Trotz anhaltenden Starkregens versammelten sich zahlreiche Menschen auf dem Petersplatz und verfolgten die Christmette über Großbildschirme. In der voll besetzten Petersbasilika begannen die Gebete.

Dort stand Papst Leo XIV. kurz darauf seiner ersten Christmette vor. In seiner Ansprache an die Gläubigen auf dem Platz sagte der Papst: „Wir wollen gemeinsam das Weihnachtsfest feiern. Jesus Christus, der für uns geboren wurde, bringt Frieden und die Liebe Gottes. Frohe Weihnachten euch allen! Gott schütze und segne eure Familien.“.

Menschen „keine Ware“

Papst Leo zog in feierlicher Prozession in den Petersdom ein, um seiner ersten Christmette vorzustehen. An der Messe am zentralen Altar konzelebrierten nahezu 250 Kardinäle, Bischöfe und Priester. Der Chor der Sixtinischen Kapelle begleitete den Einzug mit Weihnachtsgesängen.

Papst Leo XIV.

Reuters/Guglielmo Mangiapane

Feier im Petersdom

Während eine „verzerrte Wirtschaft“ Menschen zu Ware mache, werde Gott selbst Mensch und offenbare so die unendliche Würde jeder einzelnen Person, sagte der Papst in seiner Predigt. „Während der Mensch Gott werden will, um über andere zu herrschen, will Gott Mensch werden, um uns von jeder Form der Knechtschaft zu befreien“, sagte Leo XIV.

Weihnachten als „Fest der Hoffnung“

Weihnachten sei nach den Worten von Papst Leo XIV. „das Fest der Hoffnung“, weil das Jesuskind diese Hoffnung im Herzen der Menschen entzünde und sie zu Boten des Friedens mache. Mit diesen Tugenden im Herzen könne man, ohne die Nacht zu fürchten, dem Anbruch eines neuen Tages entgegengehen, sagte Leo XIV.

Die Christmette begann in diesem Jahr um 22.00 Uhr, später als bei Leos Vorgänger Franziskus. Dieser hatte, gesundheitlich bereits angeschlagen, zu Weihnachten 2024 das Heilige Jahr eröffnet. Im Rollstuhl sitzend hatte er mit der Öffnung der Heiligen Pforte des Petersdoms das Heilige Jahr eingeläutet, das nun am 6. Jänner 2026 zu Ende geht.

Bitte um Waffenstillstand in aller Welt

Schon untertags hatte der Papst für alle Kriege in der Welt zu einem 24-stündigen Waffenstillstand aufgerufen. Nicht zuletzt angesichts der jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine sagte der Papst, zu den Dingen, die ihn traurig stimmten, gehöre, dass Russland einen Weihnachtswaffenstillstand abgelehnt habe.

Der Papst ging zuvor auch auf die Lage im Nahen Osten ein. Er habe mit dem Pfarrer von Gaza gesprochen. Dort versuchten die Menschen, trotz ihrer weiter sehr prekären Lage das Weihnachtsfest zu feiern. Es sei zu hoffen, dass das Friedensabkommen Fortschritte mache.

Vorsichtige Zeichen der Hoffnung in Bethlehem

Rund um die Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem nach dem Waffenstillstand in Gaza gibt es unterdessen vorsichtige Zeichen der Hoffnung. Die ersten Feiern in Bethlehem nach zwei Jahren Pause waren Mittwochabend vom Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, mit der traditionellen Prozession von Jerusalem nach Bethlehem eröffnet worden.

Patriarch Pierbattista Pizzaballa bei der Prozession in Bethlehem

AP/Nasser Nasser

Patriarch Pierbattista Pizzaballa in Bethlehem

Auf dem Krippenplatz brachte er Grüße aus Gaza mit und sprach von Hoffnung und dem Wunsch nach Wiederaufbau. Die Feiern gelten auch als wirtschaftliches Signal: Ein Großteil der Familien in Bethlehem lebt direkt oder indirekt vom Tourismus, der während des Krieges nahezu zum Erliegen gekommen war.

Aufruf zur Hoffnung

Bei der Mitternachtsmesse rief Pizzaballa zu Hoffnung und Wiederaufbau auf: „Offenkundig ist das Leid in Gaza trotz des Endes des Krieges weiterhin allgegenwärtig“, sagte Kardinal Pizzaballa in der Katharinenkirche. „Familien leben in den Trümmern, und die Zukunft wirkt fragil und ungewiss.“ Nach mehr als zwei Jahren Krieg seien die Wunden tief. „Und doch hallt auch hier die Weihnachtsbotschaft wider“, sagte der Kardinal.

Bürgermeister Maher Nicola Canawati sprach von einem bewussten Zeichen der Hoffnung nach „zwei Jahren der Stille“. Die Botschaft aus Bethlehem richte sich an die ganze Welt: Die Bevölkerung sei bereit für Frieden und wolle wieder Gäste empfangen. Die Feiern würden von Christinnen und Christen ebenso wie von Muslimen mitgetragen und als gemeinsames Fest verstanden.

Spannungen auch am Weihnachtsabend

Doch die politischen Spannungen sind weiter spürbar: Nach palästinensischen Angaben wurde der Vizepräsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Hussein al-Scheich, an der Teilnahme an der Christmette in Bethlehem gehindert. Dieser sollte Präsident Mahmud Abbas bei der Mitternachtsmesse in der Katharinenkirche vertreten. Sein Konvoi habe die Stadt nicht erreichen können, berichtete die Agentur WAFA laut Kathpress.

Menschenmenge feiert Weihnachtsabend in Bethlehem

Reuters/Mussa Qawasma

Menschenmenge feiert Weihnachtsabend in Bethlehem

Gleichzeitig betonte Israels Präsident Jizchak Herzog das Bekenntnis seines Landes zur Religionsfreiheit. In Weihnachtsgrüßen hob er hervor, christliche Gemeinschaften seien ein fester Bestandteil der israelischen Gesellschaft. Bei einem Besuch bei Franziskanerinnen in Jerusalem habe man gemeinsam für Frieden und Brüderlichkeit gebetet und sich gegen Hass und Extremismus ausgesprochen.

„Weihnachten als Akt des Widerstands“

Deutlich kritischer äußerte sich der palästinensische lutherische Pfarrer Munther Isaac. In einem Meinungsbeitrag für den Sender al-Jazeera warnte der frühere Pfarrer der Christuskirche in Bethlehem davor, die Stadt zu romantisieren. Die Vergangenheit Bethlehems werde verehrt, während die Gegenwart oft ignoriert werde.

„Jesus wurde nicht in Ruhe geboren“, schrieb Isaac und verwies auf Besatzung, Ungerechtigkeit und die Verletzlichkeit der Menschen damals wie heute. Die Rückkehr zu den traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten nach zwei Jahren Krieg bezeichnete Isaac als „Akt der Widerstandsfähigkeit“.