Von ICE erschossen: Wer war Renee Nicole Good?

Ihr Tod hat Proteste ausgelöst. Die Behörden sprechen von Terrorismus und Notwehr – Kritiker sind empört. Was über das 37-jährige Opfer bisher bekannt ist.

Trauerbekundungen für Renee Nicole Good an einem Pfosten in Minneapolis, mit der Aufschrift ’RIP Renee’ und ’Murdered by ICE’, aufgenommen am 8. Januar 2026.

Trauerbekundungen für Renee Nicole Good: Die 37-Jährige wurde von einem ICE-Beamten erschossen.

Foto: Charly Triballeau (AFP)

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In Kürze: Renee Nicole Good wurde am Mittwoch in Minneapolis von einem ICE-Beamten erschossen.Anders als frühere Opfer war Good eine weisse US-Bürgerin ohne Migrationshintergrund.Videos des Vorfalls legen nahe, dass Good nicht beabsichtigte, jemanden zu überfahren.

«Say her name!», skandierten Protestierende am Mittwochabend in Minneapolis. «Sagt ihren Namen!» Ihr Name ist Renee Nicole Good. Sie wurde am Mittwoch in ihrem Auto von einem Beamten der Einwanderungsbehörde ICE erschossen. Good war 37 Jahre alt und Mutter dreier Kinder.

Es ist nicht das erste Mal, dass ICE-Beamte auf jemanden schiessen. In den vergangenen Monaten haben Mitarbeiter der Behörde mindestens neunmal von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht.

Schon das zweite Todesopfer

Es ist auch nicht der erste Vorfall mit tödlichem Ausgang. Im September wurde Silverio Villegas González erschossen, ein Einwanderer aus Mexiko. In allen Fällen behaupteten die Behörden, die ICE-Beamten hätten in Notwehr geschossen, weil sie befürchtet hätten, überfahren zu werden. 

So ist es auch im Fall von Renee Nicole Good. Die Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, und Präsident Donald Trump kündigten nicht bloss eine Untersuchung an, wie es in Rechtsstaaten üblich ist. Sie legten sich unmittelbar nach dem tödlichen Vorfall fest.

Kristi Noem sagte, das Opfer habe sein Auto als Waffe eingesetzt und damit einen «terroristischen Akt» begangen. Der Schütze habe in Notwehr gehandelt. Trump behauptete gar, Good habe den ICE-Beamten «gewaltsam, vorsätzlich und böswillig» überrollt, was der Bürgermeister von Minneapolis als «bullshit» bezeichnete.

Diesmal hat es eine weisse US-Bürgerin getroffen

Was den Fall von früheren Fällen unterscheidet, ist zum einen die Herkunft des Opfers: Renee Nicole Good ist keine Migrantin, sie ist eine weisse US-Bürgerin. Zum anderen gibt es von den Schüssen auf Good mehrere Videos, die den Schluss nahelegen, dass Renee Good davonfahren wollte und nicht beabsichtigte, jemanden zu überfahren. Jede und jeder kann sich ein Bild des Tathergangs machen.

Beides trägt dazu bei, dass ihr Fall mehr Aufmerksamkeit erhält als frühere Fälle. Kritiker von Trumps Einwanderungspolitik schreiben in sozialen Medien, vielleicht würden die Menschen jetzt, da es eine Weisse getroffen habe, merken, welche Gefahr von dieser Behörde ausgehe. Ein Redner an einer Protestveranstaltung sagte: «Wenn ihr geglaubt habt, das gehe euch alles nichts an, habt ihr euch getäuscht.»

Mutter: «Sie hat sich um andere gekümmert»

Warum Good am Ort des Geschehens war, ist nicht restlos geklärt. Ihre Mutter Donna Ganger sagte der Zeitung «Minnesota Star Tribune», Renee Good habe nichts mit Protesten gegen ICE zu tun gehabt. Sie beschrieb ihre Tochter als äusserst mitfühlend. «Sie hat sich ihr ganzes Leben lang um andere Menschen gekümmert», sagte Ganger. Sie sei liebevoll und warmherzig gewesen, «ein wunderbarer Mensch».

Ihr Vater Tim Ganger äusserte sich gegenüber der «Washington Post» ähnlich. Laut ihrem Ex-Mann hinterlässt Good eine 15-jährige Tochter und zwei Söhne im Alter von 12 und 6 Jahren. Der 6-Jährige ist nun Waise. Sein Vater, der Comedian Tim Macklin, verstarb 2023.

Der Stadtrat von Minneapolis schrieb in einer Erklärung, Renee Good habe sich um ihre Nachbarn gekümmert, als sie getötet worden sei. Good soll die ICE-Beamten beobachtet und gefilmt haben, wie es viele tun – mit dem Ziel, die Beamten von Willkür und Brutalität abzuhalten und Fehlverhalten zu dokumentieren.

Als Dichterin mit Preis ausgezeichnet

Auf ihrem Instagram-Account beschrieb sich Good als Dichterin, Autorin, Mutter und miserable Gitarrenspielerin aus Colorado. Sie hatte an der Old Dominion University Englisch und Kreatives Schreiben studiert und war 2020 mit einem Preis ausgezeichnet worden. Wenn sie nicht gerade schreibe, lese sie oder spreche sie über das Schreiben, hiess es damals in den biografischen Angaben zur Gewinnerin. Mit ihren Kindern bastle sie chaotische Kunstwerke.

Der Präsident ihrer ehemaligen Universität, Brian Hemphill, bezeichnete Goods Tod als «ein weiteres klares Beispiel dafür, dass Angst und Gewalt in unserem Land leider alltäglich geworden sind». «Ich hoffe auf Mitgefühl, Heilung und Besinnung in einer Zeit, die zu einer der dunkelsten und unsichersten Perioden in der Geschichte unseres Landes wird», sagte Hemphill.

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