Publiziert23. Dezember 2025, 08:00
Großregion: Warum immer mehr Luxemburger ins Ausland ziehen
Die steigende Zahl der Grenzgänger zeigt, dass viele Luxemburger nach besseren Lebensbedingungen suchen.

Unter den Arbeitnehmern, die täglich die Grenze überqueren, sind sechs Prozent Luxemburger.
Editpress / Alain Rischard (Symbolbild)
Im Jahr 2024 haben rund sechs Prozent der Grenzgänger aus Frankreich, Deutschland und Belgien, die im Großherzogtum arbeiten, über die luxemburgische Staatsbürgerschaft verfügt. Konkret handelt es sich um 14.690 sogenannte atypische Grenzgänger, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt oder ihre luxemburgische Staatsangehörigkeit wiedererlangt haben und dennoch weiterhin in Luxemburg beschäftigt sind. Die wissenschaftliche Abteilung der Abgeordnetenkammer hat hierzu mehrere Studien ausgewertet, die sich mit dieser Bevölkerungsgruppe befassen, die in der Großregion lebt, aber im Großherzogtum arbeitet.
Aktuellen Daten zufolge wohnen 10.796 Luxemburger in Rheinland-Pfalz, 4455 in Lothringen und 8761 in Wallonien. In Wallonien besitzen 3344 von ihnen ausschließlich die luxemburgische Staatsangehörigkeit, während die übrigen zusätzlich die belgische Staatsbürgerschaft haben. Für das Saarland liegen derzeit keine entsprechenden Zahlen vor.
Jung, ledig und schlecht bezahlt
Seit 2003 haben insgesamt 26.380 Erwerbstätige ihren Wohnsitz von Luxemburg in die Großregion verlegt. Von ihnen waren im Jahr 2023 noch 23.036 weiterhin im Großherzogtum beschäftigt. Seit 2012 hat sich die Zahl der ins Ausland abwandernden luxemburgischen Erwerbstätigen mehr als verdoppelt und ist um 127 Prozent gestiegen – der zweithöchste Zuwachs nach den portugiesischen Staatsangehörigen.
Im Jahr 2022 zog es rund zwei Drittel der Luxemburger, die das Land verließen, nach Deutschland, während sich portugiesische Staatsangehörige überwiegend in Frankreich niederließen. Belgische, deutsche und französische Erwerbstätige kehrten nach ihrem Wegzug aus Luxemburg hingegen meist in ihre jeweiligen Herkunftsländer zurück.
Die wissenschaftliche Abteilung beschreibt die ins Ausland ziehenden Luxemburger überwiegend als junge Erwachsene unter 35 Jahren, häufig Angestellte und alleinlebend. Niedrigere Einkommen sind in dieser Gruppe überdurchschnittlich vertreten. Die Wohnorte verteilen sich relativ gleichmäßig auf die drei Nachbarländer: 34,8 Prozent leben in Frankreich, 32,7 Prozent in Belgien und 32,5 Prozent in Deutschland. Insgesamt stammt jedoch mehr als die Hälfte aller Grenzgänger aus Frankreich.
Die Zahl der sogenannten atypischen Grenzgänger ist seit 2012 um 75 Prozent gestiegen und nimmt weiter zu. Dazu beigetragen hat unter anderem der ausgeweitete Einsatz von Homeoffice, der die Bindung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz gelockert hat. Zudem verweist die Studie auf die Wiedererlangung der luxemburgischen Staatsbürgerschaft, die es Personen in der Großregion ermöglicht hat, Luxemburger zu werden, ohne ihren Wohnsitz im Großherzogtum zu haben.
Immobilienpreise
Für viele Luxemburger, die ins Ausland gezogen sind und häufig weniger als 30 Kilometer von der Grenze entfernt wohnen, zählen die hohen Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten im Großherzogtum zu den ausschlaggebenden Gründen. Der Erwerb von Wohneigentum jenseits der Grenze bietet oft mehr Wohnraum zu geringeren Kosten. Insgesamt kommt die Abgeordnetenkammer in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass die eingeschränkte Möglichkeit, in Luxemburg zufriedenstellende Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten, zahlreiche Menschen dazu veranlasst, ihren Wohnsitz ins Ausland zu verlegen.
Trotz längerer Pendelzeiten berichten viele der Betroffenen von einer höheren allgemeinen Lebenszufriedenheit nach dem Umzug. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung Fragen im Bereich der Schulbildung auf. So wurden Kinder im Alter zwischen vier und 15 Jahren, die nicht in Luxemburg wohnen, in 2428 Fällen im Großherzogtum eingeschult. Umgekehrt besuchten 2795 in Luxemburg lebende Kinder eine Schule im Ausland.
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(jw)