Trump spricht hinter einem Rednerpult. Hinter ihm stehen Mitglieder der US-Regierung.

US-Präsident Trump bei der Pressekonferenz nach der Gefangennahme Maduros (AFP / JIM WATSON)

Über die aktuelle Lage in Venezuela halten wir Sie auch mit einem Newsblog auf dem Laufenden.

aktualisiert um 22:49 Uhr

Die USA haben bei einem Militäreinsatz in Venezuela Präsident Maduro gefangen genommen. Er traf inzwischen gemeinsam mit seiner Frau Cilia Flores, in New York ein. Dort soll er vor Gericht gestellt werden. Präsident Trump kündigte an, die USA würden bis zu einem Übergang selbst die Kontrolle in Venezuela übernehmen. Bundeskanzler Merz hofft auf eine Wahl und eine neue Regierung in dem Land.

Merz äußerte sicham Samstagabend. Er sagte, Maduro habe sein Land – so wörtlich – ins Verderben geführt. Die Einordnung der rechtlichen Umstände des US-Einsatzes in Venezuela benötige Zeit. Maßstab bleibe das Völkerrecht, betonte der CDU-Vorsitzende. Ziel für Venezuela sollte nach den Worten des Kanzlers ein geordneter Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung sein.

Trump sagte zuvor in einer Pressekonferenz in Florida, es gebe große US-Ölunternehmen, die in das Land wechseln könnten. Zugleich bleibe das Embargo gegen die Ausfuhr venezolanischen Öls in Kraft.

Nach Ansicht Trumps ist die venezolanische Oppositionspolitikerin Machado kein geeignetes Staatsoberhaupt für Venezuela. Sie habe nicht die notwendige Unterstützung und den Respekt im eigenen Land.

US-Justizministerin Bondi kündigte an, dass Maduro unter anderem wegen Drogenhandels und Terrorismus der Prozess gemacht werde. Dies betreffe auch dessen Ehefrau. Gegen Maduro liegt seit 2020 eine Anklage vor, unter anderem wegen “Verschwörung zum Drogenterrorismus”.

Venezuelas Ölexporte blockiert

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird das Auslaufen beladener Schiffe in venezolanischen Häfen nicht mehr genehmigt. Mehrere für die USA und Asien bestimmte Tanker seien nicht ausgelaufen, während andere, die auf eine Beladung warteten, die Häfen leer verlassen hätten. Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA und ihr Partner Chevron äußerten sich bislang nicht.

Trump unterstreicht US-Anspruch auf Vorherrschaft

“Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt”, sagte Trump. Washington habe die im 19. Jahrhundert geprägte Monroe-Doktrin vernachlässigt, so Trump. Die Monroe-Doktrin geht auf Präsident James Monroe zurück, der von 1817 bis 1825 regierte. Darin steht, die USA duldeten in der Neuen Welt keinen Einfluss europäischer Mächte mehr und würden den gesamten amerikanischen Doppelkontinent geopolitisch dominieren.

US-Demokraten sehen sich von Trump belogen

Führende US-Demokraten werfen Trumps Regierung vor, sie über die Pläne für den Militäreinsatz in Venezuela belogen zu haben. In Gesprächen mit Kongressabgeordneten habe Trumps Regierung wiederholt bestritten, einen Regimewechsel in Venezuela anzustreben, sagte Senatorin Shaheen. “Die Regierung hat den Kongress belogen und einen illegalen Krieg für einen Regimewechsel und Öl vom Zaun gebrochen”, erklärte der Abgeordnete Beyer aus Virginia. Der Parlametarier Moulton aus Massachusetts sagt dem Sender CNN: “Als wir über Venezuela unterrichtet wurden, fragten wir: ‘Werden Sie in das Land einmarschieren?’ Uns wurde Nein gesagt. ‘Planen Sie, Bodentruppen zu entsenden?’ Uns wurde Nein gesagt. ‘Beabsichtigen Sie einen Regimewechsel in Venezuela?’ Uns wurde Nein gesagt.

Internationale Reaktionen

Der UNO-Sicherheitsrat in New York kündigte für Montag eine Sondersitzung an. Sie sei von Kolumbien beantragt worden.

Die EU-Außenbeauftragte Kallas rief zur Zurückhaltung und Achtung des Völkerrechts auf. Nach eigenen Angaben hatte sie zuvor mit US-Außenminister Rubio über die Lage gesprochen. Kommissionspräsidentin von der Leyen teilte mit, die EU stehe an der Seite der Menschen in Venezuela und unterstütze einen friedlichen, demokratischen Übergang. Das Auswärtige Amt gab eine Reisewarnung für Venezuela heraus.

Frankreichs Regierung kritisiert den US-Militäreinsatz in Venezuela als völkerrechtswidrig. Die Aktion, die zur Gefangennahme von Präsident Nicolas Maduro geführt habe, verstoße gegen die Grundsätze des internationalen Rechts, teilte das Außenministerium in Paris mit. Spaniens Regierungschef Sanchez erklärte in Madrid, sein Land habe Maduro zwar nicht als Staatsoberhaupt anerkannt, dennoch verurteile Spanien, dass die USA internationales Recht mit ihrem Militäreinsatz verletzt hätten.

