Publiziert4. Januar 2026, 20:34
Nach US-Intervention: Was Venezolaner in Luxemburg jetzt erwarten
Die Festnahme von Nicolás Maduro und die US-Militäroperation spalten die venezolanische Gemeinschaft im Großherzogtum.


Jean-François Colin
Séverine Goffin

Zwischen Angst vor Instabilität und Hoffnung auf einen Neuanfang eint die Exil-Venezolaner vor allem eines: die Sehnsucht nach einem demokratischen, sicheren und lebenswerten Venezuela.
AFP (Symbolbild)
Nach der umstrittenen US-Militäroperation und der Festnahme von Nicolás Maduro gehen die Meinungen innerhalb der venezolanischen Gemeinschaft in Luxemburg auseinander. Vier Exil-Venezolaner schildern, wie sie die Ereignisse erleben und welche Erwartungen sie an die Zukunft ihres Heimatlandes knüpfen.
Fabian: «Noch zu früh für Optimismus»

Fabian (54) lebt in Fentingen und stammt aus Caracas.
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Fabian, Journalist aus Fentingen, stammt aus Caracas und lebt seit fünf Jahren in Luxemburg. Seine Familie in Venezuela sei körperlich unversehrt, leide aber unter großer Angst vor den kommenden Tagen. Er habe die US-Intervention zwar erwartet, warnt jedoch davor, sie vorschnell als Wendepunkt zu sehen. «Es ist noch zu früh, um zu wissen, ob daraus eine positive Lösung für mein Land entsteht.»
Für den 54-Jährigen sei der Einsatz vor allem geopolitisch motiviert gewesen. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass es «keine andere Möglichkeit mehr gab», ein Regime zu beenden, das zivile Proteste und demokratische Prozesse systematisch unterdrückt habe. Die tiefe Krise Venezuelas sei das Ergebnis massiver Misswirtschaft, fallender Ölpreise und einer Korruption «ohne historisches Beispiel».
Ernesto: «Hoffnung nach Jahren des Wartens»
Ernesto spricht von einem Moment der Überraschung und zugleich der Hoffnung. Seine Familie habe die Nachricht mit Freude aufgenommen. «Das Land war vor Maduro ein Staat im Aufschwung», sagt er und verweist auf funktionierende Strukturen in Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Er sieht die US-Intervention als gerechtfertigt an und verweist auf wiederholte Drogenfunde aus Venezuela, die für ihn die Verstrickung des Regimes in den internationalen Drogenhandel belegen.
Carolina: «Schock, Angst und Hoffnung»
Für Carolina kam die Eskalation völlig unerwartet. Angehörige hätten sie mitten in der Nacht angerufen, die Gespräche seien hoch emotional gewesen. Neben der Angst vor Chaos habe es aber auch Hoffnung gegeben. Entscheidend sei nun, dass die Übergangsphase mit tiefgreifenden Reformen einhergehe. Sie beschreibt ein Land, das unter Maduro in Armut, Repression und Abwanderung versunken sei. Die Meinungsfreiheit sei faktisch abgeschafft worden, Familien seien durch Flucht oder politische Verfolgung auseinandergerissen worden. Auch sie verweist auf Vorwürfe gegen das Umfeld Maduros wegen Drogen- und Goldschmuggels.
Carlos: «Eine Geisel eines kriminellen Systems»
Carlos zeigt sich dankbar gegenüber Ländern wie Luxemburg, die ihm eine Zukunft ermöglicht hätten. Gleichzeitig fürchtet er innere Spaltungen und Gewalt in Venezuela. Dennoch überwiegt bei ihm die Hoffnung auf einen friedlichen Übergang. Er räumt zwar Bedenken mit Blick auf das Völkerrecht ein, betont aber: «Das Land war bereits in Geiselhaft.» Für ihn sei Venezuela von kriminellen Netzwerken kontrolliert worden, die den Volkswillen missachtet, die Wirtschaft zerstört und Millionen Menschen zur Flucht gezwungen hätten. Sollte es die Lage erlauben, möchte er eines Tages zurückkehren und beim Wiederaufbau helfen.
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