Die Europäer wollen ihre Verteidigung stärken und setzen dabei unter anderem auf ein Panzerfahrzeug aus Finnland. Der Patria 6×6 vom gleichnamigen finnischen Rüstungskonzern wird für einige Nato-Staaten immer wichtiger. Dabei handelt es sich um einen Mannschaftstransportwagen. 6×6 steht für die Antriebs- und Achskonfiguration: Drei Achsen mit sechs angetriebenen Rädern sorgen für hohe Geländegängigkeit.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Allein die Bundeswehr will 876 Stück des finnischen Multitalents anschaffen – und nennt einen Bedarf von fast 4000 der Radpanzer. Er soll den in die Jahre gekommenen Fuchs ablösen. Vier Varianten sind bestellt, davon eine mit einem schlagkräftigen 120-Millimeter-Mörserturm. Gesamtwert: rund zwei Milliarden Euro. Produziert wird in einheimischen Fabriken an mehreren Standorten in der Bundesrepublik.

Nicht nur für Deutschland hat das Fahrzeug enorme Bedeutung gewonnen, wie der „Business Insider“ hervorhebt. Schweden ist seit Ende 2021 Partner, später folgten Dänemark, Großbritannien, Lettland und Norwegen.

Entwickelt wurde das Fahrzeug unter dem internationalen Rüstungsprogramm Common Armored Vehicles System (CAVS). Das Ziel: Ein flexibler Transporter, der erschwinglich, leicht modifizierbar und für die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Streitkräften geeignet ist. Die gemeinsame Beschaffung des Systems drückt den Preis, macht die Ersatzteilbeschaffung und -vorhaltung einfacher. Das vereinfacht die Logistik für die Nato-Staaten.

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Patria 6×6: Allrounder für härteste Bedingungen

Die Stärke des Radpanzers liegt nicht nur in seiner robusten Konstruktion und Geländegängigkeit. Mit einer Länge von 7,5 Metern und einem Gewicht von 17 Tonnen gilt das Fahrzeug als besonders anpassungsfähig. Es ist vor allem für den Transport von Soldaten ausgelegt, kann aber auch für andere Zwecke konfiguriert werden. Auch Gewässerüberquerungen sind möglich.

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Die Panzerung reicht bis zur Nato-Schutzstufe 4, wie die Fachplattform „Army-Technology“ berichtet. Diese schützt die Insassen vor Minen, Artilleriebeschuss und direktem Feindkontakt. Im Vergleich zu Konkurrenzmodellen wie dem deutschen gepanzerten Radfahrzeug Boxer oder dem US-amerikanischen Stryker punktet der Patria 6×6 zudem mit spezifischen Anpassungen für extreme Kältebedingungen.

In der Standardausführung verfügt es über eine Klimatisierung, die Einsätze bei Temperaturen bis zu −40 Grad Celsius erlaubt.

Presentation of the new Patria 6x6 AMV

Der Patria 6×6 ist dafür ausgelegt, sowohl Schnee als auch sumpfiges Gelände zu überwinden. 
© picture alliance/dpa/Lehtikuva | Heikki Saukkomaa

Radpanzer für die ganze Nato-Ostflanke

Die wachsende Nachfrage nach dem gepanzerten Fahrzeug zeigt, dass die arktische Region immer stärker strategisch in den Fokus rückt, militärisch wie geopolitisch. Dabei kommt finnischen Rüstungsunternehmen eine besondere Bedeutung zu. Sie haben jahrzehntelange Erfahrung darin, an die Region angepasste Fahrzeuge zu bauen.

Im Gegensatz zu vielen schweren Radpanzern, die auf festen Straßen optimiert sind, ist der Patria 6×6 darauf ausgelegt, auf tiefem Schnee, Mooren und Waldwegen nicht einzusinken. In der Arktis oder im hohen Norden bedeutet Komplexität oft Fehleranfälligkeit. Die finnische Philosophie setzt auf robuste, wartungsarme Technik, die auch bei -40 °C funktioniert. Das macht das Fahrzeug für die gesamte Nato-Ostflanke (vom Nordkap bis zum Baltikum) extrem attraktiv.