittlerweile will ich eigentlich mit Religion und vorallem der Kirche nix mehr zu tun haben, und find es eigentlich falsch Kinder in die Religion zu zwingen, was ja die Taufe ist. Aber aus “traditionssicht” müsst ich halt wirklich überlegen, einfach weil ich auch nicht möchte dass mein Kind ausgeschlossen wird. Weihnachten Feier ich auch nach wie vor, aber das hat für mich eben auch nix mehr mit Religion zu tun sondern nur mit der Familie und Tradition. Ist wirklich ein Dilemma.

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