Großbritanniens Premierminister Starmer sagte in London, er weine Maduro keine Träne nach. Es gelte nun, einen sicheren und friedlichen Übergang zu einer legitimierten Regierung zu finden, die dem Willen der Bevölkerung Venezuelas entspreche.

Israels Regierungschef Netanjahu lobte Trump für den Angriff in Venezuela und die Gefangennahme von Präsident Maduro. “Herzlichen Glückwunsch, Präsident Donald Trump, für Ihre mutige und historische Führungsrolle im Namen von Freiheit und Gerechtigkeit”, schrieb Netanjahu auf der Plattform X. Er sei voller Hochachtung für das entschlossene Handeln der USA und den brillanten Einsatz der mutigen Soldaten, fügte er hinzu.

Der ukrainische Präsident Selenskyj lobte den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme Maduros als wegweisend, wie mit Diktatoren umzugehen sei. “Wenn man mit Diktatoren so umgehen kann, dann wissen die Vereinigten Staaten von Amerika, was sie als Nächstes tun müssen”, sagte Selenskyj ukrainischen Medien zufolge in Kiew, ohne den russischen Präsidenten Putin namentlich zu erwähnen.

Kolumbien, Kuba, der Iran, Russland und China zeigten sich empört über das Vorgehen der USA. Der kubanische Präsident Díaz-Canel sprach mit Blick auf die Ereignisse von einem “kriminellen US-Angriff” und forderte die internationale Gemeinschaft auf, dringend darauf zu reagieren. Der kolumbianische Präsident Petro erklärte, er alarmiere die ganze Welt, dass Venezuela angegriffen wurde.

Russland und der Iran verurteilten das Vorgehen der USA als “bewaffnete Aggression”. Das chinesische Außenministerium in Peking erklärte, man sei „zutiefst erschüttert und lehnt ein solches hegemoniales Verhalten der USA entschieden ab, das in schwerwiegender Weise gegen das Völkerrecht verstößt, die Souveränität Venezuelas verletzt und den Frieden und die Sicherheit in Lateinamerika und der Karibik bedroht.“

Venezuelas Vizepräsidentin spricht live im Fernsehen

Venezuelas Vizepräsidentin Rodríguez forderte die sofortige Freilassung von Staatschef Maduro und seiner Ehefrau. Rodríguez sprach auf einer Sitzung des Verteidigungsrates, die live im Fernsehen übertragen wurde. Sie hob hervor, es gebe nur einen Präsidenten Venezuelas – und der heiße Maduro.

Die venezolanische Oppositionsführerin Maria Corina Machado schlug Edmundo Gonzalez als neuen Präsidenten des Landes vor. Maduro sei abgesetzt worden, weil er sich Verhandlungen verweigert habe, erklärte die jüngst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Machado. Sie beansprucht mit ihrer Opposition den Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2024. Der Diplomat Gonzalez war dabei Spitzenkandidat des Oppositionsbündnisses, nachdem Machado das passive Wahlrecht entzogen worden war.

Angriff der USA in der Nacht

Dem Einsatz gingen US-Angaben zufolge Monate an Planung und wiederholte Proben voraus. Geheimdienste hätten Maduro und seine Gewohnheiten genau beobachtet. Demnach wusste man über Maduros Essen, seine Kleider und auch Haustiere Bescheid. Laut Generalstabschef Caine waren insgesamt mehr als 150 Bomber, Kampfjets, Aufklärer, Hubschrauber und Drohnen im Einsatz. Caine zufolge gaben Maduro und seine Ehefrau in ihrem Anwesen auf. US-Medien berichteten, dass beide sich zum Zeitpunkt der Festnahme im Schlafzimmer befunden hätten. In der Pressekonferenz von Trump hieß es, Maduro habe versucht, in einen mit Stahl gesicherten Safe Room zu gelangen. Er sei aber so schnell überwältigt worden, dass ihm das nicht mehr gelang, erzählte Trump.

Trump zielte seit Langem auf Maduros Entmachtung

Trump hatte zuletzt wiederholt von der Möglichkeit eines US-Angriffs auf das venezolanische Festland gesprochen. Er drängte auch seit längerem ausdrücklich auf eine Entmachtung von Präsident Maduro.

Das US-Militär griff in der Region bereits seit September immer wieder Boote an, die angeblich am Drogenhandel beteiligt sind. Dabei wurden mehr als 100 Menschen getötet. Kritiker sprechen von außergerichtlichen Tötungen und einem Verstoß gegen das Völkerrecht.

Die US-Streitkräfte bauten zudem ihre Präsenz in der Karibik massiv aus. Unter anderem wurden zusätzliche Kampfflugzeuge und der Flugzeugträger “USS Gerald R. Ford” – begleitet von weiteren Kriegsschiffen und einem Langstreckenbomber – in die Region verlegt.

Offiziell richtet sich der gesamte Einsatz ‘Südlicher Speer’ (“Southern Spear”) gegen den Drogenschmuggel. Allerdings gilt Venezuela nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland – und zwar vor allem für den europäischen Markt. Nach Einschätzung von Experten ist die Streitmacht für einen Einsatz gegen Drogenschmuggler überdimensioniert. 

Diese Nachricht wurde am 03.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.