Ein 60-Jähriger aus dem Bezirk Liezen hatte im Jänner 2025 den Akademikerball im Grazer Congress besucht. Er und seine Frau waren gegen 3.00 Uhr auf dem Weg zu ihrem Hotel, als dem Mann seine Couleur-Kappe – Zeichen einer Studentenverbindung – geraubt und er mit Schlägen und Tritten attackiert wurde. Der Obersteirer blieb schwer verletzt und bewusstlos liegen – mehr dazu in Mann nach Akademikerball niedergeschlagen (27.1.2025).

Demo gegen den 70. Akademikerball in Graz

ORF

Überwachungsbilder führten zu Verdächtigen

Nach dem Angriff übernahm das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung die Ermittlungen, der Verdacht fiel bald auf Teilnehmer einer Demo gegen den Akademikerball – mehr dazu auch in Akademikerball: Demo laut, aber friedlich (25.1.2025).

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Sieben Festnahmen nach Akademikerball

Anfang März, einige Wochen nach dem Vorfall, wurden zwei Tatverdächtige – ein Mann und eine Frau aus Österreich – in Graz verhaftet. Über Bildmaterial aus einer Überwachungskamera kamen die Ermittler auf die Spur von drei weiteren Personen in Graz, zwei Deutsche mit Wohnsitz Graz wurden mittels europäischem Haftbefehl gesucht. Wegen des Fahndungsdrucks stellten sie sich aber selbst.

Anklage wegen schweren Raubes

Die Staatsanwaltschaft Graz erhob schließlich Anklage gegen die sieben Personen wegen schweren Raubes. Zum Prozessauftakt am Mittwoch standen ein Deutscher und ein Österreicher als Haupttäter vor einem Schöffengericht, sie sollen den 60-Jährigen unmittelbar angegriffen haben, die übrigen fünf Angeklagten sollen Komplizen gewesen sein.

Alle Beschuldigten – zwei Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 26 und 29 Jahren – leugneten bis zuletzt die Vorwürfe. Sie sollen der Antifa-Szene angehören, wobei die Staatsanwältin zum Prozessauftakt betonte: „Dass das Motiv politisch war, mag sein, hat hier aber keine Relevanz“, mahnte die Anklägerin. Auffallend war allerdings das große Polizeiaufgebot beim Prozessauftakt. Der Saal war bis zum letzten Platz mit Zuhörern gefüllt, rund 30 Personen waren offenbar aus Sympathie zu den Angeklagten erschienen.

Kappenraub war „spontane Idee“

Die Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft bereits in einem Cafe einen Überfall geplant und danach gezielt nach einem Opfer Ausschau gehalten haben. Die Darstellung des Erstangeklagten sah anders aus. Er habe in der Runde nur gewitzelt dass er gerne eine Studentenkappe stehlen würde, geplant sei das aber nicht gewesen, sagte er vor Gericht: „Ich bin am Congress vorbeigekommen und habe den Mann mit seiner Frau gesehen.“

Er sei den beiden gefolgt, „weil ich neugierig war. Dann habe ich mich zu der spontanen Idee hinreißen lassen, ihm die Kappe wegzunehmen“, schilderte er die Tat. Zusammen mit einem weiteren Angeklagten sei er dann in dessen Wohnung gegangen. „Die Kappe wurde vernichtet“. Dass der Mann verletzt wurde, will er nicht bemerkt haben, obwohl das Opfer laut Staatsanwältin Serienrippenbrüche erlitten haben soll, was auch einen Krankenhausaufenthalt zur Folge hatte.

Angeklagter: „Wollte nur schauen“

Der zweite Hauptangeklagte, der unmittelbar beim Wegnehmen der Kappe dabei war, wollte, wie er sagt, an diesem Abend „nur schauen, wer da herumgeht“. Wie und warum das Opfer stürzte und sich schwer verletzte, konnte er nur vermuten: „Entweder ist er gestolpert oder er hat das Gleichgewicht verloren, als er die Hand nach seiner Kappe ausstreckte.“ Er lief mit den anderen Angeklagten jedenfalls weg.

„Ist Ihnen nie der Gedanke gekommen, Hilfe zu holen?“, fragte die Richterin. „Ich habe nicht darüber nachgedacht“, meinte der Befragte, es sei ja eine Frau bei dem Mann gewesen. Die Staatsanwältin interessierte außerdem, warum er – ebenso wie andere in der Gruppe – kein Handy dabeigehabt habe. „Solche Freiräume sind mir wichtig, damit man sozial sein kann“, lautete die Begründung.

Verteidiger beantragten Freispruch

Einer Verteidigerin zufolge habe das Opfer „nicht einmal gemerkt, dass ihm die Kappe weggenommen wurde.“ Auch würden die Angeklagten eine solche Kappe gar nicht haben und sich schon gar nicht damit bereichern wollen, so die Anwältin weiter, daher liege rein rechtlich auch kein schwerer Raub vor. Die beiden Verteidiger beantragten deshalb Freispruch für alle Angeklagten. Mittwochnachmittag wurden noch weitere Angeklagte befragt. Der Prozess ist für insgesamt drei Tage angesetzt.