In der Dunkelheit pirschen sie sich an SUVs oder Pick-ups heran und lassen dann bei Autoreifen die Luft ab. Das Ziel des «Lüftelns»: die grossen Geländewagen und Benzinschleudern «entwaffnen», indem sie das Fahren der Autos «unmöglich machen». Nachdem die Aktivisten der Organisation «Tyre Extinguishers» (Reifenlöscher) in Zürich ihr Unwesen trieben, expandierten sie nach Lausanne und Luzern.
Im Dezember 2024 unterlief ihnen dort nach dem Lüfteln von über 20 Fahrzeugen allerdings ein Fehler: Sie wurden bei ihrem Treiben beobachtet. Ausgerückte Einsatzkräfte der Luzerner Polizei konnten zwei Männer anhalten und festnehmen. Der heute 27-jährige Schweizer und der 22-jährige Deutsche erhielten nun Strafbefehle, wie die Gruppe selbst mitteilt.

Der Schweizer und der Deutsche liessen bei Luzerner SUVs Luft aus den Reifen.20min/ayo
«Unverhältnismässige Strafe»
Der Schweizer, ein Monteur, wurde per Strafbefehl zu 80 Tagessätzen à 100 Franken sowie zu einer Busse von 1600 Franken verurteilt. Der Deutsche, ein Student, zu 80 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 500 Franken. Hinzu kommen Gebühren von je 3200 Franken pro Person, wie die «Republik» berichtet. Die Strafbefehle sind noch nicht rechtskräftig: Die Männer haben Einsprache erhoben.
Gegenüber dem Onlinemagazin sagt der Student, der Aufwand, sie beide zu bestrafen, sei «unverhältnismässig»: «Solche Pneus lassen sich mit einer Velopumpe wieder mit Luft füllen», sagt er. «Velofahrerinnen werden jeden Tag durch SUVs am Leben bedroht. Da gibt es keine strafrechtliche Verfolgung», fügt er hinzu.
Mit Belugalinsen SUVs gelüftelt
Die beiden nicht vorbestraften Männer weisen darauf hin, dass beim Lüfteln der «Tyre Extinguishers» die Autos nicht beschädigt werden. Zum Einsatz kämen bloss Belugalinsen, die ins Ventil gesteckt werden. Die Pneus mit einem Messer zu zerstechen, wäre einfacher und schneller gewesen, sagen sie. Trotzdem bereuten sie ihre Taten nicht.
Der Monteur betont, dass nicht sie die Schuldigen seien, sondern der Staat. «Er unternimmt zu wenig gegen die Klimakrise, was einen enormen Schaden verursacht. Das gehört auf die Anklagebank, nicht das Lüfteln.»
Die Gruppe «Tyre Extinguishers» hat online einen Spendenaufruf lanciert. Vom Spendenziel von 1800 Franken sind bisher bereits über 1500 Franken zusammengekommen.
