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Die USA erwägen offenbar auch einen Militäreinsatz in Grönland. Ein Treffen mit Dänemark soll die Spannungen entschärfen. Europa zeigt sich besorgt.

Nuuk – Die Spannungen um Grönland spitzen sich weiter zu. US-Präsident Donald Trump hält an seinem Anspruch auf die arktische Insel fest und schließt einen Militäreinsatz gegen den NATO-Partner Dänemark, zu dem Grönland gehört, nicht ausdrücklich aus. Gleichzeitig zeigt sich Washington für Gespräche offen: Für die kommende Woche ist ein Treffen zwischen US-Außenminister Marco Rubio und dem dänischen Außenminister Lars Løkke Rasmussen geplant. Auch Grönland will an den Gesprächen teilnehmen.

Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen (links) spricht während eines Treffens der NATO-Außenminister mit US-Außenminister Marco Rubio (rechts).

Treffen zur Grönland-Drohung: Dänemarks Außenminister Rasmussen will im Gespräch mit seinem Amtskollegen Rubio deeskalieren (Archivbild). © JACQUELYN MARTIN/Pool/AFP

Nach Angaben des Weißen Hauses diskutierte Trump zuletzt „intensiv“ über einen möglichen Kauf Grönlands. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, der Präsident sehe darin ein zentrales Sicherheitsinteresse der USA. Ziel sei es, russische und chinesische Aktivitäten in der Arktis einzudämmen. Zugleich machte Leavitt deutlich: Für Trump lägen „immer alle Optionen auf dem Tisch“, auch militärische. Diplomatie sei zwar die erste Wahl, ausgeschlossen werde jedoch nichts. Diese Aussagen sorgen international für erhebliche Unruhe.

Dänemark und Grönland wollen Gefahr aus USA abwenden: Gespräch mit Trump-Minister Rubio

Das geplante Treffen von Rubio und Vertreter Dänemarks gilt als Versuch, einen Grönland-Militäreinsatz abzuwenden. Nach dem jüngsten US-Angriff auf Venezuela wachsen in den NATO-Mitgliedsstaaten die Sorgen, Trump könnte seine Drohungen auch dieses Mal wahrmachen. Bereits kurz nach der US-Operation in Venezuela sorgte auf der Onlineplattform X ein entsprechender Beitrag der Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs Stephen Miller, Katie Miller, für Aufregung.

Trump selbst bekräftigte zuletzt an Bord der Air Force One den US-Anspruch auf Grönland: Dänemark könne die Insel nicht ausreichend schützen, erklärte er am Sonntag (4. Januar). „Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“, so der US-Präsident weiter.

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Dänemarks Außenminister Rasmussen hatte nach eigenen Angaben die US-Regierung wiederholt um Gespräche gebeten. Rubio bestätigte nun das Treffen für kommende Woche (ab dem 12. Januar), ohne Details zu nennen. Auch die Regierung Grönlands will teilnehmen. Die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt erklärte, man habe um das Treffen gebeten. Ziel sei eine „Normalisierung“ der Beziehungen zu den USA. Sie betonte die aus ihrer Sicht sicherheitspolitische Realität: Grönland brauche die USA – und die USA Grönland.

Europa steht hinter Dänemark: USA können nicht über Grönlands Schicksal entscheiden

In Europa stößt Trumps Vorgehen auf breite Ablehnung. Mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), sicherten Dänemark in einer Erklärung am Dienstag (6. Januar) ihre Unterstützung zu. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) begrüßte das geplante Treffen mit US-Außenminister Rubio ausdrücklich. Sicherheitsfragen in der Arktis müssten im NATO-Rahmen geklärt werden, sagte er.

„Über das Schicksal Grönlands entscheiden die Grönländerinnen und Grönländer und das Königreich Dänemark, zu dessen Hoheitsgebiet Grönland gehört“, bekräftigte Wadephul. Die Prinzipien der UN-Charta seien bindend. Auch Frankreich, Polen, Großbritannien und die nordischen Staaten positionierten sich klar. In Dänemark werden inzwischen Forderungen laut, dass NATO-Generalsekretär Mark Rutte vermitteln solle.

Trump-Drohungen verunsichern Grönland – Experten warnen vor „Game Over“ der NATO

In Grönland zeigen Umfragen ein klares Bild: Die Mehrheit der rund 57.000 Grönländer wünscht langfristig die Unabhängigkeit von Dänemark, lehnt aber eine Eingliederung in die USA ab. Die jüngsten Drohungen aus Washington haben die Verunsicherung auf der Insel verstärkt. „Die letzten Tage waren sehr, sehr schwierig – und emotional aufwühlend“, sagte ein Bewohner der grönländischen Hauptstadt Nuuk, Pitsi Karolussen, dem dänischen Fernsehen.

Einige Militärexperten warnen vor gravierenden Folgen. Der dänische Forscher Peter Viggo Jakobsen spricht von einem „Game Over“ im Falle eines US-Angriffs. Dänemark stünde militärisch allein, die NATO wäre schwer beschädigt. „Es geht um politische Solidarität, aber auch um Selbsterhaltung, dass alle westlichen Länder den Wunsch haben, dass wir das Prinzip der staatlichen Souveränität beibehalten sollten“, sagte Andreas Osthagen, Forschungsdirektor am Fridtjof-Nansen-Institut in Oslo, gegenüber Reuters.

Warum Grönland für die USA strategisch so wichtig ist: Ressourcen und Geopolitik

Für die USA bedeutsam ist Grönlands strategische Lage zwischen den USA, Russland und Europa. Der Klimawandel mit schmelzendem Polareis macht neue Schifffahrtsrouten zugänglich und lässt das geopolitische Interesse an der Arktis wachsen. Die USA sind militärisch bereits präsent: In Pituffik betreiben sie einen Stützpunkt für Raketenwarnung, Raketenabwehr und Weltraumüberwachung. Experten betonen daher: Washington kann seine Sicherheitsinteressen auch ohne Annexion sichern.

Trump verweist jedoch auf die Präsenz von russischen und chinesischen Schiffen vor Grönlands Küste. Es gehe ihm nicht um Rohstoffe, sondern um die nationale Sicherheit, betonte er in der Vergangenheit. Aktuell gehört Grönland zum EU– und NATO-Staat Dänemark. Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks. Bis auf den Verteidigungsbereich genießt Grönland mittlerweile allerdings weitreichende Autonomie. (Quellen: AFP, dpa, Reuters, eigene Recherche) (lismah)