Neue Virus­variante treibt Grippe­zahlen in die Höhe – das müssen Sie jetzt wissen

Die Grippewelle hat diesen Winter früh und heftig begonnen. Verantwortlich ist eine neue Variante. Was weiss man über sie? Wie wirkt die Impfung? Und wie ist die Situation in den Spitälern?

Junge Frau mit Schal liegt krank im Bett, misst Fieber mit Thermometer. Illustrative Darstellung von Erkältung und Grippe im Winter.

Eine Grippe beginnt im Gegensatz zu einer Erkältung oftmals heftig und mit schnell steigendem Fieber.

Foto: Getty Images

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In Kürze: Eine neue Grippevariante zirkuliert auch in der Schweiz und verursacht steigende Fallzahlen.Einzelne Schweizer Spitäler verzeichnen schwere Krankheitsverläufe wie Lungenversagen oder bakterielle Superinfektionen.Der aktuelle Grippeimpfstoff schützt gegen eine Vorgängervariante, zeigt jedoch laut britischen Daten trotzdem Wirkung.

Schon Mitte Dezember meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass eine neue Variante des Grippevirus die Fallzahlen in vielen Ländern ungewöhnlich früh in die Höhe treibe. Auch in der Schweiz hat die Grippesaison früher als sonst begonnen, die Fallzahlen sind schnell gestiegen und tun es immer noch.

Warum hat die Grippesaison dieses Jahr aussergewöhnlich früh begonnen?

Wie heftig und früh eine Grippesaison ausfällt, hängt von Verschiedenem ab. Ein wichtiger Faktor ist die bestehende Immunität in der Bevölkerung und ob neue Varianten diese unterlaufen. «Bei wenig Immunität gegen zirkulierende Stämme können Grippewellen früher entstehen und/oder stärker ausfallen», sagt BAG-Sprecher Simon Ming.

Was weiss man über die neue Variante – und kursiert sie in der Schweiz?

Grippeviren verändern sich ständig. Die neue Variante gehört zu den Influenzaviren A und trägt den nicht besonders eingängigen Namen A (H3N2), Subklade K. Vom Influenzavirus A (H3N2) gibt es schon länger verschiedene Varianten. «Vorläufige Sequenzierungsresultate aus dem Sentinella-Meldesystem zeigen, dass die neue Variante auch in der Schweiz zirkuliert», heisst es beim BAG.

Die Subklade K wurde im Juni 2025 erstmals in New York nachgewiesen. Weil sie sich gegenüber den bisherigen Varianten leicht verändert hat, sorgt sie für mehr Ansteckungen. So verlängerte sie auch die sowieso schon heftige Grippesaison in Australien und Neuseeland.

Sorgt die neue Variante für heftigere Erkrankungen? Und wie ist die Situation in den Spitälern?

Die Viren der A-Gruppe sorgen allgemein für schwerere Verläufe als jene der B-Gruppe. Die Situation in den Schweizer Spitälern zeichnet bisher noch kein eindeutiges Bild, ob die Subklade K für schwerere Erkrankungen sorgt als frühere A (H3N2) Grippeviren. «Wir sehen aktuell tatsächlich schwere Fälle», sagt Moritz Suter, Sprecher des Universitätsspitals Zürich. Wie es sich entwickle, müsse man beobachten. «Die häufigsten schweren Komplikationen sind Superinfektionen mit Bakterien», sagt Suter.

Ähnlich klingt es bei den Stadtspitälern Triemli und Waid: «Wir haben anfangs der Grippewelle ein paar schwere Fälle gesehen. Die häufigste Komplikation war Lungenversagen, das heisst eine sehr schwere Lungenentzündung, die auf der Intensivstation behandelt werden muss», sagt Adrian Schibli, Chefarzt Infektiologie, Spitalhygiene und Personalmedizin des Stadtspitals Zürich.

Im Kantonsspital Winterthur, im Inselspital Bern, im Kantonsspital Luzern oder im Kantonsspital Bülach ist die Situation hingegen mit dem Vorjahr vergleichbar. Das Universitätsspital Basel konnte keine Daten zur Verfügung stellen.

Wirkt die Impfung gegen die neue Variante?

Die Zusammensetzung des Impfstoffs gegen Grippe muss jeweils schon im Frühjahr für den kommenden Winter festgelegt werden. Der diesjährige Impfstoff enthält auch einen Schutz gegen das Influenzavirus A (H3N2), allerdings gegen eine Vorgängervariante und nicht gegen die neue Subklade K.

In der Schweiz erfassen die Spitäler nicht systematisch, ob die Grippepatienten geimpft sind. Die mögliche Wirkung der Impfung lässt sich deshalb nur aus internationalen Studien ablesen. «Daten aus Grossbritannien zeigen, dass die Hospitalisationsrate bei nicht geimpften Personen aus den Risikogruppen diesen Winter signifikant höher lag», sagt BAG-Sprecher Ming. Die Impfung zeige also klar eine positive Wirkung.

Wie viele Menschen aus den Risikogruppen (ab 65 J., Schwangere oder Personen mit Vorerkrankungen) sich in der Schweiz diesen Herbst gegen Grippe impfen liessen, ist nicht bekannt. Die Spitäler sind alle sehr stark ausgelastet, geplante Operationen musste bisher aber niemand verschieben.

Kann man sich jetzt noch impfen?

Bis die Grippeimpfung wirkt, dauert es knapp zwei Wochen. Da die Grippewelle anhält, empfiehlt das BAG nicht geimpften Risikopersonen, mit ihrem Arzt zu besprechen, ob sich eine rasche Impfung für sie jetzt noch lohnt.

Grippevirus in der Schweiz

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