Am Sonntag (21 Uhr Schweizer Zeit) triff der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in Florida den US-Präsidenten Donald Trump.Im Gepäck hat er einen überarbeiteten 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Kriegs in seinem Land.Dieser war zuvor an Heiligabend veröffentlicht worden.

Die diplomatischen Bemühungen für Frieden in der Ukraine haben wieder Fahrt aufgenommen. An Heiligabend veröffentlichte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski einen zuvor lang geheim gehaltenen Friedensplan. Die vollen 20 Punkte kannst du hier nachlesen. Am Sonntag trifft er den US-Präsidenten Donald Trump in Florida, um ihm den Plan schmackhaft zu machen. Was Frieden noch im Weg steht – und was Hoffnung macht.

Was für baldigen Frieden spricht

Annäherung USA und Ukraine

Laut Selenski konnten die Ukraine und die USA sich bei zentralen Punkten einigen. Trump hatte zuvor angekündigt, sich nur mit Selenski zu treffen, wenn ein Deal in Reichweite sei. Das Nachrichtenportal «Axios» wertet das Treffen der Staatschefs deshalb als Annäherung.

Aus dem Archiv: US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sprechen am Rande der UNO-Generalversammlung in New York. Beide wollen sich am 28. Dezember 2025 in Florida treffen, um über Bemühungen zur Beendigung der russischen Invasion in der Ukraine zu beraten.

Aus dem Archiv: US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sprechen am Rande der UNO-Generalversammlung in New York. Beide wollen sich am 28. Dezember 2025 in Florida treffen, um über Bemühungen zur Beendigung der russischen Invasion in der Ukraine zu beraten.AFP

Waffenstillstands-Mechanik

Der Plan enthält eine klare Mechanik für einen Waffenstillstand, der sofort in Kraft träte, wenn alle Parteien zustimmten und den Plan unterzeichneten.

USA-Handschrift erkennbar

Die Abstimmung zwischen der Ukraine und den USA ist in vielen Punkten des Plans sichtbar, etwa, was Handelsabkommen und ein Wiederaufbaupaket angeht. Das erhöht die Chancen, dass Trump der Plan gefällt.

Was gegen baldigen Frieden spricht

Russland will den Donbas

Im Zentrum der Verhandlungen über ein Kriegsende steht nach wie vor der Streit um den Donbas, also die ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk. Selenski hat hier erstmals weitreichende Zugeständnisse für einen Kompromiss gemacht: Er ist bereit, eine entmilitarisierte Zone zu etablieren. Dafür fordert er, dass Russland seine Truppen aus einem gleich grossen Gebiet abzieht.

Schwere Kämpfe rund um Pokrowsk im ostukrainischen Donbas. Die Stadt gilt als wichtiger Versorgungsstützpunkt für die ukrainischen Streitkräfte.

Schwere Kämpfe rund um Pokrowsk im ostukrainischen Donbas. Die Stadt gilt als wichtiger Versorgungsstützpunkt für die ukrainischen Streitkräfte.Ukrainische 59

Für Putin kam bisher nichts infrage, was nicht die volle russische Kontrolle über den Donbas beinhaltet. Hier liegt also nach wie vor die Gefahr, dass der Plan an Russlands Zustimmung scheitert.

Sicherheitsgarantien als rote Linie für Moskau?

Der baldige Nato-Beitritt der Ukraine ist im neuen Plan zwar vom Tisch, ein grosses Zugeständnis seitens Selenskis. Nach wie vor ist aber von «Artikel 5 ähnlichen» Sicherheitsgarantien die Rede. Für Kiew sind belastbare Sicherheitsgarantien absolut zentral, während sie für Moskau bisher eine rote Linie waren. An diesem Punkt droht der Plan weiterhin zu scheitern.

Stimmt Trump überhaupt zu?

Trump sagte, es gebe weiterhin Unstimmigkeiten, ohne genauer darauf einzugehen. Und er machte klar, dass nichts beschlossen sei, solange er kein grünes Licht gebe: Selenski habe «nichts, solange ich nicht meine Zustimmung gebe».

US-Präsident Donald Trump empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski vor dem Weissen Haus zu einem Treffen (17. Oktober 2025).

US-Präsident Donald Trump empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski vor dem Weissen Haus zu einem Treffen (17. Oktober 2025).Tom Brenner / AFP

Ein konkreter Knackpunkt, der zeigt, wie fragil die Einigkeit ist, ist die Atomanlage Saporischschja, eine der grössten Europas, die sich derzeit unter russischer Kontrolle befindet. Die USA hatten vorgeschlagen, dass die Anlage künftig gemeinsam von den USA, der Ukraine und Russland betrieben werde. Selenski hingegen will Russland da heraushalten, ein Joint Venture der USA und der Ukraine soll die Anlage betreiben.

Was denkst du, wie realistisch ist ein baldiger Frieden in der Ukraine angesichts der aktuellen Entwicklungen?

Moskau sieht «Fortschritte» – aber lenkt Putin ein?

Das russische Aussenministerium sprach am 25. Dezember von Fortschritten in den Gesprächen mit den USA über den Ukraine-Krieg. «Im Verhandlungsprozess zur Beilegung des Ukraine-Konflikts, ich meine damit den Verhandlungsprozess mit den Vereinigten Staaten von Amerika, sind langsame, aber sichere Fortschritte zu beobachten», sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa nach Angaben der Staatsagentur Tass bei einer Pressekonferenz. Die von Russland angegriffene Ukraine erwähnte sie kaum.

Wladimir Putin ist bisher nicht von seinen Maximalforderungen abgewichen. Experten sehen wenig Anlass zur Hoffnung, dass er es dieses Mal tun wird.

Wladimir Putin ist bisher nicht von seinen Maximalforderungen abgewichen. Experten sehen wenig Anlass zur Hoffnung, dass er es dieses Mal tun wird.Sergei Bobylev/TASS via ZUMA Press/dpa

Kurz zuvor hatte der Kreml verlauten lassen, dass Russland nicht öffentlich über seine Haltung zum Friedensplan sprechen werde. Bisher ist Russland noch nie von seinen Maximalforderungen abgewichen. Beobachter haben Zweifel, dass sich das ändern wird – und fürchten, dass der Friedensplan erneut an Putin scheitern könnte.

Russland überzieht Ukraine kurz vor Treffen mit Angriffen

Was ebenfalls nicht für baldigen Frieden spricht: In der Nacht auf Samstag überzog Russland die Ukraine erneut mit heftigen Raketenangriffen, auch die Hauptstadt Kiew war betroffen.

Russland diskreditiert Ukraine schon vor Treffen mit Trump

Schon vor dem Treffen zwischen Trump und Selenski hat Moskau Kiew am Samstag vorgeworfen, die Friedensgespräche zu «torpedieren». Der neue Entwurf sei «radikal anders» als der Text, über den Moskau mit Washington verhandelt habe. Die Ukraine und ihre Unterstützer aus der EU hätten «ihre Bemühungen verstärkt, die Bemühungen für eine Einigung in diesem Konflikt zu torpedieren».

Archivbild: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sprechen am 15. Dezember 2025 bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt in Berlin. Thema waren Beratungen über einen möglichen Frieden in der Ukraine.

Archivbild: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sprechen am 15. Dezember 2025 bei einer Pressekonferenz im Kanzleramt in Berlin. Thema waren Beratungen über einen möglichen Frieden in der Ukraine.Michael Kappeler/dpa

Daniel Graf

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.