Wetterkapriolen in Adelboden: Selbst der Geschäfts­führer schaufelt in der Dunkelheit

Die Prognosen für den Riesenslalom-Klassiker vom Samstag sind ungünstig. Rund 300 Helfer arbeiten in der Nacht auf der Piste – die entgegen dem Trend mit Eis präpariert wurde.

Zielraum beim Ski Weltcup Adelboden 2026 unter Schneefall, mit leeren Zuschauertribünen und schneebedeckten Hängen.

Hudelwetter: In Adelboden schneit es am Freitag permanent – die Organisatoren sind gefordert.

Foto: Christian Pfander

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In Kürze: Die Piste in Adelboden wurde trotz umstrittenem FIS-Trend mit Eis präpariert.Bei schlechtem Wetter arbeiten 300 Leute in Schichten, um Schnee zu räumen.Marco Odermatt unterstützt die Entscheidung, den Programmablauf nicht zu tauschen.

Der Trend des Weltskiverbandes FIS ist umstritten: Die Pisten im Weltcup sollen mit weniger Eis präpariert werden, damit es zu tieferen Tempi und aufgrund der weicheren Unterlage zu einer weniger aggressiven Skipräparierung kommt. Dies alles soll die Verletzungsgefahr verringern; viele Fahrer aber halten nichts davon, sie befürchten unfaire Verhältnisse.

Der Adelbodner Pistenchef Toni Hari sagt, er habe von der FIS nie eine Weisung erhalten. Also wurde im Berner Oberland schon in der Altjahrswoche mit dem Bewässern des Chuenisbärgli begonnen. «Zum Glück», sagt Topfavorit Marco Odermatt, «wäre das nicht passiert, hätten wir bei diesem Wetter sonst das Rennen längst absagen können.»

Der Schweizer Skifahrer Marco Odermatt posiert mit verschränkten Armen bei der Pressekonferenz des Schweizerischen Skiverbandes vor dem FIS Ski-Weltcup in Adelboden, 08. Januar 2026.

Könnte zum fünften Mal triumphieren: Marco Odermatt gilt in Adelboden einmal mehr als Topfavorit.

Foto: EPA

Es schneit in Adelboden seit Donnerstag, zuweilen setzte gar noch starker Regen ein. Und auch am Wochenende werden Niederschläge erwartet. Eine eher weiche Piste wie zuletzt etwa in Val-d’Isère, Alta Badia und Livigno wäre bei diesen Verhältnissen Gift gewesen, so sieht es auch Odermatt, der am Donnerstag mit dem Flieger aus Salzburg anreiste – auf der Reiteralm hatte er wie auch Thomas Tumler und Talent Lenz Hächler vier Tage Riesenslalom trainiert.

Marco Odermatt stützt den Programmentscheid

Die Piste sei in einem guten Zustand, sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner am Freitagabend, sie sei nur etwas feucht geworden. Um die 1,2 Kilometer lange und je nach Stelle 30 bis 50 Meter breite Piste von den Schneemassen zu befreien, arbeiten in der Nacht auf Samstag in drei Schichten rund 300 Leute, selbst Geschäftsführer Christian Haueter fuhr in der Dunkelheit mit der Schaufel hoch. Auch zu starker Wind, Nebel und damit schlechte Sicht könnten den Riesenslalom-Klassiker gefährden, es bestünde jedoch die Möglichkeit, den Start nach unten zu verlegen. Ausgeflaggt wurde der 1. Lauf aus Sicherheitsgründen bereits am Freitagmorgen.

Für den Slalom am Sonntag dürfte das Wetter ein wenig besser sein, die Idee des Programmabtauschs wie im vergangenen Jahr wurde kurz diskutiert, aber schon Mitte Woche verworfen, «es fehlte die Grundlage dafür», sagt Christian Haueter. Was Odermatt befürwortet: «Den Fans hätten wir eine nochmalige Verschiebung nicht antun können.»

Der Riesenslalom am Samstag ist mit 25’000 Zuschauern längst ausverkauft, bei einer Absage am Renntag würden die Fans den Ticketpreis nicht zurückerstattet bekommen. Die Organisatoren hätten dennoch finanzielle Einbussen, etwa wegen tiefer Sponsorenleistungen. Pistenchef Toni Hari sagt, Neuschnee habe die Adelbodner noch nie nervös gemacht. «Und bei einem Acht-Millionen-Budget sind wir doch verpflichtet, dass die Rennen durchgeführt werden können.»

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