Wolfram Weimer steht mit Musikerinnen und Musikern zusammen auf einer Treppe.

Stand: 18.12.2025 19:18 Uhr

Musiker verdienen im digitalen Zeitalter nicht mehr so viel wie früher. Beim Streamen erhält der Künstler nur wenig von der Gebühr. Deshalb hat Kulturstaatsminister Weimer Popstars ins Kanzleramt geladen.

Spotify, Apple Music, Amazon Music oder Deezer – Musikstreamingdienste sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. 2024 betrug der Umsatz in Deutschland 2,38 Milliarden Euro, es war das sechste Wachstumsjahr in Folge. Doch nicht alle Künstler profitieren von diesem Boom. Um zu beraten, wie Künstler besser für ihre Arbeit vergütet werden können, lud der Kulturstaatsminister zu einem “Pop-Gipfel”.

Herbert Grönemeyer formulierte es wenig vornehm. Er nennt nämlich die Vergütung von Musikerinnen und Musikern durch die Streaminganbieter das “größte Idiotensystem im Kapitalismus”. Grönemeyer ist einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands, hat Millionen Platten verkauft, als an Streamingdienste wie AppleMusic oder Spotify noch gar nicht zu denken war.

Grönemeyer: “System für Doofe”

Doch die Verdienstmöglichkeiten für Musiker haben sich mit der Entwicklung weg vom physischen Tonträger wie CD oder Schallplatten hin zum digitalen Konsum von Musik drastisch verschlechtert. Wenn jemand sein Album streamt, erklärt Grönemeyer, erhält er von der monatlichen Gebühr für einen Streaminganbieter rund zwei Cent. Der restliche Betrag geht in einen großen Topf, und den bekommt derjenige, der die meisten Klicks hat, sagt der Musiker.

Von dieser Aufteilung profitieren Superstars wie Taylor Swift oder Superhits wie “Baby Shark”. Ein System für Doofe, schiebt Grönemeyer sauer hinterher. Der Großteil der Einnahmen verbleibt bei den Streaming-Plattformen selbst und den Labels. Künstler kritisieren schon seit langem, dass es immer schwerer wird, von ihrer Musik zu leben.

Christopher Annen von der Band AnnenMayKantereit beschreibt eine Multikrise. Sie besteht in seinen Augen aus sinkenden Konzerteinnahmen, sinkenden Förderungen, wegbrechenden Streamingvergütungen und Verlusten durch KI-generierte Musik.

 

Studie: Mehr als 74 Prozent unzufrieden mit Einnahmen

Anlass des Gesprächs war eine Studie, die von der Bundesregierung gefördert wird. 3.000 Musikschaffende wurden befragt – mehr als 74 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit den Einnahmen aus Musikstreaming. Eine Datenanalyse ergab: 2023 entfielen drei Viertel der Umsätze auf eine winzig kleine Gruppe: 0,1% der Künstlerinnen und Künstler.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nennt das eine Gerechtigkeitslücke, wenn wenige viel verdienen und viele fast gar nichts. Das bedroht laut Weimer die kulturelle Vielfalt der hiesigen Musikszene. Es sei deshalb Zeit, etwas zu tun.

Bisher hat sich die Politik wenig für das Problem interessiert. Im Koalitionsvertrag war davon die Rede, im digitalen Musikmarkt Streamingplattformen verpflichten zu wollen, Kreative angemessen an den Einnahmen zu beteiligen und für mehr Transparenz zu sorgen. Das Treffen im Kanzleramt mit den Musikschaffenden soll erst der Anfang gewesen sein. Eine Fortsetzung ist in Arbeit, dann sollen auch die Streaming-Plattformen und Musiklabel mit am Tisch sitzen.