US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio zuhören.

analyse

Stand: 10.01.2026 00:33 Uhr

Die USA wollen sich langfristig den Zugriff auf venezolanisches Erdöl sichern. Präsident Trump hat nun die Chefs von Ölkonzernen ins Weiße Haus eingeladen. Doch ob die ins Geschäft in Venezuela einsteigen wollen, ist noch fraglich.

Eine Woche nach der Maduro-Gefangennahme hatte US-Präsident Donald Trump Vertreter mehrerer Ölfirmen zu Gast. Er warb dafür, dass sie schnell und im großen Stil in Venezuela einsteigen. Doch in der Branche herrscht keine Goldgräberstimmung. Das hat handfeste wirtschaftliche Gründe, die Trump nicht auf dem Schirm zu haben scheint.

Zwar verspricht die US-Regierung, sie werde den Ölsektor in Venezuela bis auf Weiteres kontrollieren; ob sich alleine deswegen schon große Investitionen dort für die amerikanischen Ölmultis lohnen, ist jedoch eine andere Frage.

Die Firmen werden vorsichtig sein

Der Branchenexperte Bob McNally sagte dem Sender CNN : “Die Ölfirmen lockt das an. Sie sind gefährliche Standorte gewohnt. Und das sind die größten Reserven weltweit. Aber sie werden sehr, sehr vorsichtig sein.”

Venezuela soll über 300 Milliarden Fass Rohöl verfügen. Bewiesen wurde das aber nie. Einige schätzen die Vorkommen auf noch nicht einmal ein Drittel dessen. Für Skepsis sorgt auch, dass Venezuela über “schweres Rohöl” verfügt. Raffinerien müssen besonders ausgerüstet sein, um es verarbeiten zu können.

“Die Zahl der Raffinerien in den USA und anderswo, die dieses Öl wollen, sinkt”, erklärt Mukesh Shadev von der Beratungsfirma XAnalysts bei Bloomberg TV. “Dies ist nicht die Sorte von Rohöl, die die Welt in der Zukunft braucht, weil wir weiter in Richtung weniger Benzin und weniger Diesel gehen werden.”

Nicht sicher, ob es sich lohnt

Derzeit werden auf der Welt jeden Tag etwa 105 Millionen Fass Öl gefördert. Das sind etwa zwei Millionen Fass über dem Bedarf. Es herrscht also kein Mangel. Und: Rohöl ist günstig, sagt Experte Peter Boockvar dem Sender CNBC. “Heute kostet ein Fass 60 Dollar, etwas darunter. Vor 20 Jahren kostete es nominal ebenfalls 60 Dollar. Inflationsbereinigt sind diese 60 Dollar von damals heute 100 Dollar. Das Öl aus der Erde zu holen, ist heute aber viel teurer.”

Ob es sich bei einem so niedrigen Preis lohnt, die Produktion in Venezuela hochzufahren, ist also fraglich. Denn die Anlagen dort sind alt und heruntergekommen. Die Beratungsfirma Rystad Energy schätzt: Wenn man die tägliche Förderung in Venezuela wieder auf den Stand bringen will, den sie in den 90er Jahren hatte – das waren etwa drei Millionen Fass am Tag, das Dreifache der heutigen Förderung -, dann bräuchte das Investitionen in Höhe von rund 180 Milliarden Dollar bis 2040.

Sicherheit und politische Stabilität fehlen

Ein gewaltiges Investment für einen winzigen Teil der gesamten Jahresproduktion weltweit – an den Tankstellen spürbar wäre das wohl nicht. Der Ölexperte Bob McNally erwartet: “Kleine Firmen können ziemlich schnell nach Venezuela reingehen und einiges reparieren, um die Förderung in den kommenden Jahren anzuschieben. Aber die Großen, die das Know-How haben, um die Produktion richtig hochzufahren, sie werden zurückhaltender sein, bevor sie sich zu solchen Ausgaben verpflichten.”

Und egal, ob klein oder groß: Jedes US-Unternehmen in Venezuela bräuchte Sicherheit für seine Mitarbeiter vor Ort und politische Stabilität. Derzeit fehlt beides.

Zuschüsse aus Steuergeldern?

Womöglich macht Präsident Donald Trump also die Rechnung ohne den Wirt. Er träumt vom sprudelnden schwarzen Gold aus Venezuela, das auch den USA viel Geld bringt. Ob das jemals passiert – und, wenn ja, wann – das ist aber fraglich.

Als würde er es ahnen, dachte Trump deshalb in den vergangenen Tagen laut darüber nach, ob nicht amerikanische Steuerzahler die Ölfirmen vielleicht bezuschussen könnten, damit deren Interesse an venezolanischem Rohöl wächst.