Am Sonntag wird in der Coque einiges geboten: Neben zwei Pokal-Halbfinalspielen im Basketball steht auch die 13. Ausgabe des Aquathlons auf dem Programm. Die vom Triathlonverband organisierte Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. „Mehr als 550 Sportler haben sich angemeldet, weitere stehen auf den Wartelisten. Interesse und Begeisterung waren noch nie größer“, freut sich FLTri-Präsident Christian Krombach.
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In diesem Jahr steht der Aquathlon besonders im Fokus: „Der Vizepräsident des europäischen Triathlonverbands (Herwig Grabner, Anm. d. Red.) wird vor Ort sein“, verrät Krombach. Das hat einen Grund: Die ETU nutzt das Event als Testlauf. „Sie wollen sehen, ob das Format passt und wie wir es organisieren.“ Sollte alles reibungslos verlaufen, könnte 2027 in der Coque die erste Indoor-Aquathlon-EM überhaupt stattfinden.
Für Christian Krombach ist es an der Zeit, dass wieder eine EM in Luxemburg stattfindet. Foto: Christian Palmisano
Dass die FLTri möglichst bald eine EM ins Großherzogtum locken möchte, hatte Krombach bereits im November anlässlich der „Journée des récompenses“ verraten. „Ein Projekt, das wir in der Pipeline haben, ist, wieder eine Europameisterschaft nach Luxemburg zu bekommen. Seit 1993 war das nicht mehr der Fall. Wir arbeiten darauf hin, die EM im Rahmen des Aquathlons in die Coque zu holen.“ Er sagte auch: „Nach all den Jahren, in denen wir stets bei Events im Ausland mitgemacht haben, möchten wir nun auch wieder aktiv etwas mitgestalten.“
Wir benötigen keine Genehmigungen und brauchen wesentlich weniger Freiwillige.
Christian Krombach
FLTri-Präsident
Dieser Punkt ist dem Präsidenten besonders wichtig: „Wir waren früher als Verband lange in Europa federführend. 1993 fand die Triathlon-EM über die olympische Distanz in Echternach statt. Sie war ein voller Erfolg. 10.000 Zuschauer waren damals vor Ort. Davor gab es Weltcups und Europacups in Luxemburg. Seitdem ist es ruhiger geworden. Das wollen wir ändern.“
Noch kein Zuschlag, aber Interesse
Krombach macht keinen Hehl daraus, dass die ETU mit dem Luxemburger Präsidenten Marc d’Hooge auch eine Rolle spielt. „ Es ist auch gewissermaßen eine Pflicht, unseren Beitrag zu leisten. Wir gelten beim internationalen Verband als Nation im Entwicklungsstadium. Das passt nicht zu uns. Wir machen überall mit. Unsere Athleten sind bärenstark. Nur im Bereich des Organisierens hinken wir hinterher. Der ETU-Präsident wäre stolz, wenn wir als kleine Nation etwas auf die Beine stellen würden.“
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Eine Indoor-Europameisterschaft im Aquathlon (Schwimmen und Laufen) wäre Neuland – auch für die ETU. „Es gibt kein Pflichtenheft und kein Regelbuch. Es existiert ein gewisser Spielraum“, berichtet Krombach. Zwar gebe es noch keinen offiziellen Zuschlag für die EM im kommenden Jahr, „aber die ETU ist interessiert. Die Zeichen sind positiv“.
250 Meter müssen die Elite-Starter pro Durchgang im Schwimmbecken abspulen. Foto: Ben Majerus
Fakt ist, dass ein Indoor-Aquathlon wesentlich einfacher zu stemmen ist als ein normaler Triathlon im Freien. „Wir benötigen keine Genehmigungen und brauchen wesentlich weniger Freiwillige. Es sind beispielsweise keine Streckenposten nötig, welche die Straßen für die Lauf- oder Fahrradstrecke absichern“, sagt Krombach. Für 2027 wurde bereits mit dem Leichtathletikverband vereinbart, die Arena der Coque an zwei Tagen zu reservieren, falls die EM kommt.
Der Wettkampf am Sonntag wird in Turnierform ausgetragen. Jeder Athlet absolviert vier bis fünf Rennen – ein Format, das Spannung garantiert. Geschwommen werden 250 Meter im Trainingsbecken im Untergeschoss. Anschließend führt der Weg durch die Katakomben in die Arena, in der 1.000 Meter auf der Indoor-Bahn gelaufen werden. „Die Zuschauer können das Schwimmen in der Arena mitverfolgen. Der Wettkampf wird dort übertragen“, verrät Krombach.
Es müssten schon Tausende Zuschauer an die Strecke kommen, damit sich das lohnt.
Christian Krombach
FLTri-Präsident
Zwischen 10 und 18 Uhr ist packende Action garantiert. Neben den Luxemburger Spitzenathletinnen Jeanne Lehair, Eva Daniëls und Linda Krombach sind auch Lucas Cambrésy und Sebastian Ziekman am Start. Zudem treten die Olympia-Teilnehmer Vincent Luis (F) und Laurent L’Entete (MRI) an. Die Schweiz und Österreich reisen mit ihren Jugend-Nationalteams an.
Jeanne Lehair (l.) stellt sich am Sonntag erneut der Herausforderung in der Coque. Foto: Ben Majerus
Damit steht einer gelungenen Generalprobe für die EM nichts im Weg. Und vielleicht weckt der Erfolg sogar Lust auf mehr – etwa auf eine Triathlon-EM im Freien oder auf einen Weltcup. „Das wäre zwar ein Traum“, sagt Krombach, „aber das ist nicht das Kerngeschäft unseres Verbands“. Der 53-Jährige ergänzt: „Da müssten schon ein oder mehrere Vereine mit ins Boot steigen, um die Organisation zu übernehmen. Wir besitzen als Föderation nicht die notwendige Manpower. Man muss zudem wissen, dass solch ein Event finanziell nicht lukrativ ist. Es müssten schon Tausende Zuschauer an die Strecke kommen, damit sich das lohnt. Das kann ich mir aber schwer vorstellen.“
In der Coque hingegen fühlt sich der Verband bestens aufgehoben. „Die Räumlichkeiten werden uns kostenlos zur Verfügung gestellt – anders wäre das Event nicht machbar. Die Unterstützung des Ministeriums ist ebenfalls gewachsen.“ Und die Athleten seien jedes Jahr begeistert von Modernität, Sauberkeit und Funktionalität des Sportzentrums. Wenn die ETU das ähnlich sieht, steht der EM 2027 wenig im Weg.
Triathlon-EM in Echternach
Im Juli 1993 fand die bislang letzte Triathlon-Europameisterschaft in Luxemburg statt. Im kommenden Jahr könnte die Aquathlon-Variante, die aus Schwimmen und Laufen besteht, eine 34 Jahre andauernde Durststrecke beenden.
Die Erinnerungen an das damals in Echtermach organisierte Event sind unvergessen. Die von Trilux (Triathlon Luxembourg) organisierten Europameisterschaften „wurden nach anderthalb Jahren akribischer Vorbereitung zum Highlight, organisatorisch und auch vom Zuspruch des Publikums her“, schreibt Pierre Gricius in seiner Publikation „Triathlon zu Lëtzebuerg“. Und weiter heißt es: „Rund 800 Triathleten zählte man an den zwei Tagen, an die 10.000 Zuschauer sahen sich das Spektakel an.“
Über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) wurde damals um die Medaillen gekämpft. Sportlich setzte vor allem Nancy Kemp-Arendt mit Rang 25 ein Ausrufezeichen. Sie war nach 2.21‘43‘‘ im Ziel rund 13 Minuten langsamer als Siegerin Simone Westhoff (D). Bei den Männern ging der Sieg an den Briten Simon Lessing. Unter 74 gewerteten Männern war Dan Dethier (55.) der beste Luxemburger. Dahinter landeten Steve Thull (57.), Claude Guden (58.) und René Lieners (68.).